Horn will die Kölner Tradition fortsetzen

Köln..  Am Dienstagabend war Timo Horn auf Schnupperkurs in der Kölner Innenstadt. In weißem T-Shirt, Kapuzenjacke und mit frisch gezogenem Seitenscheitel folgte der Kölner Schlussmann der Einladung des Teamkollegen Jonas Hector. Der 24-jährige Linksverteidiger hatte seine Mitspieler plus Trainer- und Betreuerteam in ein Restaurant im Belgischen Viertel gebeten – ein kulinarisches Dankeschön für seine Erstberufung in die Nationalmannschaft im vergangenen November. Und der drei Jahre jüngere Horn konnte beim Tischgespräch schon mal Informationen einholen, wie sich das so anfühlt unter Deutschlands auserwählten Kickern.

Denn dass er selbst einmal im nationalen Auftrag das Tor hüten will, daraus macht der ehrgeizige Keeper kein Geheimnis. Frühere deutsche Ballfänger-Größen wie Oliver Kahn („Es fällt auf, wenn ein junger Torhüter so wenige Fehler macht“) und Jens Lehmann („Er hat großes Potenzial“) loben Horn längst in höchsten Tönen. Zudem gedeihen Nationalkeeper gerade auf der Erde rund ums Geißbockheim prächtig: Bodo Illgner wurde Weltmeister, sein Vorgänger Toni Schumacher holte in seinen Kölner Jahren zwei Mal den globalen Vize-Titel.

Schwerer Job gegen Leverkusen

Am Samstagabend begleitet Schumacher, inzwischen Vize-Präsident bei den Domstädtern, Timo Horn passenderweise zum Auftritt im ZDF-Sportstudio. Zuvor muss der junge Schlussmann, der Strafraumbeherrschung und Spieleröffnung als seine größten persönlichen Baustellen erkannt hat, den schwierigen Job gegen die Leverkusener Offensivmaschinerie erledigen. Die Hinrunden-Partie auf der rechten Rheinseite verlief aus Kölner Sicht wenig glorreich (1:5), deshalb hat Horn nun vor allem eine Bitte an die Mannschaftskameraden: „Wir dürfen nicht ins offene Messer laufen.“

Diese Besonnenheit lebt der gebürtige Kölner entschieden vor. Toni Schumacher, in seiner aktiven Zeit nicht eben auf den Mund gefallen, animiert ihn zu erhöhter Lautstärke beim Dirigieren der eigenen Defensive, Jörg Schmadtke sieht in Horns sachlicher Berufsausübung dagegen durchaus Vorzüge. „Timo ruht sehr in sich“, betont der Manager

Die gefasste Art und seine bemerkenswert konstanten Leistungen hat Horn der vormaligen Zusammenarbeit mit einem Mentaltrainer zu verdanken. „Ich möchte von hinten raus Ruhe ausstrahlen, will keinen verrückt machen“, erläutert Horn sein sportliches Credo, das ihn immerhin schon mal in Sichtweite zur deutschen A-Auswahl gebracht hat.

Neben den ähnlich ambitionierten Konkurrenten Marc-André ter Stegen (22, Barcelona) und Bernd Leno (23, Leverkusen) wird er im Juni mutmaßlich als dritter Torhüter zur U-21-EM nach Tschechien reisen. Horns Vorteil: Gelingt dort die Olympia-Qualifikation, wären ter Stegen und Leno beim Fünf-Ringe-Theater im nächsten Sommer zu alt für den Job zwischen den Pfosten – die Kölner Nummer eins jedoch nicht.

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