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Heiß auf Peking

25.01.2008 | 22:56 Uhr

Der Duisburger Taekwondo-Sportler Levent Tuncat steigt im Sommer bei den Olympischen Spielen auf die Kampfmatte. Vorher will der zweifache Europameister seinen EM-Titel verteidigen und die US Open gewinnen

Duisburg. Zweifacher Europameister, zwölfmaliger Deutscher Meister, Sieger der US Open - das sind nur ein paar der Titel, die der Taekwondo-Sportler Levent Tuncat bislang sammeln konnte. Erst 19 Jahre alt, hat er fast alles erreicht, was es in der Vollkontakt-Disziplin der koreanischen Kampfsportart zu erreichen gibt. Die Betonung liegt auf "fast", denn seinen großen Traum will sich der Duisburger nun im Sommer erfüllen: Als erster deutscher Taekwondo-Athlet hat sich Tuncat bereits für die Olympischen Spiele in Peking qualifiziert.

"Olympia war schon immer mein Ziel", erzählt Levent Tuncat. Der Weg nach Peking wird für ihn kein Zuckerschlecken sein. Zwei Stunden täglich trainiert er - sieben Mal die Woche. Unermüdlich simulieren Levent Tuncat und sein Trainingspartner diverse Kampfsituationen: Ausweichen nach links, Ausweichen nach rechts, Kontern auf die Weste, Kontern zum Kopf. Im Wettkampf müssen diese Bewegungen fließend ineinander übergehen.

Mittlerweile hat Tuncat für sich seinen eigenen Stil gefunden: keinen Stil zu haben. "Levent passt sich seinem Gegner an. Er kann offensiv und defensiv kämpfen. So macht er es seinen Gegnern schwer, sich auf ihn einzustellen", sagt sein Trainer Cedvet Mutlu vom Verein TC Laar. Der 53-Jährige, der das Ausnahmetalent seit 14 Jahren betreut, ist überzeugt, dass dieser in Peking den Sprung aufs Treppchen schaffen kann. "Levents Plus ist sein Selbstvertrauen. Er weiß, was er kann."

Selbstvertrauen tankte Tuncat erst kürzlich im englischen Manchester: Bei der Weltqualifikation für die Olympischen Spiele besiegte er seine Konkurrenten aus Malaysia, Kanada, Portugal und Ägypten. "Das Fundament ist gelegt", sagt der türkischstämmige Sportler und fügt hinzu: "Nur in Peking dabei zu sein, das wird mir nicht reichen. Ich will eine Medaille."

Die olympischen Ringe vor Augen tritt Tuncat im Februar bei den US Open in New Orleans in der Gewichtsklasse bis 58 Kilo an. Er fliegt als Favorit über den großen Teich, denn 2007 konnte er die Meisterschaft überlegen für sich entscheiden. Im März stehen für den Gesamtschüler aus Duisburg, der 2009 sein Abitur machen will, die Holländische und die Deutsche Meisterschaft an. Im Mai tritt Tuncat in Italien bei der Europameisterschaft an, wo er seinen EM-Titel verteidigen will. Danach startet die heiße Trainingsphase für Peking.

Mit Kampfsport kam Levent Tuncat im zarten Alter von fünf Jahren in Berührung. Der Vater meldete ihn, wie es sich für einen "Buben" gehört, zunächst im Fußballverein an. Beim Training nahm Levent die hohen Bälle jedoch statt mit dem Kopf immer mit dem Fuß an. "Ich habe den Ball mehr getreten als geschossen." Nach sechs Monaten Fußball in der Kinderabteilung des MSV Duisburg wechselte er schließlich zum TC Laar.

Die Wahl fiel auf die Kampfsportart Taekwondo, da diese zu fast 80 Prozent aus Tritttechniken besteht. Die Fäuste werden in der olympischen Vollkontakt-Disziplin fast gar nicht benutzt. Schläge sind nur auf die gut gepolsterte Kampfweste erlaubt. Pluspunkte gibt es aber für Tritte zum Kopf - Levent Tuncats große Spezialität.

In den vergangenen Jahren hat sich Tuncat in der internationalen Kampfsportszene einen Namen gemacht. 2003 und 2004 wurde er Vize-Europameister bei den Jugendlichen. Den großen Wurf landete der Duisburger bei der EM 2005 im lettischen Riga, als er trotz seiner damals 17 Jahre bei den Erwachsenen startete und auf Anhieb den Titel in der Klasse bis 54 Kilo holte. Ein Erfolg, den er im Jahr darauf bei der EM in Bonn in der Gewichtsklasse bis 58 Kilo wiederholen konnte.

In der Sammlung des 19-Jährigen fehlen nur noch zwei Erfolge: die Weltmeisterschaft und der Olympiasieg. Letzteren will er im August seiner Bilanz hinzufügen: "Dafür werde ich alles geben."

Von Ilias Abawi

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