Heidler holt dritte deutsche Goldmedaille
30.07.2010 | 21:52 Uhr 2010-07-30T21:52:00+0200
Barcelona.Hammerwerferin Betty Heidler hat bei der Leichtathletik-EM die dritte deutsche Goldmedaille geholt. Silke Spiegelburg und Lisa Ryzih holten Silber und Bronze im Stabhochsprung.
Nachdem Betty Heidler den Hammer am Freitag aus der Hand geschleudert hat, fliegt die Eisenkugel an dem Stahlseil und fliegt und fliegt. Sie scheint gleich mehrere Zeitzonen zu durchfliegen und schlägt bei 76,38 Metern in den Boden des Olympiastadions von Barcelona ein. EM-Gold für die 26-Jährige, während auf der anderen Seite des Rasens die Stabhochspringerinnen Silke Spiegelburg (Silber) und Lisa Ryzih (Bronze) ihre Medaillen feiern.
Heidler ballt die Faust, als ihr Triumph feststeht, denn die Russin Tatjana Lysenko und Anita Wlodarczyk sind ihr den ganzen Abend dicht auf den Fersen gewesen. Die Polin, die aussieht als könnte sie ein Loch in eine Mauer brechen, ohne ins Schwitzen zu geraten, hält mit 78,30 Metern die Weltjahresbestweite, doch in Barcelona bleibt sie bei 74,63 Metern hängen, Bronze.
Lysenko wirkt hartnäckiger. Den 75,92 Metern Heidlers aus dem zweiten Versuch lässt sie im vierten Versuch 75,65 Meter folgen. Beim fünften Versuch der Russin schaut die Deutsche gar nicht mehr hin, der Hammer klatscht auf die 75-Meter-Marke. Jetzt ist die Frankfurterin dran und entdeckt das Motto ihrer Nachbarstadt: Meins bleibt meins! Sie feuert den Hammer auf 76,38 Meter und sichert sich damit endgültig ihre Goldmedaille.# Als Heidler sich eine deutsche Fahne geschnappt hat und auf die Ehrenrunde geht, sind die Stabhochspringerinnen schon in den Katakomben verschwunden. Carolin Hingst, die Frau mit dem Stirnband, ist aber auch dort nicht mehr zu sehen. Als europäische Jahresbeste war sie mit einer Bestleistung von 4,72 Metern angetreten, doch im Finale ist sie von Beginn an erstarrt. Wie eine Opernsängerin, die eine Arie in F-Moll statt in C-Dur beginnt und den Wechsel in die richtige Tonart nicht mehr schafft, läuft von ihrem ersten Versuch an alles schief. Schon bei 4,35 Metern scheitert sie, Erklärungen findet sie nicht. „Ich bin ratlos“, murmelt sie. „Die Anlage hat mir nicht gelegen.“
Ihre Rivalinnen merken davon nichts. Sie nutzen ihre Chance. Schließlich fehlt die russische Hochstablerin Jelena Issinbajewa, weil sie in diesem Jahr wegen ihrer Erschöpfung pausiert.
Allerdings hat sie sich bereits aus dem zeitweiligen Ruhestand gemeldet und mitgeteilt, dass sie statt des „Burnouts“ nun an Langeweile leide. Wie auch immer, die eigentlich Unschlagbare fehlte in Barcelona genau wie die polnische Weltmeisterin Anna Rogowska. Die Chance für den Rest der Welt.
Genutzt hat diese Möglichkeit auf Gold die Russin Svetlana Feofanova, die mit 4,75 Metern siegt. Doch danach trumpfen schon die Deutschen auf.
Spiegelburg stieg spät ins Geschehen ein
Silke Spiegelburg wartet lange und steigt erst bei 4,45 Metern ins Geschehen ein. Sauber drüber. Die Konkurrenz schaukelt sich gegenseitig hoch. Bei 4,65 Metern ist dann die Scherzgrenze erreicht, es wird richtig ernst, nur noch fünf Frauen sind im Wettbewerb. Ryzih versucht sich an 5,70 Metern und scheitert, aber sie lacht. Mit Recht, denn die 21-Jährige hat ihre Bestleistung im EM-Finale um fünf Zentimeter gesteigert, besser kann man es nicht machen.
Spiegelburg kann die 4,70 Meter springen, sie hat in diesem Jahr bereits 4,71 Meter überflogen, doch an diesem Abend gelingt es ihr nicht. Zwar steht Trainer Leszek Klima auf der Tribüne, hat den Windmesser im Auge, und senkt die Hand wie ein Skisprung-Coach, als der Wind kurz nachlässt, die 24-Jährige läuft an, doch 4,70 Meter sind an diesem Abend von Barcelona zu hoch. Silber!
So richtig zufrieden ist die Springerin von Bayer Leverkusen damit nicht. „Ich freue mich über eine Medaille“, meint sie. „Aber es hätte heute auch mehr sein können.“

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