Happy End für Vonn und Riesch
13.02.2011 | 13:10 Uhr 2011-02-13T13:10:51+0100
Garmisch-Partenkirchen. Lindsey Vonn wurde bei der Ski-WM Zweite in der WM-Abfahrt, Maria Riesch Dritte. Nur Elisabeth Görgl fuhr auf der Kandahar-Piste nach ihrem Erfolg im Super-G vom Dienstag am Sonntag schneller.
Lindsey Vonn wurde bei der Ski-WM Zweite in der WM-Abfahrt, Maria Riesch Dritte. Nur Elisabeth Görgl fuhr auf der Kandahar-Piste nach ihrem Erfolg im Super-G vom Dienstag am Sonntag schneller.
Als Maria Riesch bei der Presskonferenz die US-Amerikanerin Lindsey Vonn auf dem Podium ablöste, umarmten sich die einstmals großen Zwei des alpinen Damen-Skirennsports innig, küssten sich auf die Wangen und flüsterten sich gegenseitig viele, viele Worte ins Ohr. „Und was hat sie gesagt?“, fragte mit seiner sonoren Stimme Pressechef Gerd Rubenbauer. „Das bleibt privat“, antwortete Riesch. Gesprächsstoff und Redebedarf gibt es genug zwischen den beiden Freundinnen: Die herbe Kritik von Vonn an der Piste in Garmisch-Partenkirchen, der darauf folgende Vorwurf von Marias Vater Siegfried, Vonns Verhalten sei „affig“, die Krankheiten der beiden Superstars und schließlich das Happy End. Vonn wurde Zweite in der WM-Abfahrt, Riesch Dritte. Zwei Rekonvaleszentinnen, nur geschlagen von Queen Lizz I. von Garmisch-Partenkirchen. Elisabeth Görgl fuhr auf der Kandahar-Piste nach ihrem Erfolg im Super-G vom Dienstag am Sonntag 0,44 bzw. 0,60 Sekunden schneller als Vonn und Riesch. Die großen Zwei sind zu den großen Drei geworden.
Was Görgl bei dieser WM anpackt, schlägt voll ein. Görgl sang schon bei der Eröffnungsfeier den offiziellen WM-Song „Between heaven and hell“, „Zwischen Himmel und Hölle“. Wörter mit scheinbar symbolischer Bedeutung. Die 29-jährige Österreicherin meisterte die Hölle, einen schwierigen Teil der Kandahar, wie eine Ski-Göttin und schwebt mit zwei Goldmedaillen schon im siebten Himmel. Und das, obwohl ihre eigentliche Schokoladen-Disziplin, der Riesenslalom, erst am Donnerstag gestartet wird. „Heute ist ein guter Tag zum Feiern“, sagte die Doppel-Weltmeisterin, „ich habe mich gerade schon geschminkt. Heute geht es ab in die Disco.“
Lindsey Vonn und Maria Riesch wird Lizz Görgl weder in der Garmischer Filiale der Münchner Nobel-Disco P1 noch in einem der anderen angesagten Clubs angetroffen haben. Die US-Amerikanerin wollte nur ein Gläschen Champagner mit ihrer deutschen Freundin trinken, um dann ihre leichte Gehirnerschütterung weiter auszukurieren. Und Maria Riesch hat es auch beim Schampus-Nippen belassen, um in ihrer Wohnung die letzten Spuren der Grippe auszuschwitzen.
Die Dominatorinnen des Ski-Zirkus in den vergangenen Jahren freuten sich auch über Silber und Bronze. Und als wenn sie es vorher gemeinsam mit ihren PR-Beratern und Lebenspartnern Thomas Vonn und Marcus Höfl abgestimmt hätten, bekräftigten sie wie aus einem Mund: „Die Medaillen sind Gold wert.“ Maria Riesch, nach eigenen Worten eine gläubige Frau, hatte am Tag vor der Abfahrt sogar Beistand von ganz oben gesucht. „Ich bin eigens zum Pfarrer in die Kirche gefahren“, sagte die 26-Jährige, „das werde ich wohl am Montag noch mal tun.“ Die göttliche Hilfe soll dann am Donnerstag im Riesenslalom und am Samstag im Slalom wirken. „Ich bin jetzt erst einmal froh, dass ich schon zwei Medaillen gewonnen habe. Natürlich war ich bei der Abfahrt noch nicht hundertprozentig fit, aber ich habe mich heruntergekämpft. Ich halte nichts vom Jammern.“
Genau dies wird aber Lindsey Vonn bei der WM vorgeworfen. Sie klagte pausenlos über ihre Gehirnerschütterung, schimpfte über die eisige Piste. Dann brachte sie mit ihrer Trainingsfahrt, die sie wie eine Touristin in dicker Jacke absolvierte, und dem Nichterscheinen bei der öffentlichen Nummernvergabe endgültig die Ski-Fans gegen sich auf. Die Schöne wurde zum Biest. Nach der WM-Abfahrt mühte sich die Olympiasiegerin, die verlorenen Sympathien zurückzugewinnen. Sie liebe Garmisch, betonte sie immer wieder, sie habe nur die Pistenpräparierung kritisiert. Und sie sei wirklich krank gewesen. Jeden Tag habe sie sich wegen der Gehirnerschütterung als Test achtstellige Nummern merken und dann rückwärts aufsagen müssen. Und dann flehte sie schon fast: „Das war kein Drama, das war keine Show.“ Es klang fast zu perfekt.

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