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Hannovers Leon Andreasen ist der Pechvogel des Jahres

26.12.2012 | 17:23 Uhr
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Genau dort will er wieder hin: Leon Andreasen (links) vor seiner Verletzung im Zweikampf mit dem Schalker Tranquillo Barnetta.Foto: AFP

Hannover.  Der Däne Leon Andreasen hatte einen zweijährigen Leidensweg hinter sich, als er für Hannover 96 auf den Rasen zurückkehrte. In zehn Spielen schoss er sechs Tore, sein Traum lebte, dann riss er sich das Kreuzband.

Seine Stimme ist fest. Und doch klingt sie manchmal ganz leise. Leon Andreasen, dem in seiner Anfangszeit als Fußballer das Attribut des dänischen Draufgängers, des furchtlosen Fighters anhaftete, hat Demut gelernt. Und noch eine andere Eigenschaft ist unerlässlich, wenn einer das erlebt wie der Profi von Hannover 96 . Nämlich Geduld. „Mein früherer Bremer Trainer Thomas Schaaf hat einmal gesagt, ich sei etwas ungeduldig, das war vielleicht auch so“, sagt der 29-Jährige. „aber ich habe in den vielen Wochen der Reha verinnerlicht, dass man warten muss.“

Zuletzt ist er deswegen zwischen Hamburg, Kopenhagen und Hannover gependelt – in der niedersächsischen Hauptstadt verbringt er die Feiertage mit seiner Familie, die Eltern kommen, „denn unser Sohn Luis ist erst 19 Monate alt, da ist es immer etwas schwierig zu verreisen.“ Weihnachten und Silvester, es soll einfach „eine gute Zeit“ werden, erzählt er. Man muss das verstehen. Denn: Leon Hougaard Andreasen hat eine ziemlich schlechte Phase hinter sich. Das einst größte Talent Dänemarks gibt aktuell einen Anwärter auf den Pechvogel des Jahres in Deutschlands Profifußball.

Erst in diesem Sommer endete eine zweijährige Odyssee durch die Behandlungszimmer , eine quälende Phase der Ungewissheit ob seiner ständigen Schmerzen, als in Kopenhagen der Arzt Claus Hovgaard altes Narbengewebe entfernte. Danach eroberte der neue Andreasen, wie ihn viele nannten, zu Saisonstart die Liga im Sturm. Er hatte einen Stammplatz, machte zehn Pflichtspiele und schoss sechs Tore. „Ich hatte den besten Lauf meiner Karriere, ich war wieder mittendrin und fühlte mich richtig stark“, erzählt er. Der Sympathieträger trat im ZDF-Sportstudio auf, ihm flog Anerkennung zu.

Das fatale Coldplay-Konzert

Und dann kam der 26. September. Flutlichtspiel in der heimischen Arena am Maschsee gegen Nürnberg. Wegen eines Coldplay-Konzertes hatte die Rasenfläche arg gelitten, kurz vor dem Spiel war das Grün neu verlegt worden. Andreasen trat an „eine Kante zwischen alten und neuen Rasen“, wie er sich erinnert - und riss sich das Kreuzband. „Es hat sich so angefühlt, als wäre dort ein Loch – und dann ist es passiert.“

Ein paarmal hat er sich später die Szene angeschaut. Heute beteuert er: „Es war Pech.“ Und doch wollte er es erst nicht wahrhaben. „Am Anfang war es schon schwer, das zu akzeptieren. Ich hatte nicht gedacht, dass so etwas noch einmal auf mich zukommt.“

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Von allen Seiten hat er danach Unterstützung und Zuspruch bekommen. Unzählige Briefe und Emails trafen ein. „Dafür bin ich den Fans dankbar. Es war anders als ich fast zwei Jahre lang nicht genau wusste, wie es weitergehen würde. Da war ich ziemlich allein. Da hatten nicht mehr so viele an den Leon gedacht.“

Denn Andreasen, erst im Mai mit einem stark leistungsbezogenen Vertrag bis 2013 ausgestattet, hat in über dreieinhalb Jahren für Hannover nur 22 Bundesligaspiele gemacht, dabei wäre dieser dynamische Mittelfeldmann so wichtig. Ins Stadion ist er kaum mehr gegangen; er sagt es kribbele zu sehr und deshalb schaue er die Spiele im Fernsehen.

Spiele nur vor dem Fernseher

Die Tattoos der Stars

Er sagt: „Ein typischer Tag sieht so aus, dass ich um neun Uhr beginne, dann ziehen sich die Behandlungen und Übungen bis in den Nachmittag. Ich gebe gut Gas, aber ich muss auch aufpassen, wie mein Knie reagiert – manche Übungen findet mein Knie nicht so lustig.“ Fernziel ist es, an seinem 30. Geburtstag – dem 23. April 2013 – wieder auf dem Platz zu stehen.

Das Wort Schicksal mag er indes für sich nicht in Anspruch nehmen . Das hat mit den Erfahrungen zu tun, die er vor einigen Wochen im Berufsgenossenschaftlichen Unfallkrankenhaus Hamburg sammelte. „Da war ich jeden Tag mit Patienten zusammen war, die es viel schlimmer getroffen hat: Querschnittsgelähmte oder Operierte mit einer Hirnschädigung, richtig heftige Sachen. Das nenne ich Schicksale.“

Frank Hellmann

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