"Können das Spiel nicht gewinnen" - Wut nach Aus bei Handball-WM

Empört: Torhüter Silvio Heinevetter haderte schon vor dem Aus bei der Handball-WM gegen Katar mit dem Schiedsrichter.
Empört: Torhüter Silvio Heinevetter haderte schon vor dem Aus bei der Handball-WM gegen Katar mit dem Schiedsrichter.
Foto: Getty
Was wir bereits wissen
Der Weg des deutschen Handball-Teams bei der WM in Katar endete im Viertelfinale. Torhüter Silvio Heinevetter musste sich mit Blick auf die Schiedsrichterleistung nach dem Spiel zusammenreißen: "Heute können wir das Spiel nicht gewinnen. Wir sind immer noch Gäste hier im Land. Da muss ich aufpassen, was ich sage."

Doha.. Die deutschen Handball-Herren verloren gestern Abend mit 24:26 gegen Gastgeber Katar. Der Rummel, der nach den ersten sechs Partien einmal mehr um den Handballsport und die DHB-Mannschaft entfachte, schürte eine kollektive Erfolgserwartung an das Team um Bundestrainer Dagur Sigurdsson. Qualifizierten sie sich doch nur mit Glück über eine neu eingeführte Wildcard und nicht durch eigene Leistung, so zeigten Gensheimer und Co. doch durch den ungeschlagenen Gruppensieg und das souverän-gewonnene Achtelfinale gegen Ägypten, dass sie nicht umsonst in das Emirat geflogen waren. Die Niederlage gegen die internationale Mannschaft Katars erwischte die deutschen Profis kalt. Dementsprechend war die Stimmung nach dem Turnier-Aus am Boden.

"Es war ein sehr schweres Spiel. Wir waren immer hinten dran und haben Chancen liegen gelassen. Es war sicherlich etwas mehr drin. Die Enttäuschung ist einfach groß jetzt", sagte Sigurdsson, der die Mannschaft innerhalb kürzester Zeit auf Topform brachte, am "Sky"-Mikrofon. Nachwuchs-Talent Paul Drux lässt seinen Emotionen freien Lauf. Der 19-Jährige weint hemmungslos. Auch Kapitän und Starspieler Uwe Gensheimer kann die Niederlage noch nicht so richtig verdauen: "Ich kann es nicht in Worte fassen. Wir hatten die Chance, etwas ganz Großes zu erreichen und dann das schlechteste Spiel bei dieser WM abgeliefert. Das ist ganz bitter. Wir haben zu viele Fehler gemacht und zu viele Chancen liegen lassen." Verbandspräsident Bernhard Bauer berichtete über seine Eindrücke aus der Kabine: "Jeder ist am Boden zerstört."

Emotionen nach Spielschluss

Torhüter Silvio Heinevetter sieht hingegen die Schuld wohl nicht nur bei seiner Mannschaft: "Heute können wir das Spiel nicht gewinnen. Wir sind immer noch Gäste hier im Land. Da muss ich aufpassen, was ich sage. Aber jeder, der das Spiel gesehen hat und was von Handball versteht, weiß, was ich meine." Diese Meinung scheint auch Bauer zu teilen: "Ich verliere normal nie ein Wort über die Schiedsrichterleistung. Aber jeder, der etwas vom Handball versteht, hat gesehen, was hier heute abgelaufen ist". DHB-Team

Auch Nationalspieler Michael Kraus verleiht seiner Wut auf Twitter Ausdruck.

Das Wüstenmärchen von Katar, es endet, bevor es richtig beginnen konnte. DHB-Vizepräsident Bob Hanning betonte noch vor dem Turnier, dass nur der Achtelfinaleinzug ein Muss wäre, der Rest ein riesiger Erfolg. Auch er findet abschließend klare Worte nach dem Spiel gegen die Heimmannschaft: "Wir sind alle sehr traurig, dass wir den Traum nicht weiter leben können."

Es geht um die Olympia-Quali

Jetzt spielt die deutsche Mannschaft um einen Platz im Qualfikationsturnier für die Olympischen Spiele 2016 in Rio:

Direkt qualifiziert sind Gastgeber Brasilien, der Weltmeister sowie die Sieger der EM in Polen 2016, der Afrikameisterschaft in Ägypten 2016, der Panamerika-Meisterschaft 2015 in Toronto und des asiatisch en Qualifikations-Turniers 2015 in Katar.

Die weiteren sechs Plätze werden bei drei Qualifikationsturnieren mit je vier Mannschaften ausgespielt. An diesen nehmen die Mannschaften auf den Rängen zwei bis sieben der laufenden WM teil, die nun mit deutscher Beteiligung ausgespielt werden. Die weiteren sechs Teams qualifizieren sich über kontinentale Ausscheidungen. In Europa ist dies die EM in Polen. Die jeweils beiden besten Mannschaften der Turniere nehmen an den Olympischen Spielen teil. (we/dpa)