Handball-WM zeigt: Wo Katar draufsteht, ist nicht immer Katar drin

Spielt für Katar, hat ansonsten nicht ganz so viel mit dem Land seines Nationalteams am Hut: Zarko Markovic.
Spielt für Katar, hat ansonsten nicht ganz so viel mit dem Land seines Nationalteams am Hut: Zarko Markovic.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Indem immer mehr Sportverbände ihre Titelkämpfe nach Katar vergeben, bestärken sie die Petro-Milliardäre in ihrem Glauben, sich alles kaufen zu können. Nebenbei auch eine starke Handball-Mannschaft. Ein Kommentar

Essen.. Man stelle sich vor, bei der Fußball-WM 2022 würden Lionel Messi und Marco Reus für Gastgeber Katar auflaufen. Vom Alter her würde es gerade noch passen: der eine wäre dann 34, der andere 32.

Unvorstellbar? Richtig. Aber nur, weil im Fußball jeder Spieler nur für eine einzige Nation A-Länderspiele bestreiten darf. Als Handballer müsste er lediglich drei Jahre nicht mehr international gespielt haben, um den Verband wechseln zu können (wovon, nebenbei, auch Deutschland schon profitiert hat). Im aktuellen Fall erlag gleich ein Dutzend Stars dem Lockruf der Petro-Dollars. Seit Katar den Zuschlag für die WM bekam, kauften sich die Wüsten-Herrscher eine Weltauswahl zusammen, inklusive des spanischen Weltmeister-Machers Valero Rivera. Wo Katar draufsteht, ist also noch lange nicht Katar drin.

Nur noch sportliche Gewinnmaximierung?

Nun ist es im Sport inzwischen eher die Regel denn die Ausnahme, dass Athleten für Nationen antreten, die nicht ihr Heimatland sind. Wogegen grundsätzlich nichts zu sagen ist. Aber wenn – um das wohl krasseste Beispiel zu nennen – bei einer Tischtennis-Europameisterschaft inzwischen gefühlt mehr Chinesen als Europäer antreten, sind die Bestimmungen der Fachverbände zu hinterfragen. Geht es doch dabei nicht um – wünschenswerte Integration von Migranten. Sondern allein um sportliche Gewinnmaximierung, die an die Zeiten des Kalten Krieges erinnert. Damals ist der Sport, vorzugsweise in Diktaturen, als Mittel missbraucht worden, um die Überlegenheit des eigenen politischen Systems zu beweisen.

Was auch immer der Wüstenstaat, der im Verdacht steht, radikal-islamistische Gruppen finanziell zu unterstützen, mit seiner sündhaft teuren Sport-Offensive bewirken will – sein ohnehin schlechtes Image wird sie eher verstärken. Ganz zu schweigen vom Schaden für den Sport, dessen Spitzenfunktionäre mit ihrer Vergabe von Weltmeisterschaften die Öl-Milliardäre zunehmend in ihrem Glauben bestärken, sich alles kaufen zu können.

Deutschland gegen Katar ab 16:30 Uhr live bei uns im Ticker.