Das aktuelle Wetter NRW 18°C
Handball-WM

Deutsche Handballer kassieren bittere Pleite gegen Tunesien

13.01.2013 | 19:53 Uhr
Deutsche Handballer kassieren bittere Pleite gegen Tunesien
DHB-Auswahltrainer Martin Heuberger kann es nicht fassen: Nach dem Sieg über im Auftaktspiel gegen Brasilien unterlagen die Deutschen gegen Afrikameister Tunesien mit 23:25 (13:13). Foto: Getty

Granollers.  Die deutschen Handballer mussten bei der Weltmeisterschaft in Spanien den ersten Rückschlag hinnehmen. Nach dem Sieg im Auftaktspiel gegen Brasilien unterlagen die Deutschen gegen Afrikameister Tunesien mit 23:25 (13:13). Damit ist ein Sieg am Dienstag gegen Argentinien Pflicht, um das angestrebte Minimalziel Achtelfinale zu erreichen.

Kapitän Oliver Roggisch starrte nach der Schlusssirene ins Leere, Bundestrainer Martin Heuberger schüttelte fassungslos den Kopf: Die deutschen Handballer haben bei der WM in Spanien den ersten Rückschlag erlitten und müssen nach der bitteren 23:25 (13:13)-Pleite gegen Afrikameister Tunesien um den Einzug ins Achtelfinale bangen.

"Wir haben die Tunesier in der Abwehr nicht in den Griff bekommen, und vorne haben wir zu viele Chancen ausgelassen. Das reicht dann in der Summe nicht", sagte der Berliner Sven-Sören Christophersen, dessen sieben Tore die erste Niederlage im zehnten Spiel gegen den Olympia-Achten nicht verhinderten. 'Wir waren alle nicht an der Leistungsgrenze', stellte Torhüter Silvio Heinevetter fest.

"Uns hat ein wenig das Glück gefehlt"

Heuberger wollte hingegen nach der schwachen Vorstellung in Granollers mit der Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) nicht zu hart ins Gericht gehen. "Uns hat ein wenig das Glück gefehlt. Die Mannschaft hat toll gekämpft. Wir haben aber zu viele Tore aus der Distanz bekommen. Ich bin aber stolz auf die Mannschaft. Sie hat ein großes Herz", sagte der Bundestrainer, dessen Team nach dem Auftakterfolg gegen Brasilien (33:23) in der Gruppe A 2:2 Punkte auf dem Konto hat.

Handball
Füchse-Manager Hanning fordert Reformen

Der Essener Bob Hanning, Manager der Füchse Berlin, fordert tiefgreifende Reformen im deutschen Handball – unabhängig vom Abschneiden bei der Weltmeisterschaft. Hanning spricht über die Zielsetzung bei der WM, die Nachwuchsförderung und den Bundestrainer.

Damit ist ein Sieg gegen Panamerikameister Argentinien am Dienstag (18.15 Uhr/ARD) Pflicht, um das angestrebte Minimalziel zu erreichen. Nur die ersten vier Mannschaften der Sechser-Gruppe ziehen ins Achtelfinale ein.

Heinevetter hatte vor der Begegnung vor der harten Gangart der Tunesier gewarnt. 'Die hauen hinten rein wie die Bekloppten. Wir müssen einen kühlen Kopf behalten', hatte der Berliner erklärt. Adrian Pfahl, Steffen Fäth und Spielmacher Michael Haaß, der sein 100. Länderspiel betritt, bekamen die Härte des Gegners schmerzlich zu spüren, konnten nach kurzer Behandlung aber weiterspielen.

Tunesien.Schlussmann Magaiez parierte stark

Vor 4200 Zuschauern entwickelte sich ein Kampfspiel. Die deutsche 6:0-Abwehr fand zunächst kein Mittel gegen den wurfgewaltigen Rückraum der Nordafrikaner um den künftigen Kieler Wael Jallouz und agierte in der Anfangsphase zu passiv. Im Angriff wurden zudem klare Chancen vergeben, immer wieder scheiterten die deutschen Akteure am starken tunesischen Schlussmann Marouane Magaiez, der im ersten Durchgang auch zwei Siebenmeter parierte. Die Folge war ein 6:10-Rückstand nach 19 Minuten. Heuberger nahm eine Auszeit und fand deutliche Worte. 'Wir müssen in der Abwehr aggressiver werden', forderte der Bundestrainer.

Seine Spieler hörten gut zu. Die Deckung um Abwehrchef Roggisch rückte nun früher raus und erkämpfte sich einige Bälle. So kam die DHB-Auswahl zu leichten Toren nach Tempogegenstößen und ging in der 27. Minute nach langer Zeit wieder in Führung (12:11). 'Die Tunesier sind stärker als erwartet', stellte DHB-Sportmanager Heiner Brand in der Halbzeitpause fest.

Auch nach dem Wechsel blieb die Begegnung spannend. Schöne Kombinationen bildeten auf beiden Seiten die Ausnahme, Einzelaktionen prägten im Angriff das Bild. Das deutsche Team tat sich in der Offensive weiter schwer. Nach fast sieben Minuten ohne eigenen Treffer lag der Weltmeister von 2007 mit 13:15 zurück. Auch in zahlreichen Überzahlsituationen offenbarte das deutsche Team große Schwächen in der Chancenverwertung. Auch der gegen Brasilien überragende Heinevetter hatte nicht seinen besten Tag erwischt, in der Schlussphase wurde er durch den Lemgoer Carsten Lichtlein ersetzt.

Ohne die fehlenden Leistungsträger Uwe Gensheimer, Holger Glandorf und Lars Kaufmann fehlte in dieser schwierigen Phase auf dem Feld zudem ein Leitwolf. Ein 17:20-Rückstand in der 46. Minute war die Folge. Doch das mit sechs WM-Debütanten angetretene deutsche Team kämpfte sich zurück und glich wieder aus (21:21/54.). Doch in der hektischen Schlussphase hatte Tunesien das bessere Ende für sich.

Am Samstag hatte die DHB-Auswahl gegen Brasilien äußerst nervös begonnen, nach einer deutlichen Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit aber den Pflichtsieg am Ende souverän eingefahren. Der Flensburger Steffen Weinhold war mit sieben Toren bester Werfer.

"Es ist besser schlecht in einen Partie zu starten und sich dann zu steigern als andersherum", sagte Heuberger nach dem achten Sieg im achten Spiel gegen die international zweitklassigen Brasilianer. Gegen Tunesien gelang dies nicht. (sid)


Kommentare
14.01.2013
13:52
Deutsche Handballer kassieren bittere Pleite gegen Tunesien
von sepplgelb | #2

Ich stimme Ihnen inhaltlich voll zu. Was mir noch aufgefallen ist, warum am Kreis P. Wienzek so relativ kurze Einsatzzeiten bekommt und warum unser großer Abwehrorganisator O. Roggisch sich in Zweikämpfen so amateurhaft verhält (deckt den Körper statt die Wurfhand zu blocken).
Ein Handballfreund der Böses ahnt.

14.01.2013
12:01
Deutsche Handballer kassieren bittere Pleite gegen Tunesien
von wimmel | #1

Das eine deutsche Nationalmannschaft nicht in der Lage ist, gegen eine halboffensive
1-1 Abwehr zu agieren, weil ständig 1-1 Situationen mit Ball gesucht werden, war schon in den letzten Jahren unter H.Brand zu sehen. Das ein Trainer dieses aber noch nicht einmal erkennt und hier auf Abhilfe drängt, ( Übergänge ohne Ball, über Mitte, Halb und einlaufende Aussen) ist ein Trauerspiel, gerade weil man sowas einfach vorher schon wissen muß. Der Trainer muß auch erkennen das Heinevetter, besonders mit dem H.R. Linkshänder der Tunesier, überhaupt nicht zurecht kommt und spätestens nach 20 Min. den Lichtlein einwechseln, 9 Min. vor Ende ist das zu spät.
Na das kann ja noch lustig werden, wenn Sie nun basisdemokratisch diskutieren wie es weiter gehen soll, innerhalb der Mannschaft.

1 Antwort
Deutsche Handballer kassieren bittere Pleite gegen Tunesien
von sepplgelb | #1-1

Ich stimme Ihrem Kommentar im großen und ganzen voll zu. Allerdings frage ich mich auch warum am Kreis P. Wienzek nur so relativ kurze Einsatzzeiten bekommt, und unser großer Abwehrboss O. Roggisch sich in Zweikämpfen teilweise so naiv verhält ( deckt den Körper und nicht die Wurfhand).
Ein Handballfreund

Aus dem Ressort
Schwede Nilsson verlässt HSV: Wechsel nach Veszprem
Handball
Der schwedische Handball-Nationalspieler Andreas Nilsson verlässt den HSV Hamburg und wechselt mit sofortiger Wirkung zum ungarischen Top-Club MKB-MVM Veszprem. Über die Ablösemodalitäten hätten beide Vereine Stillschweigen vereinbart, teilten die Hanseaten mit.
Bundestrainer-Casting vor Abschluss - Drei Kandidaten
Handball
Das Casting für den neuen Bundestrainer steht vor dem Abschluss. In rund drei Wochen will Leistungssport-Chef Bob Hanning seinen Kollegen im Präsidium des Deutschen Handballbundes (DHB) den Nachfolger für Martin Heuberger präsentieren.
Füchse verpflichten Vukovic - Kroate kommt 2015
Handball
Handball-Bundesligist Füchse Berlin hat den kroatischen Nationalspieler Drago Vukovic von der Saison 2015/2016 an verpflichtet.
Handballer testen für EM-Qualifikation gegen die Schweiz
Handball
Die deutschen Handballer bereiten sich mit zwei Länderspielen gegen die Schweiz auf die EM-Qualifikation vor. Das Team um Kapitän Uwe Gensheimer bestreitet am 20. September in Göppingen und 21. September in Neu-Ulm zwei Tests gegen die Schweiz. Das teilte der Deutsche Handballbund (DHB) am Dienstag...
Flensburgs Gottfridsson erleidet Ermüdungsbruch
Handball
Handball-Profi Jim Gottfridsson vom Bundesligisten SG Flensburg-Handewitt hat sich im Trainingslager in Schweden einen Ermüdungsbruch im rechten Mittelfuß zugezogen.
Lahm-Rücktritt
Philipp Lahms Rücktritt aus der deutschen Nationalmannschaft...