Hagens Heim-Fluch hält an

Hagen..  Bis zu 18 Punkten Vorsprung, ein Gegner der bestenfalls durchschnittlichen Güteklasse, spürbare Unterstützung von den Rängen wie lange nicht: Was eigentlich noch benötigt Basketball-Bundesligist Phoenix Hagen für einen Sieg in heimischer Halle? Auch beste Voraussetzungen reichten bei der 65:70 (42:27)-Pleite gegen den Mitteldeutschen BC nicht, der Heimkomplex wird chronisch. Das Team kollabierte diesmal nach der Pause offensiv völlig. Und hinterließ nach der 13. Niederlage am Ischeland wütend pfeifende Fans und ratlose Gastgeber. „Mittlerweile ist das eine mentale Sache“, befand Geschäftsführer Oliver Herkelmann - und war sich mit Niklas Geske einig: „Richtig erklären kann man das nicht.“

Der junge Aufbauspieler wehrte sich noch mit am meisten gegen die Fortsetzung der schwarzen Heimserie. Geske spielte mit mehr als 28 Minuten lange wie nie, legte mit 17 Punkten und vier Steals Karriere-Bestwerte auf. Und hatte maßgeblichen Anteil, dass Phoenix selbst nach verspieltem Pausenvorsprung gut vier Minuten vor dem Ende wieder mit 60:53 führte. „Da war ich mir sicher, dass wir gewinnen“, sagte er später. Dann aber verpasste Phoenix-Kapitän David Bell den freien Dreier zur Vorentscheidung, dafür traf auf der Gegenseite Patrick Richard stark bedrängt mit Brett, der MBC war wieder dran. „Und bei uns hat es in dem einen oder anderen wieder angefangen zu arbeiten“, beobachtete Herkelmann die Angst der Gastgeber, wieder alles zu verspielen.

Geske humpelte nach dem 61:61-Ausgleich durch Gästecenter Djordje Pantelic 90 Sekunden vor der Sirene mit dem fünften Foul auf die Bank. Mit Vertreter Zamal Nixon im Aufbau gelang den Gastgebern offensiv nicht mehr viel. Bell, der sich in der Verantwortung sah, beging gleich mehrere Fehler, ließ zudem zwei Freiwürfe liegen. Und dann war es wieder Nixon, der die Anweisung von Ingo Freyer nicht umsetzen konnte. 18 Sekunden vor dem Ende hatte der Phoenix-Trainer beim 63:66 zur Auszeit gebeten, drei Punkte benötigten die Gastgeber zur Verlängerung. Freyer malte Spielzüge für Distanzwürfe aufs Taktikbrett, doch Nixon zog zum Korb, vergab auch noch, das war’s. „Zamal war nicht in der Lage, die freien Schützen zu sehen und den Pass zu spielen“, bedauerte der Coach - und kritisierte nicht nur Nixon: „Mit ihm und Todd Brown haben wir zwei Spieler, die nicht die Energie aufs Parkett bringen, die wir brauchen.“

Der zweite sportlich herausgespielte Heimsieg schien zwischenzeitlich sicher, doch es kam anders. „Viele meiner Spieler gehen auf dem Zahnfleisch“, klagte Ingo Freyer: „Und von der Bank kommt im Moment wenig Energie - eher das Gegenteil.“