Gut begonnen, stark abgebaut

Köln..  Vielleicht hat es der feinfühlige Kölner Fußballfan schon vorher geahnt, dass der Liebling der Domstadt wieder nicht im Mittelpunkt stehen würde. Für Lukas Podolski schien der Ausflug der Nationalmannschaft in seine Heimat mehr Urlaubstrip als Arbeitsalltag eines Weltmeisters zu sein. Nicht mal hier und nach so vielen Absagen ließ Bundestrainer Joachim Löw die kölsche Publikumsattraktion gegen die USA von Beginn an auflaufen. Stattdessen durfte Ersatzspieler Poldi völlig unüblich eine halbe Stunde vor Spielbeginn im Stadion-TV ein Interview geben. Diejenigen unter den insgesamt nur 40 348 Zuschauern, die zu diesem Zeitpunkt schon auf den Rängen waren, hat’s gefreut. Jedenfalls mehr als danach die 1:2 (1:1)-Niederlage im Testspiel gegen Jürgen Klinsmanns US-Boys.

Zum Kölner Festprogramm bei Bundesligaspielen des FC gehört es, dass sich die Anhänger selbst feiern. Und die, die gekommen waren, belohnten sich mit mehreren Runden La Ola - was im ersten Durchgang auch als Zuspruch für die deutsche Mannschaft gelten durfte. Vor allem einem jungen Mann, der in der Domstadt angesichts seines Brötchengebers sonst nur wenig Applaus erhält.

Gute Partie von Patrick Herrmann

Der Gladbacher Patrick Herrmann lieferte ein sehr ordentliches Debüt ab, bereitete auf dem rechten Flügel mit einem feinen Solo den Führungstreffer durch Mario Götze (12.) vor. Und obwohl der 24-Jährige beim Ausgleich durch Mix Diskerud (41.) dem Torschützen nur hinterher lief, war das Urteil aller Anwesenden einhellig: Der darf wiederkommen. „Ich war schon aufgeregt“, meinte Herrmann später. „Aber das hat sich dann auf dem Rasen gelegt.“

An der Seite von Özil, Götze und Schürrle war Herrmann Teil von Löws Offensive, die alles andere als nach Strandfußball klang. Gemeinsam setzten sie die Amerikaner unter Druck. Die Chancen durch Özil (7.) und Götze (31.) leitete Herrmann sehenswert ein. Kurios, dass dem Debütanten ausgerechnet sein Gladbacher Vereinskollege Fabian Johnson so viel Platz gewährte. Und selbst wenn’s mit dem eigenen Abschluss (44.) nicht klappte: Auch Karim Bellarabi auf der Bank wird erkannt haben, dass Herrmann auf dessen angestammter Angriffsseite auch im EM-Qualifikationsspiel gegen Gibraltar ein Platz in der Startelf zuzutrauen ist.

An der Algarve, wo der Weltmeister am Samstag auf den Letzten seiner Gruppe treffen wird, dürfte es noch sommerlicher werden als an diesem für Grillpartys gemachten Abend in Köln. Allerdings wird von Gibraltar auch weniger Gegenwehr zu erwarten sein als von Klinsmanns Stürmern, gegen die die Innenverteidiger Rüdiger und Mustafi auch nach dem Seitenwechsel einige Mal ins Grübeln gerieten. Neuer-Ersatz Ron-Robert Zieler (auf der Bank saß BVB-Torhüter Roman Weidenfeller) parierte einen Schuss von Michael Bradley mit dem Fuß (83.), vorher hatte Jordan Morris (75.) für immer stärker werdende Amerikaner den Siegtreffer auf dem Fuß. Dieser gelang dann Bobby Wood in der 87. Minute, nachdem er Shkodran Mustafi ausgetanzt und zum 1:2 eiskalt verwandelt hatte. Woods ist zuletzt mit Aue aus der 2. Liga abgestiegen.

Und so wurde es bei den im zweiten Durchgang von vielen Wechseln geschwächten Deutschen nichts mehr mit dem Happyend für Podolski. Nachdem der ebenfalls eingewechselte Sami Khedira (66.) per Kopf eigentlich die beste Chance auf den zweiten Treffer vergeben hatte, stand das Kölner Urgestein nur zwei Minuten später zum Einschuss bereit vor US-Keeper Brad Guzan. Der Pfiff wegen einer Abseitsstellung von Vorlagengeber Götze kam spät. Podolski drosch den Ball zur Außenlinie. Immerhin: der 30-Jährige scheint das Spiel doch mehr als Arbeit denn als Urlaub betrachtet zu haben.