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Gold-Junge Marcel Nguyen

10.04.2011 | 19:20 Uhr
Gold-Junge Marcel Nguyen
Marcel Nguyen am Reck: Nach Gold am Barren holte er hier die Bronzemedaille. Foto: Clemens Bilan/dapd

Berlin.   Gold am Barren und Silber am Reck: Am Finaltag der Kunstturn-EM in Berlin sorgte Marcel Nguyen für die Höhepunkte aus deutscher Sicht. Nguyens Erfolg überstrahlte auch die Silbermedaille von Philipp Boy.

Als Marcel Nguyen am Barren zum Abgang mit dem äußerst schwierigen Tsukahara, einem Doppel-Salto mit ganzer Schraube ansetzte, hallte aus 7000 Kehlen ein „Steh!“ durch die Berliner Max-Schmeling-Halle. Und der 23-jährige Unterhachinger stand und krönte sich zum Europameister am Barren. Es war das erste EM-Gold für einen deutschen Turner an diesem Gerät seit 1955, als der spätere Olympiasieger Helmut Bantz bei der Einführung der kontinentalen Titelkämpfe siegte.

Zwei Stunden später jubelte Nguyen, der mit nur 57 kg bei einer Größe von 1,67 m fast so schlank ist wie ein Skispringer, ein weiteres Mal. Am Reck sicherte sich der Mann mit der ausgefallenen Frisur die Bronzemedaille. Einen Rang weiter vorn landete Philipp Boy, aber der 23-jährige Mehrkampf-Europameister war mit Silber nicht ganz zufrieden. Zu gern hätte er sich nach dem Gold in der Königsdisziplin auch den Titel am Königsgerät geholt. Der Holländer Epke Zonderland lag mit 15,575 Punkten allerdings klar vor Boy (15,350), der beim Abgang, Doppelsalto mit Doppelschraube, einen Korrekturschritt machen musste.

„Das wurmt mich, weil ich diesen Fehler schon häufiger gemacht habe“, sagte Boy. Das deutsche Kunstturnen ist endgültig nicht mehr eine Solo-Vorstellung von Fabian Hambüchen. Der Welt- und Europameister konnte nach einem Achillessehnenriss vor zwölf Wochen in Berlin nur als TV-Experte zuschauen. Bei der WM im Herbst will er wieder zum Team gehören.

Und in Berlin machten die beiden Alphatiere des deutschen Turnens, Hambüchen und Boy, einen Schritt aufeinander zu. Als Hambüchen sich im Sommer bemüßigt fühlte, mit 22 Jahren seine Autobiografie zu veröffentlichen, nannte Boy das Werk dümmlich und bezeichnete es als einen Groschenroman. Inzwischen haben sie sich ausgesprochen, und in Berlin lobten sie sich sogar gegenseitig. Hambüchen gratulierte Boy herzlich, und der momentan beste Turner Europas sagte über seinen Vorgänger: „Jetzt weiß ich, mit welch großem Druck Fabi seit Jahren lebt. Kompliment, wie er das geschafft hat.“

Auch wenn das deutsche Männer-Team mit zwei Gold- einer Silber- und einer Bronzemedaille eine überragende Bilanz verzeichnete, nutzten auch die Frauen das Rampenlicht der Heim-EM: Silber für Oksana Chusovitina am Sprung und für Elisabeth Seitz im Mehrkampf sowie Bronze am Stufenbarren für Kim Bui. Das Frauen-Team schaffte das beste Ergebnis seit 1985. So dürfte Platz acht bei der WM im Herbst für die deutschen Frauen keine zu hohe Hürde sein und der Traum von Olympia 2012 wahr werden. Die Männer dürfen an Medaillen denken. Mit der Boy-Group von Berlin und einem gesunden Fabian Hambüchen.

Thomas Lelgemann

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