Glanzvoller Lichtlein

Doha..  Auf der Tribüne stand Alt-Bundestrainer Heiner Brand und applaudierte dem deutschen Sieggaranten Carsten Lichtlein. „Jedes gute Spiel von ihm freut mich. Er musste sich so oft hinten anstellen“, sagte der Weltmeister-Trainer von 2007. Mit einer Weltklasse-Leistung im Tor hatte Lichtlein den deutschen Handballern am Montag in Doha den Weg ins Viertelfinale der Weltmeisterschaft in Katar geebnet. Beim 23:16 (12:8)-Sieg im Achtelfinale gegen Ägypten parierte der 34-Jährige mehr als die Hälfte aller gegnerischen Würfe und wurde als „Mann des Spiels“ ausgezeichnet.

„Es gibt solche Spiele, in denen alles klappt. Das war auf jeden Fall ein Spiel in den Top Fünf von mir“, sagte der Gummersbacher überglücklich. „Es war ein echtes Lichtlein-Spiel. Er hat eine fantastische Leistung gebracht“, adelte DHB-Präsident Bernhard Bauer den Keeper nach der Partie vor 10 000 Zuschauern. „Unsere Abwehr und die Torhüterleistung waren sehr, sehr stark. Carsten Lichtlein ist in der Lage, solche Dinger zu machen“, lobte auch Bundestrainer Dagur Sigurdsson seinen Schlussmann und fügte hinzu: „Wir haben diese Coolness von Anfang an gezeigt.“

Nach dem fünften Sieg im sechsten Spiel ist die Auswahl des Deutschen Handballbundes nur noch einen Erfolg von der Medaillenrunde entfernt. Auf dem Weg dorthin trifft der WM-Nachrücker am Mittwoch (16.30 Uhr) auf Gastgeber Katar, der im Achtelfinale Österreich ausgeschaltet hatte. „Darauf werden wir uns genauso akribisch vorbereiten wie auf Ägypten“, kündigte Lichtlein an, der mit stoischer Ruhe die Bälle parierte.

Auf dem Spiel stand für die deutschen Handballer auch eine gute Ausgangsposition für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro. Die ersten Sieben der WM nehmen an Qualifikationsturnieren teil, die Aussicht darauf ist nun glänzend.

Die deutsche Mannschaft startete hochkonzentriert in die Alles-oder-Nichts-Partie gegen Ägypten und erspielte sich nach einer fünfminütigen torlosen Phase dann doch unerwartet schnell einen 4:1-Vorsprung (9.), den jeweils der agile Rechtsaußen Patrick Groetzki auf 7:3 (15.) und 9:4 (19.) hochschraubte. Vor allem die variable und aufmerksame Abwehr war einmal mehr das Prunkstück. Dahinter glänzte wie in den Spielen zuvor Team-Senior Lichtlein, der in der ersten Halbzeit die Weltklasse-Quote von 60 Prozent gehaltener Bälle aufwies. Höhepunkte der insgesamt großartigen Leistung des Routiniers waren drei parierte Siebenmeter.

Mit Lichtlein als Rückhalt behauptete das Sigurdsson-Team zur Pause eine 12:8-Führung. „Das war eine herausragende erste Halbzeit in diesem Hexenkessel, die die Mannschaft mit kühlem Kopf überstanden hat“, lobte Verbandschef Bauer schon vor Beginn der zweiten Halbzeit, in der das deutsche Team gegen den Vorrundenvierten der Gruppe C sein ganzes Selbstbewusstsein offenbarte.

Erstaunlich abgeklärt

Binnen sieben Minuten zogen die weiterhin zielsicheren DHB-Spieler auf 17:8 (37.) davon. Bundestrainer Sigurdsson konnte sogar seiner zweiten Reihe vermehrt Einsatzzeiten geben. Zu keinem Zeitpunkt ließen sich die Deutschen, bei denen sich Kapitän Uwe Gensheimer mit sechs Treffern als bester Werfer hervortat, von der Aggressivität ihrer Kontrahenten beeindrucken. Mit der klaren Führung im Rücken spielten sie unbeirrt und mit erstaunlicher Abgeklärtheit bis zum verdienten Sieg ihr Spiel.