Gefühls-Konserve

Das mit den Gefühlen ist eine spezielle Angelegenheit. In unserer doch so von Rationalität geprägten Kultur bilden sie eine Ausnahme. Denn Gefühle hat man einfach, Gegenwehr ist zwecklos. Die Gefühle entziehen sich der Kontrolle unseres Willens, kommen von innen heraus, sind ungefiltert, unkontrollierbar, vielleicht manchmal unlogisch und unpassend. Sie sind aber eben auch immer eines: echt.

„Echte Liebe“ hat sich Borussia Dortmund als Motto auf die Fahnen geschrieben. Passend, wenn man sich vergegenwärtigt, welchen bunten Strauß an Gefühlen der Verein seinen Fans in den sieben Jahren unter dem emotionalen Trainer Jürgen Klopp bereitet hat.

Doch ausgerechnet bei Klopps Verabschiedung am Wochenende stand ein Detail in seltsamem Kontrast zu den authentischen Emotionen, auf die man in Dortmund so stolz ist. Statt direkt per Mikrofon zu den Fans zu sprechen, wandte sich der scheidende Trainer per eingespielter Videobotschaft an die Fans.

Und diese Rede des Trainers geriet überraschend professionell. Sie war überlegt geplant, im bestens ausgeleuchteten Studio aufgenommen und vollkommen kontrolliert. Statt heißer Klopp-Emotionen bekamen die Fans nur aufgewärmte Gefühle aus der Konserve.

So ist eben das Profi-Geschäft, könnte man sagen. Oder aber auch: Die wirklich sehr emotionale Klopp-Zeit beim BVB hätte ein „echtes“ Ende verdient gehabt.