Fußballverbände drohen gewalttätigen Vereinen mit Abstieg

Ruhrgebiet..  Ein Spieler schlägt den Trainer der Gegner zu Boden, ein anderer den Schiedsrichter, bei Tumulten auf der Tribüne werden Zuschauer verletzt – so geschehen kürzlich in Dinslaken oder Essen oder anderswo. Um die zunehmende Gewalt auf den Fußballplätzen der Region einzudämmen, planen die Fußballverbände nun härtere Strafen für auffällige Vereine.

Das Regelwerk des Fußballverbands Niederrhein (FVN) ist bereits so weit gediehen, dass es zur kommenden Saison in Kraft treten könnte. Die Spruchkammern bekämen dann neue Werkzeuge an die Hand: Sie könnten durch Gewalt aufgefallene Vereine verpflichten, an Kursen bei Psychologen teilzunehmen. Stärker noch: sie zum Abstieg verurteilen oder für den Spielbetrieb sperren.

Das neue Konzept zielt vor allem auf Wiederholungstäter: „Wenn Vereine dreimal auffällig geworden sind, werden sie vom Kreisvorstand zum Gespräch vorgeladen“, erklärt Frank Adams, Vorsitzender des FVN-Kreises 9, zu dem etwa Dinslaken, Duisburg, Essen und Mülheim gehören.

„Es muss auch weh tun“

Ob es danach zum Psychologen geht, sei abhängig von der Brutalität des Einzelfalls. Solch ein Zwangskurs dauere vier Tage und koste den Verein 120 Euro.

„Es muss auch weh tun“, sagt dazu Thomas Körzel, der künftig solche Seminare betreuen könnte. Der Essener Diplom-Psychologe bildet beim FVN bislang Trainer aus und leitet Schiedsrichterkurse. Eine Maßnahme besteht für ihn darin, für die Mannschaft „zehn goldene Regeln“ zu erstellen, die festlegen, wie sich Spieler auf dem Platz verhalten sollen. Diesen Kodex müssten alle Teilnehmer unterzeichnen. Entscheidend sei aber der Trainer. „Er ist der wichtigste Multiplikator, denn er muss die Sanktionen und Strafen bestimmen“, so Körzel.

Beim Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen hat Präsident Hermann Korfmacher ähnliche Pläne vorgestellt. Beteiligt sind an der Entwicklung am Niederrhein auch die Konfliktberater der Kreise sowie die Schiedsrichter. Zwar müssen die Papiere dort noch von allen Gremien abgesegnet werden. Fest steht aber: Es wird alle Mannschaften betreffen: Junioren- wie Seniorenteams, Männer und Frauen.