Wie Müller-Wohlfahrt den Bayern weh tut

Kein Bayern-Arzt mehr: Dr. Müller-Wohlfarth. Foto: dpa
Kein Bayern-Arzt mehr: Dr. Müller-Wohlfarth. Foto: dpa
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Was wir bereits wissen
Der überraschende Rückzug von Dr. Müller-Wohlfahrt als Bayern-Arzt ist auch ein Affront gegen den Verein und seinen Trainer. Ein Kommentar.

Essen.. Für den ewigen Bayern-Doc war die Schmerzgrenze überschritten. Anders ist nicht zu erklären, dass Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt in einer Nacht- und Nebel-Aktion die Brocken beim FC Bayern hinschmiss. Auslöser seines Zorns ist, wenn die Zeichen aus München nicht trügen, offenbar Trainer Pep Guardiola. Wenn zwei Alphatiere ihres Metiers mit all ihren Eitelkeiten aufeinandertreffen, ist ein Konflikt meist nicht weit.

Ob hier ein Arzt, der selbst zum Star geworden ist, mimosenhaft reagiert hat oder ein Coach dabei ist, seine Machtposition weiter auszubauen – wer weiß das schon? So viel dürfen wir immerhin vermuten: Dass Xabi Alonso und Dante beim 1:3 in Porto anfängerhaft gepatzt haben, hatte nichts mit falscher medizinischer Betreuung zu tun.

Ebenfalls keine Insiderkenntnisse sind nötig, um zu wissen, dass der Fall für den FC Bayern zur Unzeit kommt. Steht doch nach dem Porto-Schock bei den Münchenern urplötzlich eine ganze Saison auf der Kippe, die bis vor drei Tagen noch geräuschlos nach Plan verlaufen war. Für einen „Mia-san-mia“-Klub, der es gewohnt ist, selbst zu entscheiden, wann ein Mitarbeiter nicht mehr gebraucht wird, ist das Verhalten von Müller-Wohlfahrt irritierend genug – zum offenen Affront gegen den Klub und den Trainer aber wird es, weil der Vereinsarzt zuerst die Medien informierte.

Unbehagen dürfte bei vielen Bayern-Fans auch die Erinnerung daran auslösen, dass der von seinen prominenten Patienten wie ein Guru verehrte Orthopäde sich während seiner fast 40-jährigen Tätigkeit für die Münchener schon einmal in den Schmollwinkel zurückgezogen hatte. 2008 hieß der Trainer, der sich mit ihm anlegte, Jürgen Klinsmann. Das Ende der Geschichte ist bekannt: Ein halbes Jahr später war Klinsmann weg und Müller-Wohlfahrt zurück. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.