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Warum sich mit der grünen Fußball-Karte Hoffnung verbindet

15.01.2016 | 19:07 Uhr

Essen.  In Italiens Serie B wird vorbildliches Verhalten eines Fußballers mit der grünen Karte belohnt. Das setzt aber ein richtiges Signal. Ein Kommentar.

Während einer Autofahrt ist dem englischen Schiedsrichter Ken Aston einst die Idee gekommen, im Fußball – analog zur Verkehrsregelung mittels Ampeln – gelbe und rote Karten einzuführen, um Verwarnungen und Platzverweise anzuzeigen. Die 1970 eingeführte Regelung, die 1991 durch die gelb-rote Karte, auch Ampelkarte genannt, ergänzt wurde, hat sich bis heute bewährt.

Es schien nur konsequent, irgendwann auch eine grüne Karte einzuführen. Nur: Wofür? Italien hat jetzt eine Antwort gegeben, die schon deshalb überraschend ist, weil sie eine positive Botschaft (und nicht etwa eine Zeitstrafe) bedeutet. Die an diesem Wochenende erstmals im Profifußball vorgesehene grüne Karte soll in der Serie B ein Zeichen der Hoffnung auf mehr Fairness sein. Sie ist als symbolische Belohnung für Spieler gedacht, die etwa eine falsche Schiri-Entscheidung zum eigenen Nachteil korrigieren.

Maßnahme verdient Anerkennung

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Dass jemand im Profisport, wo Täuschungsmanöver gewöhnlich als Cleverness verniedlicht werden, die Aussicht auf einen Fairplay-Preis für so und so viele grüne Karten zu einem faireren Verhalten animieren könnte, ist in Zeiten, da immer mehr Geld auf dem Spiel steht, schwer vorstellbar. Deshalb werden die Initiatoren mit dem Vorwurf der Blauäugigkeit leben müssen. Dennoch zielt die Aktion in die richtige Richtung. Mehr Fairplay führt allein über die stärkere öffentliche Bewertung des Verhaltens, bis hin zur Ächtung von Täuschern und Tricksern innerhalb der eigenen Mannschaft.

Jede noch so aussichtslos erscheinende Maßnahme mit dem Ziel, die (Fußball-)Welt zu verbessern, verdient deshalb Anerkennung. Gerade weil derzeit die meisten Profis, die sich gerne als ausgekocht beschrieben sehen, eher dafür plädieren dürften, dem Unparteiischen nach umstrittenen Szenen eine weiße Karte zeigen zu dürfen – als Symbol für ihre Unschuld.

Reinhard Schüssler

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Warum sich mit der grünen Fußball-Karte Hoffnung verbindet
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2016-01-15 19:07
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