Warum ein unbeschriebenes Blatt Fifa-Chef Sepp Blatter stört

Stehen sich im Mai wohl als Kontrahenten gegenüber: Fifa-Boss Sepp Blatter (r.) und sein Vize, Prinz Ali bin Al-Hussein.
Stehen sich im Mai wohl als Kontrahenten gegenüber: Fifa-Boss Sepp Blatter (r.) und sein Vize, Prinz Ali bin Al-Hussein.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Jordaniens Prinz Ali bin Al-Hussein ist zwar ein unbeschriebenes Blatt, zwingt mit seiner Kandidatur aber die Fifa, Farbe zu bekennen. Ein Kommentar

Essen.. Als Sepp Blatter im vergangenen Jahr seine „Drohung“ mit dem Ruhestand zurückgezogen und eine neue Kandidatur als Fifa-Präsident angekündigt hatte, war in der Fußball-Szene – wohl zur großen Überraschung des 78-jährigen Schweizers – gar keine Erleichterung spürbar. Eine Ausnahme machten die Kollegen der „Zeit“. Sie überraschten, besser: irritierten, viele Leser zunächst mit der Schlagzeile „Was alles für Sepp Blatter spricht“. Um dann die Gründe, warum seine Wiederwahl gut für den Fußball und die Welt sei, auf zwei Seiten auszuführen – zwei leeren ...

Auch der jordanische Prinz Ali bin Al-Hussein, Vizepräsident des Weltverbandes, ist für die meisten Fußballfans ein unbeschriebenes Blatt. Aber das öffentliche Echo auf seine Bewerbung um Blatters Job dürfte von der Einschätzung geprägt sein: Alles ist besser als Blatter.

Mag Al-Husseins Begründung für seinen Schritt manchen auch zu stark nach Eigenlob riechen, so trifft sie doch die Lage in der von Skandalen erschütterten Fifa. Der Fußball, so der 39-Jährige, verdiene jemanden an der Spitze, der „ein Vorbild in Sachen Ethik, Transparenz und guter Führung“ ist. Tugenden, die auf Sepp Blatter so passen wie auf einen Paten der Camorra.

FIFA Für den Sohn des verstorbenen jordanischen Königs Hussein I. spricht immerhin schon einmal, dass er sich als einer der wenigen Fifa-Offiziellen für eine vollständige Veröffentlichung des „Garcia-Reports“ über die Korruptionsvorwürfe im Zusammenhang mit den WM-Vergaben an Russland (2018) und Katar (2022) ausgesprochen hatte. Indem er jetzt vollends aus der Deckung herausgekommen ist, zwingt er die Fifa-Mitglieder dazu, bei der Wahl im Mai Farbe zu bekennen.

Mit einem „Weiter so“ würde der Weltverband, so dies denn noch möglich ist, weiter an Glaubwürdigkeit verlieren. Ob ein Präsident Ali bin Al-Hussein die Fifa in eine bessere, soll heißen: skandalfrei Zukunft führen würde, steht freilich auf einem anderen Blatt. Das noch zu füllen wäre.