War es das für den krassesten Aufsteiger aller Zeiten?

Andre Breitenreiter konnte seinen Paderborner Spielern etliche Mal zu couragierten Leistungen gratulieren. Genügend Punkte haben die Ostwestfalen dennoch nicht eingefahren.
Andre Breitenreiter konnte seinen Paderborner Spielern etliche Mal zu couragierten Leistungen gratulieren. Genügend Punkte haben die Ostwestfalen dennoch nicht eingefahren.
Foto: Jonas Güttler / dpa
Was wir bereits wissen
Der SC Paderborn hat die Bundesliga überrascht und selbst „wahnsinnig Spaß“ gehabt. Nun geht es im Abstiegsfinale um Aufenthaltsverlängerung.

Paderborn.. Seit kurzem hängen sie wieder, die Fahnen mit dem Vereinswappen des SC Paderborn. Von einem bis zum anderen Ende der Fußgängerzone, hoch über den Köpfen der Passanten, flattert das schwarz-weiß-blaue Logo in zigfacher Ausfertigung im Wind. „Im letzten Jahr, nach dem Aufstieg, hingen die Fahnen ganz lange. Irgendwann mussten sie weg, wegen der Weihnachtsbeleuchtung. Aber jetzt, zu den Alles-oder-nichts-Spielen“, erzählt eine ältere Dame, „haben wir sie wieder.“

Am Samstag nun steht in der beschaulichen Universitätsstadt das ultimative Alles-oder-nichts-Spiel an. Gegen Stuttgart. Deshalb hat Michael Born auch keinen Blick für die Wassersportfreunde, die da fünf Meter von ihm entfernt, getrennt nur durch eine Fensterscheibenfront, ihre Bahnen ziehen. Der Manager des SC Paderborn sitzt im Café der örtlichen Schwimmoper und rührt in seinem Cappuccino. Gleich nebenan hat der 47-Jährige vorhin beim Vormittagstraining der Profis zugeschaut, jetzt spricht er über den großen Showdown beim SCP. Bei dem der Aufsteiger, anders als der VfB, neben einem eigenen Sieg auch auf fremde Hilfe angewiesen ist.

Durch Eigentor zum 1:0

Stuttgart hat im Erfolgsfall ein weiteres Jahr Bundesliga sicher, Schlusslicht Paderborn kann es noch auf den Relegationsplatz schaffen – sofern Schalke beim HSV zumindest ein Remis hinbekommt. „Ich denke schon, dass Schalke in Hamburg Wiedergutmachung betreiben muss“, erklärt Born im Rückblick auf die letzte Partie der Königsblauen, in der sie – vom eigenen Publikum erst ignoriert, dann beschimpft – durch ein spätes Eigentor von Paderborns Kapitän Uwe Hünemeier zu einem duseligen 1:0 kamen.

Bundesliga-Finale Jetzt steht Hünemeier auf dem Asphalt zwischen Trainingsplatz, Umkleidekabine und Schwimmoper, schreibt sein Autogramm auf blaue Kinderfußbälle und platziert nebenbei eine kleine Spitze gegen den Wochenendgegner aus dem Ländle. „Für Stuttgart scheint sich ja schon alles ins Positive gewendet zu haben – aber bei uns ist längst nicht alles negativ“, kommentiert der Abwehrchef und prophezeit: „Bekommen wir unser gutes Heimspielgefühl auch diesmal hin, wird es für den VfB schwer, gegen uns zu bestehen.“

Angesichts der ungleichen Verhältnisse im Fußball-Oberhaus wäre es für Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler „die Sensation überhaupt, wenn Paderborn mit seinen geringen Möglichkeiten die Klasse hält“. Allein die Tatsache, dass so ein Satz im späten Frühjahr noch formuliert werden kann, lässt die Bundesliganovizen vor Stolz beben, die ihr Premierenjahr in der Bundesliga bestens genutzt haben. Dank bescheidener Investitionen in den Profikader geht der Klub schuldenfrei in die nächste Saison, unabhängig von der Liga-Zughörigkeit entstehen ab Juli gegenüber der Arena zudem vier neue Trainingsplätze. Und auf der Zielgeraden will es der Liga-Zwerg mit dem 15-Millionen-Euro-Etat den Experten nun auch sportlich beweisen.

VfB Stuttgart ist der Favorit

„Alle gehen davon aus, dass Stuttgart locker in Paderborn gewinnt“, sagt Manager Born. Und draußen auf dem Trainerbänkchen betont Chef-Übungsleiter Andre Breitenreiter: „Wir haben immer noch die Möglichkeit, für die größte Überraschung in dieser Bundesligasaison zu sorgen. Es hat uns allen wahnsinnig Spaß gemacht – und diese Sache ist noch nicht erledigt.“