VfL-Trainer Verbeek: "Kann noch nicht Ja oder Nein sagen“

VfL-Trainer Gertjan Verbeek ist noch nicht zu 100 Prozent zufrieden - aber auch nicht unzufrieden.
VfL-Trainer Gertjan Verbeek ist noch nicht zu 100 Prozent zufrieden - aber auch nicht unzufrieden.
Foto: imago
Was wir bereits wissen
  • Der Vertrag von Bochums Trainer Gertjan Verbeek läuft am Saisonende aus.
  • Bis zum Ende des Monats will sich Verbeek entscheiden.ob er seinen Vertrag verlängert.
  • Der VfL bereitet sich momentan in Belek auf die Rückrunde vor.

Belek.. Es ist 22.20 Uhr, als Gertjan Verbeek die Treppe herunterkommt in einer Lounge des Hotel Kaya Palazzo. In einer abgelegenen Sitzecke auf der Empore hat er sich gerade anderthalb Stunden mit den Vorständen Christian Hochstätter und Wilken Engelbracht vom VfL Bochum ausgetauscht. Anschließend stellte sich der Trainer den Fragen von WAZ-Redakteur Ralf Ritter.

Herr Verbeek, gibt es neue Erkenntnisse darüber, ob Sie Ihren im Sommer auslaufenden Vertrag verlängern?

Gertjan Verbeek: Ich bin mit einer positiven Einstellung ins Gespräch gegangen. Ende dieses Monats wird es eine Entscheidung geben.

Sind Sie denn auch mit einem positiven Gefühl herausgegangen aus dem Gespräch?

Verbeek: Wir haben mehr Klarheit, ob ich bleibe oder nicht. Es war ein konstruktives Gespräch über die Zukunft des VfL. Ob ich darin eine Rolle spiele oder nicht, wird man sehen. Ich kann noch nicht Ja oder Nein sagen.

Kommentar Können Sie ein, zwei Knackpunkte nennen?

Verbeek: Das würde eine Tendenz verraten. Der Vorstand wird sich noch austauschen mit dem Aufsichtsrat. Ich habe meine Leute, mit denen ich spreche. Meinen Berater, meine Freundin.

Sie sind jetzt seit einem Jahr beim VfL. Als Sie ankamen, sprachen alle von Ihrer Blockhütte im Wald, die Sie selbst bauen. Ist sie nun fertig?

Verbeek: Nein, ich konnte seitdem ja nicht mehr viel machen an der Hütte. Ich hatte keine Zeit, war viel für Bochum unterwegs. Aber ich bin so oft wie möglich da, alles Wesentliche ist vorhanden, zum Schlafen, Essen, es gibt Wasser.

Der Vorstand des VfL baut den Verein auch um. Sie sind einer der Bauleiter. Welche Baustellen sind geschlossen, welche im Rohbau?

Verbeek: Wir wollen uns weiter professionalisieren. Dafür hat der Verein Spezialisten geholt, Videoanalysten, Leistungsdiagnostiker, Krafttrainer. Ich kann nicht alles alleine machen. Der Kabinentrakt wurde umgebaut, mein Büro hat Tageslicht. Das ist wichtig, Dunkelheit macht depressiv. Der Kraftraum ist größer geworden, es gibt moderne Apparate, die Trainingsplätze haben einen neuen Rasen bekommen.

Und sportlich?

Engelbracht Verbeek: Wir haben uns verbessert, nicht nur in der Tabelle. Wir haben kaum Muskelverletzungen, wenig Verletzte. Wir spielen oft dominant, haben den Umbau von einer reagierenden zu einer agierenden Mannschaft vollzogen. Die Leistung im Laufbereich entspricht einem sehr hohen Standard, auch konditionell haben wir uns verbessert. Ebenso wie im mentalen Bereich.

Ein Beispiel?

Verbeek: Nach den starken Leistungen gegen Paderborn und München haben wir in Duisburg nicht gut gespielt. Aber wir haben nicht verloren, wie es vielleicht früher passiert wäre. Das war auch ein Schritt nach vorne.

Trotzdem ist Platz zwei zehn Punkte entfernt. Wo sehen Sie noch die größten Baustellen?

Verbeek: Im mentalen Bereich können wir noch große Fortschritte machen. Wir haben nicht die Mannschaft, die Favorit auf den Aufstieg ist. Aber sie hat die Qualität um den Aufstieg mitzuspielen. Kein Gegner hat uns bisher hergespielt, oft waren wir die bessere Mannschaft. Aber das Resultat war nicht immer positiv. Das hat etwas mit Glaube zu tun, an die eigene Qualität, an die eigene Verantwortung. Dieser Glaube kommt, wenn man länger zusammenspielt und Erfolg hat. Es ist das erste Mal seit Jahren, dass der VfL im Sommer keinen großen Umbruch hatte. Konstanz im Kader muss weiter das Ziel sein.

Verbeek Im Sommer gab es den großen Schnitt, die U23 wurde aufgelöst, Talente in den Profialltag integriert. Zufrieden mit der Entwicklung?

Verbeek: Es ist schön zu sehen, wie die Jungs trainieren. Jetzt gegen Stuttgart zum Beispiel haben Gökhan Gül und Görkem Saglam das richtig gut gemacht. Die jungen Spieler machen schneller Fortschritte als erhofft.

Wann ist es denn soweit, dass einer von ihnen auch in der 2. Liga zum Einsatz kommt?

Verbeek: Natürlich werde ich mein A-Team nach der Winterpause nicht auf fünf Positionen ändern, dann hätte ich vorher etwas falsch gemacht. Aber man hat gegen Stuttgart schon gesehen, dass es zwischen den Teams der ersten und zweiten Halbzeit nicht viele Unterschiede gibt in der Art und Weise, wie sie spielen. Nach der Pause kamen viele junge Spieler zum Einsatz, es gab kaum einen Qualitätsunterschied. Das ist ein Schritt nach vorne. Ich scheue mich nicht davor, die Jungen auch in der Liga einzusetzen, wenn Not am Mann ist.

Verbeek über den Anspruch des VfL Bochum in dieser Saison

Zum Trainingslager: Ziehen alle gut mit?

Verbeek: Wenn man sieht, wie viel Leidenschaft die Spieler heute im Training gezeigt haben, bin ich sehr zufrieden. Und dass die Mannschaft heute am freien Nachmittag viel Spaß hatte bei gemeinsamen Aktivitäten, zeigt den Teamgeist. Es ist gut, dass das Trainerteam mal nicht dabei ist.

Was haben Sie selbst dazu gelernt in Bochum?

Verbeek: Es ist mein zweites Abenteuer im Ausland, eigentlich ist Fußball universell. Natürlich ist die Kultur in Bochum anders als in Holland oder in Nürnberg. Sie ist nicht schlechter und nicht besser, nur anders. Als Trainer muss ich das akzeptieren und damit umgehen. Zugleich hat man überall, wo ich bisher war, gesagt: Ich habe meine klaren Vorstellungen, ich gehe meinen Weg.

Zu Ihren Vorstellungen - und denen des Vereins - zählt der Anspruch, in der 1. Liga zu spielen. Was ist in dieser Saison noch drin?

Verbeek: Es gibt noch 45 Punkte zu holen. Auf den 3. Platz sind es fünf Punkte, das ist überschaubar. Alles ist offen.

Zum Auftakt geht es gleich gegen den Zweiten Freiburg und den Dritten Nürnberg. Hauptthema im Umfeld ist aber das Pokal-Viertelfinale dazwischen. Gilt auch für die Mannschaft: Freiburg vor der Brust und Bayern im Kopf?

Verbeek: Wenn dem so wäre, würde sich bestätigen, dass wir uns mental verbessern müssen. Wenn sich die Mannschaft mehr mit Bayern beschäftigt als mit Freiburg, schwächt sie sich selbst. Von 100 Spielen gegen Bayern gewinnen wir vielleicht eins, vielleicht ja das im Februar. Aber von 100 Spielen gegen Freiburg gewinnen wir mehr als eins. Wir müssen den Heimvorteil nutzen.

Und nach den Bayern geht es nach Nürnberg…

Verbeek: Jedes Mal in einer Pokalwoche war bisher das dritte Spiel ein schlechtes von uns. Dabei geht es um mentale Qualität. Natürlich ist man müder, aber man muss den Schmerz überwinden. Das geht - wenn man will. Das müssen wir in Nürnberg zeigen.

Wenn Sie ein, zwei Wünsche frei hätten für Transfers, auf welchen Positionen sehen Sie Bedarf?

Verbeek: Wir haben eine gute Mannschaft zusammen gestellt. Oft ist es Panik, im Winter noch einen Spieler zu holen, die besten Spieler kriegt man in dieser Transferperiode nicht. Ich bin mit meinem Kader und der bisherigen Saison nicht zu 100 Prozent zufrieden, aber auch nicht unzufrieden. Ich glaube, dass noch mehr in dieser Mannschaft steckt. Unsere Ambition ist die 1. Liga. Wir haben schon viele Fortschritte gemacht. Und wenn wir so weitermachen, geht es in die 1. Liga. Wenn es in dieser Saison nicht klappt, dann vielleicht ja in der nächsten Saison.