VfL-Keeper Michael Esser nimmt Reservistenrolle sportlich

Michael Esser wechselt zu SK Sturm Graz in die 1. Liga Österreichs.
Michael Esser wechselt zu SK Sturm Graz in die 1. Liga Österreichs.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Michael Esser zeigt Verständnis dafür, dass nach Bekanntgabe seines Wechsels zu Sturm Graz wieder Andreas Luthe im Tor des VfL Bochum steht.

Bochum.. Michael Esser hat die Trainingsschicht am Montagvormittag erledigt. Er wirkt und spricht so wie immer. Ruhig. Sportlich fair. Sachlich. Und zufrieden sieht er aus.

Esser soll in Graz die Nummer eins werden

Esser, 27, wird wie berichtet den VfL nach sieben Jahren verlassen nach dieser Saison. Das Zweijahres-Angebot der Bochumer hat er abgelehnt. Der Castrop-Rauxeler hat, für viele überraschend, einen Vertrag beim SK Sturm Graz unterschrieben. Drei Jahre plus Option. Er soll beim Tabellendritten der 1. Liga Österreichs die Nummer eins werden.

Kommentar „Wenn ich den Schritt jetzt nicht machen würde, wäre ich hier Rentner geworden“, sagt Esser. „Ich will noch einmal etwas anderes, etwas Neues sehen und probieren. Ich habe mich nicht gegen den VfL, sondern für Graz entschieden.“ Die Herausforderung, international spielen zu können - zumindest die Europa-League-Qualifikation dürfte Graz kaum noch zu nehmen sein - habe ihn obendrein gereizt.

Esser hat sich nach oben gekämpft

Internationales Parkett, das hätte ihm der VfL zweifellos nicht bieten können. Ob er auch weniger Geld bot, womöglich bedeutend weniger Geld, kann man nur vermuten. Fakt ist, dass Esser sich nach Jahren als Regionalligakeeper und Ersatztorwart der Profis nach oben gekämpft hat, unter Gertjan Verbeek war er - bisher - die klare Nummer eins.

Begünstigt wurde dies durch die Schulter- und dann Rückenverletzung von Andreas Luthe, der in der Wintervorbereitung nur individuell und dosiert arbeiten konnte und erst seit einigen Wochen wieder in einem Trainingszustand der vollen Belastbarkeit ist. Esser nutzte seine Chance, zeigte konstant gute bis sehr gute Leistungen.

Wegen seines Aufstiegs beim VfL und seiner Familie rechnete man allgemein damit, dass Esser in seiner Heimat bleiben würde, zumal seine Frau ein zweites Kind, ein Mädchen, erwartet. Ende Mai soll Tom, der in die 1. Klasse geht, ein Geschwisterchen begrüßen - und in den Sommerferien will Familie Esser dann nach Österreich ziehen.

Luthe muss das "kommende Saison immer machen"

Ob der Torwart bis dahin noch einmal zwischen den Pfosten des VfL stehen wird, ist unwahrscheinlich. Über 50 Regionalliga- und 23 Zweitliga-Einsätze hat Esser gesammelt, acht davon unter Trainer Gertjan Verbeek, zuletzt am Ostersonntag in Darmstadt. Der hatte den bei den Fans beliebten „Bruno“ vor der Partie gegen Leipzig am Sonntag (1:2) bereits aufgeklärt, dass er nun auf Andreas Luthe setzen werde.

Einzelkritik „Das kann ich nachvollziehen“, sagt Esser professionell. Verbeek hatte den Torwart-Wechsel nach dem Spiel so erklärt: „Wir haben Andreas Luthe bisher erst im Training und in Freundschaftsspielen gesehen, wie er das macht - und nächste Saison muss er das immer machen.“ Da auch Patrick Fabian, Felix Bastians und Stefano Celozzi noch einen Vertrag über das Saisonende hinaus haben und gegen Leipzig mitwirkten in der Viererkette, könne sich Luthe so schon an das Zusammenspiel „gewöhnen“, sagte Verbeek.

Luthe, seit dem Abstieg in die 2. Liga 2010 bis zu seinen Verletzungen und dem Trainerwechsel im vergangenen Winter die Nummer eins beim VfL, zeigte bei seinem Comeback eine gute Leistung. Und wirkte gestern wie Esser: zufrieden. Nur reden mit Vertretern der Medien will er weiterhin nicht, zunächst „bis zum Saisonende“, so viel verriet der Ex-Kapitän - als Nachfolger wurde von Coach Verbeek Patrick Fabian bestimmt in der letzten Woche.

Zur Erinnerung: Luthe hatte sich Anfang Dezember für seine Kritik an Aufsichtsrats-Chef Hans-Peter Villis via Homepage entschuldigen müssen. Trainer Peter Neururer, der seinen Kapitän in dessen Meinung unterstützt hatte, wurde freigestellt.

Holthaus auf einem guten Weg

Das sah gut aus bei Fabian Holthaus gestern, der Linksverteidiger gab beim Training der „Reservisten“, die gegen Leipzig nicht von Beginn an spielten, richtig Gas. Im Mai könnte er sich in der 2. Liga zeigen, hatte Trainer Verbeek unlängst seine Hoffnung geäußert. Dagegen muss Piotr Cwielong vorerst passen, wegen einer Muskelblessur stand er schon nicht im Kader gegen RB.