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Fan-Gewalt

VfL-Fanbetreuer Michalowski warnt vor Nachahmern

04.09.2012 | 18:32 Uhr
VfL-Fanbetreuer Michalowski warnt vor Nachahmern
Mergim Mavraj und der Mann, der dort nicht hingehörte. Eine - fast - handgreifliche Auseinandersetzung nach dem Abstieg aus der Bundesliga.Foto: Reuters/INA FASSBENDER

Bochum  „Es gibt immer Nachahmer. Was in Köln passiert ist, kann morgen schon woanders passieren.“ Dirk Michalowski, seit 2003 hauptamtlicher Fanbetreuer des VfL Bochum, will damit nicht den Teufel an die Wand malen.

Aus Michalowskis Worten sprechen indes eine gehörige Portion Realismus und Erfahrung. Dass eine gewalttätige Gruppe den Kölner Profi Kevin Pezzoni zur Aufgabe genötigt und weggemobbt hat, markiert einen neuen Tiefpunkt im deutschen Profifußball und ist ohne Beispiel. Die Szene ist tief erschüttert, aber das war sie ja schon einmal - im November 2009, nach dem Freitod von Robert Enke.

Andreas Bergmann war zu dieser Zeit Enkes Trainer in Hannover, heute arbeitet er für den VfL Bochum. „Wir alle haben damals gesagt, dass wir anders miteinander umgehen wollen“, erinnert sich Bergmann. Für Wochen schien der Fußball, dieser ewige Kreislauf aus Gewinnen und Verlieren, Frust und Freude, Jauchzen und Jammern, ein Stück weit zurück zu treten - hinter das Individuum, den Menschen, seine Bedürfnisse, Nöte, ja Qualen. Die Hoffnung jedoch, dass die damalige Betroffenheit eine neue Kultur des gegenseitigen Respekts schaffen könne, sie trog.

Extreme Situationen

Für die Vorgänge in Köln findet Bergmann deutliche Worte. Zwar müsse man als Profi Drucksituationen aushalten können, aber „Grenzen“ dürften dabei nicht überschritten werden“. Kritik sei natürlich erlaubt, „aber nicht eine, die zur Bedrohung wird“. Und: Es gebe extreme Situationen, in denen man „solidarisch“ sein sollte und sich „wehren“ müsse.

Bergmann ist nun seit einem knappen Jahr in Bochum, er hat den Abstieg des VfL aus der Bundesliga im Mai 2010 nur aus der Ferne erlebt - dieses 0:3 gegen Hannover 96, ausgerechnet Hannover. Die VfL-Seele kochte, ein paar Durchgeknallte stürmten auf den Platz, legten sich mit den Spielern an. Viel fehlte nicht und Mergim Mavraj, der längst für Greuther Fürth spielt, hätte sich geprügelt. Eine heikle Situation sicher, aber auch eine, die nicht mit dem gezielten Terror von Köln vergleichbar sei, meint Dirk Michalowski. Mavraj habe eben am nächsten gestanden - und er sei keiner gewesen, „der zurückgeht“.

„Spieler als Hauptschuldige“

Grundsätzlich, gibt Michalowski seinen Eindruck wider, habe sich aber die Aggression etwas verlagert. Während sich früher der Zorn vor allem auf den Vorstand richtete, würden heute die „Spieler als Hauptschuldige“ ausgemacht, sie stünden nun „mehr in der Verantwortung“. Dabei macht VfL-Pressesprecher Christian Schönhals generell eine „überzogene Erwartungshaltung“ aus. Junge Fußballspieler seien „keine Politiker“, die alles erklären könnten.

Andersherum werde vielmehr ein Schuh draus, denn das Umfeld eines Klubs könne durchaus „eine Rolle spielen“, wenn junge Spieler sich zwischen diesem oder jenem Verein zu entscheiden hätten und Angst zum entscheidenden Faktor dieser Entscheidung werde. So könnte sich der Einfluss, den sich Gewalttäter verschaffen wollen und den sie nach Pezzonis Vertragsauflösung gerade lauthals bejubeln, letztlich als Bumerang erweisen - jedenfalls für den Klub.

Diese Gefahr sieht man in Bochum - noch - nicht. Aber Michalowski mahnt: „Wir müssen vorsichtig sein und aufpassen, was weiter passiert.“

Michael Eckardt



Kommentare
08.09.2012
20:48
@6
von klase | #8

Einige Antworten auf Ihre Fragen :
1. ja.
2. Stadionverbot und zivilrechtlich bestraft.
3. ablehnend,
4. In dieser Beziehung sind die Fanclubs "gespalten", wie man sich denken kann.
5.+ 6. Das fällt unter den Datenschutz bzw. fällt unter " Persönlichkeitsrechte"

06.09.2012
12:21
VfL-Fanbetreuer Michalowski warnt vor Nachahmern
von Mietzmietz1904 | #7

Ist es eigentlich nicht Mobbing, wenn ein Verein (nennen wir ihn z.B. mal 1.FC Köln) einen Spieler (nennen wir ihn z.B. mal Rensing), der sich nichts hat zuschulden kommen lassen (im Gegenteil), trotz Vertrages vom Hof jagt und ihn nicht mal mehr am Trainingsbetrieb teilnehmen lässt ?.

Bei dem Karnevalsverein scheinen mir die Umgangsformen insgesamt ein wenig verkommen zu sein.

06.09.2012
11:56
VfL-Fanbetreuer Michalowski warnt vor Nachahmern
von mitLINKSinsVERDERBEN | #6

Auf dem Foto ist "der Mann" hervorragend zu erkennen und sollte einfach zu identifizieren sein.
Meine Frage daher:
1. Wurde der Mann identifiziert?
2. Welche Konsequenzen hatte sein Fehlverhalten?
3. Wie steht der Verein zu diesem "Mann"?
4. Welche Konsequenzen für Fehlverhalten schlagen die echten Fanclubs gegen solche Leute vor?
5. Wer kontrolliert / dokumentiert dieses Fehlverhalten und die entsprechenden Konsequenzen?
6. Wo wird veröffentlicht, welche Konsequenzen gezogen werden?

06.09.2012
00:38
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #5

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

05.09.2012
23:39
VfL-Fanbetreuer Michalowski warnt vor Nachahmern
von dummmberger | #4

Diese Verknüpfung des Falles Enke mit den Fankrawallen ist absurd.
Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.

Eine Depression, weil man irgendwann mal von Fans beschimpft wurde? Unwahrscheinlich.

Depressionen benötigen nicht zwingend einen solchen Auslöser von außen.
Und wenn doch, dürfte der Tod des Kindes wohl eher ein Grund sein als ein paar bekloppte Fans.

@darkblu2006 | #3
Wenn Sie Depressionen hätten, würden SIe nicht diese Gedanken haben. Wenn dem Selbstmörder bewusst wäre, dass seine Tat etwas schreckliches ist, würde er sie nicht begehen.

05.09.2012
20:32
doch was gelernt aus dem Fall Enke
von darkblu2006 | #3

Ich würde mich nämlich nicht vor einem Zug schmeißen und damit einen anderen Menschen mit der Schuld und den Alpträumen zurück lassen .Enke ist tot ,der Zugführer lebt mit dem erlebten weiter .

05.09.2012
18:46
VfL-Fanbetreuer Michalowski warnt vor Nachahmern
von meine_meinung76 | #2

Was hat Fangewalt mit einem depressiven Robert Enke zu tun, der sich das Leben genommen hat?

1 Antwort
Mobbing in der Türkei
von Carluccino | #2-1

Enke wurde in jungen Jahren in der Türkei bei seinem ersten Spiel für Istanbul mit Gegenständen beworfen und derbe beschimpft. Ich glaube danach kam er nicht mehr zum Einsatz. Es ist zwar für mich zumindest nicht ganz nachvollziehbar, dass bei einem zuvor (bei Gladbach) und danach ( lange bei Hannover) souveränen und wirklich guten Torwart ein solches Erlebnis zu Depressionen führte, denke aber das es das alleine nicht war. Aber wie gesagt, die Kälte in Barcelona unter van Gaal und der entfesseltem an muss es sagen "Mob" am Bosperus haben bei Enke Spuren hinterlassen, die alle Erfolge nicht tilgen konnten.

05.09.2012
13:57
VfL-Fanbetreuer Michalowski warnt vor Nachahmern
von FAN58 | #1

„Es gibt immer Nachahmer".
Warum kann unser AR (der bald mehr Mitglieder hat wie eine Mannschaft/bekommen die alle ein Honorar oder Gehalt? ) nicht mal Hernn Watzke oder Hernn Beckenbauer nachahmen, da hätte ich nichts dagegen.
Das obige Bild von 2009 ist weit hergeholt. Der aufgeregte Fan hat zudem noch
einen Rot-Weiß Schal um , kann kein Bochumer sein.
Tief im Westen scheint nur die Sonne, hier sind die Fans eben leidensfähiger.
Nachahmer können durch die dauernde Berichterstattung und durch das Aufwärmen von wie einmal im jahr X , animiert werden.
Bochum, hatt die waren Fans !

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