Fußball-Bundesliga
VfL Bochum will auch in Mainz punkten
17.02.2010 | 23:22 Uhr 2010-02-17T23:22:00+0100
Bochum. Ausgerechnet der Trainer lag gestern flach: Coach Heiko Herrlich musste wegen einer Virus-Infektion im Bett daheim bleiben, Iraklis Metaxas übernahm die Leitung des Trainings. Spätestens am Samstag in Mainz dürfte Herrlich wieder dabei sein.
Wie „schnelllebig der Fußball sein kann”, sagt Slawo Freier, hat er selbst erst vor wenigen Wochen in einer Tal- und Bergfahrt erfahren: Auswechslung gegen die Bayern nach indiskutablen 35 Minuten. Einwechslung in Hannover zur zweiten Halbzeit, nur eine Woche später. Eine starke Leistung, sein erstes (und weiterhin einziges) Saisontor, der Anfang der Wende. Im Spiel in Hannover, für den VfL Bochum in dieser Saison – und für ihn selbst, den so oft gescholtenen Mittelfeldspieler.
„Slaaaawo Freier” skandierten die Fans am vergangenen Samstag, als er ausgewechselt wurde. „Natürlich tat das gut”, sagt der 30-Jährige, schiebt aber ganz im Sinne des „Teamgeistes” nach: „Viel wichtiger war, dass die Mannschaft noch gewonnen hat.”
Balsam für Freier
Dass die Anhänger aber (auch) seinen Namen rufen, von anerkennendem Beifall begleitet: Lange ist's her. Seit seiner Rückkehr nach Bochum vor mehr als anderthalb Jahren jedenfalls, meint Freier selbst, kann er sich nicht an solch einen Zuspruch erinnern.
Balsam für ihn, den man schon fast abgeschrieben hatte vor knapp vier Monaten, als der Ex-Nationalspieler mit Stammplatz-Ansprüchen und einer der Großverdiener des Kaders zu lahm, zu schwach daherkam – und sich kurz nach Heiko Herrlichs Ankunft in der zweiten Mannschaft Spielpraxis holen sollte. Und es denn auch tat. „Das war damals keine schöne Situation”, sagt Freier rückblickend, „aber ich bin immer einer gewesen, der nicht aufgibt. Ich habe die Herausforderung angenommen.” Mit Erfolg: Gegen Hoffenheim durfte er erstmals seit dem Bayern-Debakel von Beginn an ran, nachdem er als Einwechselspieler zuvor oft frische Impulse gebracht hatte.
Die Jokerrolle erfüllte er gut – über die gesamte Distanz gesehen ist weiterhin Luft nach oben. Freier hat seine Kondition unter Herrlich offensichtlich stark verbessert, wie fast alle Spieler. Er ist mittlerweile in der Lage, genauso konsequent nach hinten zu rackern wie es das gesamte Team derzeit praktiziert, das schließlich macht den VfL 2010 so stark.
Nach vorne aber hat Freier noch zu selten Akzente gesetzt, auch gegen Hoffenheim folgte der Balleroberung zu oft ein Fehlpass, ein schlampiges Dribbling. Er weiß, dass er sich weiter voll reinknien muss: „Ich werde mich nicht ausruhen, ich muss weiter gut trainieren, um meinen Platz zu verteidigen”, sagt er.
Nicht ausruhen, schon gar nicht an einer Serie des Erfolges mit nunmehr sechs Partien ohne Niederlage laben: Das ist das Credo des Trainers, der allerdings gestern selbst eine Auszeit nehmen musste. Eine Virus-Infektion zwang ihn zur Bettruhe, Co-Trainer Iraklis Metaxas übernahm. Ob Herrlich heute oder morgen wieder auf dem Platz stehen wird ist offen, spätestens am Samstag aber dürfte er dabei sein.
Das Hinspiel besiegelte das Ende der Ära Koller
Schließlich geht's zum FSV Mainz, dem neben Bayern und Leverkusen einzigen Team der Liga, das zuhause unbesiegt ist (sieben Siege, drei Remis). Und: Im Hinspiel war es das Team von Thomas Tuchel, das mit dem 3:2-Erfolg das Ende der Ära Koller besiegelte und damit eine neue erzwang.
Es hat sich viel getan seit dem Bochumer Tiefpunkt: „Wir werden uns ganz anders präsentieren als im Hinspiel”, sagt Freier. Der VfL kann ja auch eine stolze Serie dagegenhalten: Die letze Auswärtspleite gab es am 1. November in Frankfurt. Es folgten drei Siege und zwei Remis.
31 Punkte hat Mainz und wäre mit einem Dreier wohl schon (fast) am Ziel, dem Klassenerhalt. 25 Zähler hat der VfL und damit acht Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Ein „Polster” zwar, sagt Freier, blickt aber weiter auf die unteren Regionen, auf Freiburg, Hannover, Nürnberg. 25 Zähler seien nämlich auch „gefährlich” – falls einer denke, man sei schon durch. Freier: „Wir müssen weiter hart arbeiten und punkten.”
PERSONELLES
Neben Trainer Heiko Herrlich mussten gestern beim Training auch einige Spieler passen. Wie in den letzten beiden Wochen schon verpasste Milos Maric wegen Leistenproblemen die Einheiten an den ersten drei Tagen der Woche. Andreas Johansson (nach Bänderdehnung), Kevin Vogt (Bänderriss) und Christian Fuchs (Fußprellung) trainierten individuell, sollen heute aber wieder einsteigen. Mimoun Azaouagh (nach Virus-Infektion) war bereits gestern wieder dabei.
10:21
Drei Punkte aus Mainz, drei gegen den Glub = 31.
Europa, wir kommen *lach*
07:40
Guten Morgen,
und ein großes Lob an Herrn Ritter, den Redakteur des Artikels:
Seit langem schreibt derWesten.de endlich mal wieder einen längeren, einen wirklich guten und informativen Artikel. Vielen Dank dafür. So macht Fußballlektüre wieder Spaß. Weiter so.
Und dem VfL drücke ich alle Daumen, dass er aus Mainz drei weitere wichtige Punkte nach Hause bringt. Auf gehts Jungs!
Glück auf!