VfL Bochum goes USA - Auf blau-weißer Mission in Florida

Der VfL Bochum erobert Amerika - nun ja, zumindest ein bisschen.
Der VfL Bochum erobert Amerika - nun ja, zumindest ein bisschen.
Foto: Montage/Jennifer Bräuning
Was wir bereits wissen
Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten gibt es fast alles - nur den VfL Bochum nicht. Warum sich das jetzt zumindest ein wenig verändert hat.

Essen.. Zwei Wochen Florida. Das heißt Sonne, Burger bis zum Abwinken und US-Sport, so viel das Sportlerherz vertragen kann. Das heißt aber auch, zwei Wochen ohne Fußball, zwei Wochen ohne den VfL Bochum. Nicht ganz. Vier Gegenstände sind im Gepäck, um die Blau-Weißen aus dem tiefen Westen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten bekannt zu machen.

Schließlich liegt Tauschen voll im Trend, wie ein Blick in die Regale gut sortierter Buchhandlungen verrät. Also mal sehen, was der Amerikaner so gewillt ist, für ein blau-weißes Shirt, eine Wanduhr mit dem VfL-Logo und ein Frühstücksbrettchen rauszurücken - und als Joker ist noch eine Umhängetasche dabei. Wo, wenn nicht hier soll das klappen?

Aber wie so oft ist aller Anfang schwer. Zwei Wochen habe ich Zeit, die mitgebrachten Artikel an den Mann oder an die Frau zu bringen. In den ersten Tagen fehlt es aber einfach an Gelegenheiten. Zu straff ist das Programm, zu selten ein Gespräch mit Amerikanern möglich. Oder sind Blau und Weiß einfach nicht ihre Farben? Stars and stripes wäre vermutlich besser gegangen.

Kein Platz für den VfL in der Sportsbar

Es ist Sonntagabend, eine Woche ist bereits vergangen, seit ich in Miami gelandet bin. In den USA heißt das, die Footballstars der NFL haben ihren großen Auftritt. Wir sitzen in einer Sportsbar, lassen Rippchen, Hähnchen, gegrillte Maiskolben und weitere heimische Spezialitäten auftischen und verfolgen gebannt das Spiel. An den Wänden hängen Wimpel und Bilder von Footballteams, die Kellner sind im Trikot ihrer Lieblingsmannschaft gekleidet. Hätte ich das gewusst, ich hätte das Luthe-Trikot angezogen.

Verbeek Eigentlich ein guter Ort, an dem der VfL repräsentiert werden kann. Ich frage den Kellner. Er findet die Idee gut, muss aber noch mit seinem Chef sprechen. Ich schaue mich schon mal um, was mir gefällt. Die Wimpel an der Wand sehen gut aus, im Zweifel wäre auch eine der leckeren Grillsaucen ein geeignetes Tauschobjekt. Als der Kellner wiederkommt, hat er keine guten Nachrichten: "Wir gehören einer Kette an, da dürfen wir leider nichts rausgeben." Naja, Blau-Weiß hätte der Bar bestimmt gut gestanden. Einen Versuch war es wert.

Der nächste Tag. Eine ähnliche Location. Wieder ein Restaurant, diesmal aber wesentlich kleiner und in Privatbesitz. Todd erzählt mir, dass es hier seit 30 Jahren eine Burgerbude gibt. Er selbst ist seit fünf Jahren Geschäftsführer. Und Fan von Flugzeugen. Überall in seinem kleinen Restaurant sind diese zu sehen. Und ein Helm von der US-Luftwaffe. Selbst geflogen ist er nicht, aber das Fliegen generell fasziniert ihn. Viel mehr Zeit zu reden hat er nicht - die Küche ruft. Sein Burger mit Erdnussbutter ist super. Ich will unbedingt etwas tauschen. Vielleicht ein Flugzeug, für neue Höhenflüge beim VfL? Erste Liga und so. Ich fange schon an zu träumen. Liegt bestimmt am Burger. Todd findet die Idee gut, ein Flugzeug will er aber nicht entbehren. Auch wenn er mir "nur" einen Cola-Becher als Erinnerung geben kann, finde ich, dass die VfL-Uhr gut in sein Restaurant passt. Eine neue Zeitrechnung jenseits des Atlantiks? Abwarten.

Wie man es dank eines VfL-Shirts zum Junior-Parkranger bringt

Einmal im Tauschrausch wittere ich gleich am nächsten Morgen die nächste Chance. David Hooper ist Ranger in den Everglades und erklärt uns, welche Tour-Möglichkeiten wir haben. Von der eigentlich geplanten Kanutour nehmen wir schnell Abstand und nehmen an einer geführten Bootstour teil. Das ist so beeindruckend, dass ich anschließend nochmal zu David zurückkehre, um ihm einen Deal vorzuschlagen. Er bekommt das VfL-Shirt, ich dafür ein Abzeichen, wie es die Park-Ranger tragen.

Das Original kann er mir nicht geben, aber zumindest das eines Junior-Parkrangers. Hat sich etwa bis hierher rumgesprochen, dass der VfL aktuell nicht in der besten Form ist? Ich bin trotzdem einverstanden, Ranger wollte ich schon immer mal sein. Meine Hoffnung, er könnte den VfL kennen, erfüllt er aber nicht. "Ich komme aus Detroit und bin großer Baseballfan. Fußball habe ich früher oft an der Highschool in der Nachbarschaft gesehen", verrät er mir. Ich frage ihn, ob er denn die Weltmeisterschaft verfolgt hat. Seine ernüchternde Antwort: "Nein, das kann ich im Fernsehen nicht sehen."

Zwei Gegenstände sind getauscht. Fazit? Noch ist der VfL nicht in den Sportbars zu sehen, Fangesänge auf den Straßen höre ich auch nicht. Abwarten, einen Deal habe ich ja noch in der Tasche - und dafür auch schon einen Plan. In Miami wartet schließlich noch ein besonderes Hotel.

Es ist bunt in der Lobby. Hunderte von Magneten, bunten Fliesen und Gegenständen sind zu sehen. Aus aller Welt zusammengetragen. Gemütlich eingerichtet treffen sich Reisende zum Plausch, trinken eine Tasse Kaffee. Nichts Besonderes, nichts Teures, aber irgendwie hat es Charme. Als Erinnerung hätte ich gerne eines dieser bunten Accessoires und außerdem finde ich, würde ein blau-weißer Touch der Lobby nicht schaden. John, der an der Rezeption arbeitet, berichtet mir, wie er von Kanada nach Venezuela und von dort nach Miami gekommen ist.

Sympathie aus Miami für den Bochumer Familienklub

"In Venezuela habe ich Fußball gespielt. Das ist ein Sport, den man lieben muss. Und ich habe nie die enge Bindung gefunden, ich mag Football und Basketball mehr." Die Dolphins sind sein Football-Team, beim Basketball unterstützt er die Heat. Miami halt. "Natürlich, da bin ich Lokalpatriot." Die Geschichte vom kleinen, aber familiären Verein aus dem Ruhrgebiet findet er spannend. Das würde sich so anders anhören als die großen, vermarkteten Klubs in den USA.

Ganz Unrecht hat er damit nicht, wenn auch die Stimmung "anne Castroper" selbst bei mäßigen Auftritten der Elf besser ist als bei einem Meisterschaftsspiel der Miami Heat. Zumindest da liegt die einstige "graue Maus" der Liga vor der bunten Glamour-Welt des US-Sports. John schenkt mir eine Ente, die zwar keine Beine mehr hat, aber ansonsten genau das darstellt, was dieses Hotel ausmacht. Ich gebe ihm das VfL-Brettchen und packe noch eine Umhängetasche obendrauf - soll ja jeder sehen, dass der VfL jetzt einen neuen Fan hat.

Ich bin alles losgeworden. Ob meine PR-Maßnahme eingeschlagen ist? Was sollte den VfL populär machen, wenn nicht diese Merchandise-Artikel? Wenn ich das nächste Mal in die USA reise, erwarte ich Bochum-Fahnen, Wimpel, Trikots und was sonst noch dazu gehört - überall. Und natürlich auch Live-Übertragungen im TV - mindestens. Und wenn das doch nicht geklappt hat, dann aber den einen oder anderen VfL-Fan, der sich auch in Florida an die blau-weiße Heimat erinnert fühlt.