Touristische Höhepunkte erleben
04.04.2008 | 23:12 Uhr 2008-04-04T23:12:30+0200Die Fans des VfL Bochum nehmen aus dem schönen München selten einen Punkt mit. Dennoch fahren die Bochumer gerne in den Süden. Shinji Ono und sein Problemfuß bleiben allerdings zuhause
Bochum. Mehr als 3000 Anhänger werden den VfL Bochum zum deutschen Rekordmeister begleiten, die Anziehungskraft dieses ungleichen Duells ist offensichtlich ungebrochen. Betrachtet man die 1971 begonnene gemeinsame Geschichte, dann kommt man allerdings rasch zu dem Ergebnis, dass der reiselustige VfL-Fan München wohl vor allem unter touristischen Aspekten ansteuert.
Denn erst ein Mal, man schrieb das Jahr 1991, gelang es dem Außenseiter, auf dem Bayern-Terrain zu triumphieren. Ansonsten war man aus Bochumer Sicht zufrieden, wenn man gelegentlich ungeschoren davonkam; so wie beim 0:0 vor einem Jahr, dem wenige Stunden später der Rauswurf von Felix Magath folgte.
Immerhin stehen die Bochumer am Sonntag nicht so unter Druck wie damals. Der Punkte-Puffer nach unten sollte ausreichen, um nicht mehr in Gefahr zu geraten, nach oben dürfte auch nicht mehr allzu viel gehen. Zwar konzentriert, aber unbeschwert, hofft Marcel Koller, werden seine Mannen in der Allianz-Arena zu Werke gehen - obwohl die verletzten Routiniers Christoph Dabrowski und Thomas Zdebel ersetzt werden müssen und Shinji Ono nicht zur Verfügung steht. Der Japaner ist mit seinem "Problemfuß" umgeknickt, eine längere Pause, eventuell sogar das Saisonaus, ist zu befürchten.
So paradox es klingt: Die größeren Sorgen plagen derzeit die noch auf drei Hochzeiten tanzenden Bayern. Das 1:1 im UEFA-Cup gegen Getafe hat auf die Stimmung gedrückt, außerdem ist der Ausrutscher in Cottbus noch nicht vergessen. Leisten sich die Münchener morgen einen weiteren Patzer, dann könnte auch das Rennen um den Titel noch einmal richtig eng werden. Obwohl Ottmar Hitzfeld, lobt sein einstiger Spieler und jetziger Kollege Marcel Koller, "das schon gut gemacht" habe "mit der Rotation".
"Richtig stolz" ist Koller darauf, dass seine Mannschaft bislang nur vier Tore weniger erzielt hat als die Bayern mit ihrem, wie der VfL-Trainer sagt, "dazu gekauften Offensiv-Potenzial". Zum eigenen Offensiv-Potenzial zählt, jedenfalls seit dem Start der Rückrunde, Benjamin Auer, dessen Vertrag im Juni ausläuft. Dass Auer die "grausamen" eineinhalb Jahre zuvor "nicht vergessen" hat, wie er der "Rheinpfalz" sagte, und weil "immer etwas hängen bleibt, wenn dich jeder abschreibt", liegt die Vermutung nahe, dass der 27-Jährige seine aktuell gute Verfassung dazu nutzt, mit anderen Interessenten ins Gespräch zu kommen. Selbst die Rückkehr nach Mainz schließt er nicht aus.
Weil in der Liga die Fronten geklärt sind, rücken in Bochum die personellen Belange in den Blickpunkt. Hier und da wird sogar darüber spekuliert, dass Ansgar Schwenken dem Beispiel seines ehemaligen Vorstandskollegen Stefan Kuntz folgen und die Brocken hinschmeissen könnte. Dieses Szenario ist allerdings derzeit in etwa so wahrscheinlich, wie die auf dem Boulevard forcierte Berufung Peter Neururers zum neuen Sportlichen Leiter. Lobhudelei nutzt sich ab, sogar in Bochum.

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