So kommt Bochum aus der Winterpause - Beim VfL wird geschuftet

„Die Leidenschaft ist sehr groß": VfL-Trainer Gertjan Verbeek lobt das Engagement seiner Mannschaft.
„Die Leidenschaft ist sehr groß": VfL-Trainer Gertjan Verbeek lobt das Engagement seiner Mannschaft.
Foto: Imago
Was wir bereits wissen
Der neue Bochumer Trainer Gertjan Verbeek lobt die Haltung seiner Profis. Die Zweitliga-Saison wird an diesem Samstag bei Union Berlin fortgesetzt.

Bochum.. „Die Leidenschaft ist sehr groß. Die Spieler marschieren wie die Tiere.“ Das ist so ein typischer Satz für Gertjan Verbeek, den neuen Hoffnungsträger des VfL Bochum. Was mitunter, wie in diesem Fall, auch aufgrund des Akzents für deutsche Ohren etwas lustig rüberkommt, hat einen ernsthaften, den Alltag betreffenden Kern: Der Niederländer hat eine, das darf man wohl so sagen, protestantische Arbeitsethik aus dem Nachbarland mitgebracht. Es wird inzwischen, so könnten es manche empfinden, regelrecht geschuftet beim VfL. Sind zwei Trainingseinheiten pro Tag vorgesehen, dann bleiben die Spieler bis abends auf dem Gelände. Freie Zeit wird gefüllt mit Anschauungsunterricht per Video. Es hat sich also einiges verändert für die Bochumer, die am Samstag (13 Uhr, LIVE bei uns im Ticker) im Berliner Osten bei „Eisern Union“ die Zweitliga-Saison fortsetzen.

Gertjan Verbeek ist eine Art Antityp im Vergleich mit seinem Vorgänger, dem bei vollen Bezügen „frei gestellten“ Peter Neururer, der jedem manierlich daherkommenden Neugierigen ausführlich Rede und Antwort steht und der die Öffentlichkeitsarbeit als wichtigen Bestandteil seiner Arbeit betrachtet. Verbeek dagegen will eigentlich nur Fußball lehren, mit der Mannschaft arbeiten, anschließend die Löcher im Rasen zutreten und dann am Wochenende gewinnen; das jedoch möglichst ansehnlich und überzeugend. „Fußball macht nur Spaß, wenn man den Ball hat“, lautet eine Losung des Mannes, der in Nürnberg zwar nicht glücklich, aber doch von vielen respektiert wurde ob seiner Arbeit.

Acht verletzte Spieler

In Bochum laufen die Dinge allerdings zunächst einmal gegen ihn. Nicht, dass das „anspruchsvolle und intensive“ Training, so Torjäger Simon Terodde, keine Wirkung entfalten würde. Aber nach und nach sind dem 52-Jährigen während der Vorbereitung die Spieler abhanden gekommen. Acht verletzte Akteure stehen derzeit nicht zur Verfügung, darunter so prominente wie Ex-Nationalspieler Tobias Weis und Jan Simunek, der mit Wolfsburg immerhin mal Deutscher Meister wurde. Beide werden vermutlich in dieser Spielzeit nicht mehr gegen den Ball treten können.

VfL-Gegner Weil die personelle Not fast von Tag zu Tag größer wurde und andererseits das Gastspiel der generösen Bayern etwas mehr Geld in die Kasse spülte als man erwartet hatte, wurde der VfL auf den letzten Drücker auf dem Transfermarkt aktiv und lieh sich den einst in Dortmund ausgebildeten, 22-jährigen Mittelfeld-Spieler Thomas Eisfeld vom FC Fulham für den Rest der Saison aus. Glücksgefühle übermannten Gertjan Verbeek deshalb aber keineswegs. „Ich wollte einen Sechser haben, das ist er nicht“, zeigte sich der Niederländer nach diesem Transfer nur wenig begeistert. Ein sehr eigenwilliger Willkommensgruß.

Unangepasst und Kompromisslos

Wer so unangepasst und kompromisslos daherkommt wie Verbeek, ist noch mehr auf positive Ergebnisse angewiesen als die kommunikativen Kollegen, die das Geschäft mit der Öffentlichkeit mögen und beherrschen. Unter den derzeitigen Umständen wird es dem VfL Bochum aber nicht leicht fallen, bereits in den kommenden Wochen den erhofften Schritt nach vorne zu machen. Der schmale Kader lässt den Wettbewerb unterein­ander gar nicht zu, fehlender Konkurrenzdruck muss kompensiert werden mit zusätzlicher Eigenmotivation. Und von der Reservebank aus wird man zumindest in nächster Zeit kaum Einfluss nehmen können, wenn mal ein Spiel in die falsche Richtung laufen sollte. Dafür reicht wohl momentan die Qualität nicht aus.

Personal Gertjan Verbeek hütet sich vor Versprechungen. Er lobt seine Spieler für ihr Engagement und den „Willen, die Dinge aufzunehmen, das freut mich“, spricht auch von Fortschritten. Was das schließlich im Ergebnis bedeutet auf den Zweitliga-Plätzen, das weiß Verbeek so wenig wie alle anderen. Sportvorstand Christian Hochstätter mahnt zu Zurückhaltung. „Wir müssen Geduld aufbringen.“