Roman Prokoph - der Aufsteiger beim VfL
28.01.2010 | 10:22 Uhr 2010-01-28T10:22:00+0100
Bochum. Wahrscheinlich mit Stanislav Sestak und Slawo Freier fährt der VfL Bochum zum Bundesliga-Spiel in Berlin am Samstag. Und einer ist besonders heiß: Roman Prokoph, der Aufsteiger unter Trainer Heiko Herrlich und gebürtige Berliner.
Er wirkte leicht frustriert nach dem 2:1-Sieg gegen den FC Schalke 04. Einerseits. Andererseits aber schickte er gleich eine Kampfansage hinterher: Roman Prokoph, damals Kapitän der zweiten Mannschaft des VfL, sagte: „Ich hoffe, auch das wird honoriert.” Der gelernte Stürmer meinte seine Vorlagen in der 89. Minute und in der Nachspielzeit, mit der er den Last-Minute-Sieg im Regionalliga-Derby der Reserve-Teams eingeleitet hatte.
An diesem 12. September stand Prokoph im Lohrheidestadion, und fast zeitgleich wechselte Marcel Koller seinen VfL-II-Sturmpartner Mirkan Aydin bei den Profis ein, beim 0:3 in Hoffenheim. Aydin, der jüngst einen Profivertrag bis 2012 unterschrieb, hat seitdem nicht mehr gespielt in der 1. Liga – Prokoph ist zur Stammkraft aufgestiegen. In ein, zwei Wochen wird er einen Profi-Vertrag unterschreiben beim VfL.
Auf den letzten Drücker
Prokoph hat es geschafft, auf den letzten Drücker, mit 24. Personalisiert man den Aufwärtstrend des VfL, so ist er das beste Beispiel – und der größte Gewinner des Trainerwechsels. Heiko Herrlich brachte ihn in Hamburg nach der Pause, es war sein Bundesliga-Debüt, der VfL gewann mit 1:0. In den sechs Spielen danach zählte der „Offensiv-Allrounder” (Prokoph), der schon beim VfL II mehr Vorbereiter als Vollstrecker war, stets zur Startelf. Fünfmal spielte er durch, gegen Schalke wurde er ausgewechselt.
Vielleicht machte ihm eine leichte Achillessehnen-Verletzung, mittlerweile überwunden, mehr zu schaffen als gedacht. Prokoph will seine schwache Leistung im Derby jedenfalls schnellstmöglich vergessen machen, am Samstag, in seiner Heimat Berlin. „Ich hänge mich im Training voll rein, will meinen Stammplatz verteidigen”, sagt er.
Natürlich sei er Herrlich „dankbar” für die Chance, die ihm andere nicht gaben. Auch Holger Stanislawski nicht, der Trainer des derzeit so starken FC St. Pauli. Pauli war Prokophs erste Profi-Station, Stanislawski sah für ihn keine Zukunft beim Kiez-Klub. Folge: Im Sommer 2008 heuerte der gebürtige Berliner beim VfL II an, mit dem einzigen Ziel, es so doch noch in die Bundesliga zu schaffen. Eine gute Regionalliga-Saison reichte aber nur zu Trainingseinheiten mit den Profis; nur beim unwichtigen letzten Saisonspiel in Köln zählte er einmal zum Kader.
Angebote aus der dritten Liga
Da kommt auch einer wie er ins Grübeln, einer, der selbst bei minus 15 Grad – wie in Hannover – auf lange Trikotärmel und Handschuhe verzichtet. Angebote aus der 3. Liga hatte er im Sommer, Prokoph dachte drüber nach. Aber dann, erzählt er, hätte er seinen Traum vom Erstliga-Fußball begraben müssen. Er blieb. Und ließ nicht locker.
Genau diese Eigenschaft ist es, die Herrlich an ihm schätzt: dass er sich „für die Mannschaft aufopfert, sich immer 100 Prozent reinhaut”. Prokoph hat die besten Laktatwerte aller VfL-Spieler, was für seine Ausdauer spricht, zugleich ist er sehr schnell, „dynamisch”, sagt Herrlich. Diese Stärken hat Prokoph gezeigt, zuletzt auf der linken Außenbahn, einer Problemzone des VfL – Prokoph ist Rechtsfuß und muss, so Herrlich, seine Ball- und Passsicherheit insbesondere mit dem linken Fuß verbessern. Dafür rackert er mehr nach hinten als andere, legt sich in die Zweikämpfe, bei ihm beginnt die Verteidigung. Auf diese Defensivstärke hat Herrlich zuletzt gesetzt.
Der Rest soll (bald) folgen. Prokoph weiß selbst, dass er im Spiel nach vorne zulegen muss. Mitunter wirkte es so, dass er auf diesem Niveau an seine fußballerischen Grenzen stößt. „Da ist Luft nach oben”, sieht Herrlich Prokophs Entwicklung längst nicht abgeschlossen. „Mit 24 ist er immer noch ein junger Spieler.”
Prokoph ist lernwillig, ist lernfähig, das hat er bewiesen. Er sagt: „Ich war mit 24 nicht gerade der jüngste Bundesliga-Debütant, dafür habe ich lange gearbeitet. Ich wäre ja blöd, wenn ich diese Chance jetzt wegschmeißen würde.”
STATIONEN VON PROKOPH
Roman Prokoph ist in Köpenick aufgewachsen, zehn Jahre spielte er bei Union Berlin, ehe man ihm dort zum Wechsel aufforderte. Über den Ludwigsfelder FC kam er zum FC St. Pauli, unter Andreas Bergmann lief es, doch Nachfolger Holger Stanislawski legte ihm erneut einen Wechsel nahe. Über den VfL II schaffte er es nun in die 1. Liga und ist am Samstag, beim Spiel in seiner Heimat Berlin, ganz besonders motiviert. Schließlich hat er 30 Karten besorgt für seine Eltern und Freunde.
PERSONELLES BEIM VFL
Es ist gewiss kein Endspiel für den VfL in Berlin, vielleicht aber ist es eines für die Hertha: Sollte die „alte Dame” um Nationalspieler Arne Friedrich und die Winter-Zugänge Levan Kobiashvilli und Ex-VfL-Torjäger Theofanis Gekas auch gegen Bochum nicht gewinnen, dürfte der Zug Richtung Klassenerhalt abgefahren sein, zumindest Platz 15 wäre dann nur noch Utopie. Zeitungen wollten bereits erfahren haben, dass die Hertha in diesem Fall mit den konkreten Planungen für die 2. Liga beginnt, was der Klub freilich schleunigst dementierte.
Fakt ist: Berlin hat erst zehn Punkte, dem 3:0 in Hannover folgte nur ein 0:0 gegen Mönchengladbach, der Rückstand auf den Fünfzehnten Freiburg beträgt acht Punkte und auf Bochum zehn. Eine große Chance für den VfL, den Vorsprung auf Berlin vorentscheidend auszubauen, wenigstens aber zu halten.
Wohl mitwirken können Stanislav Sestak und Slawo Freier. Beide trainierten nach Rückenproblemen gestern individuell auf dem Platz und steigen heute voll ein.
Fehlen werden nach derzeitigem Stand nur Diego Klimowicz, der erneut nicht mittrainierte, und natürlich Anthar Yahia, der heute im brisanten Halbfinale des Afrika-Cups mit Algerien auf Ägypten trifft. Philipp Bönig, gestern voll im Training, und Kevin Vogt, der mit der U-19-Nationalelf einen Lehrgang absolvierte, sollen für die zweite Mannschaft am Samstag gegen Münster auflaufen. Wenn alles nach Plan läuft. Und wenn das Wetter mitspielt.

0mitdiskutieren