Konfuse zehn Minuten kosten VfL Bochum den Sieg

Können es nicht glauben: Onur Bulut (v. l.), Michael Esser und Timo Perthel haben den sicher geglaubten VfL-Sieg nicht geschafft.
Können es nicht glauben: Onur Bulut (v. l.), Michael Esser und Timo Perthel haben den sicher geglaubten VfL-Sieg nicht geschafft.
Foto: imago
Was wir bereits wissen
Der VfL spielte lange Zeit sehenswerten Offensivfußball, führte hochverdient - und verschenkte doch noch zwei Punkte im Heimspiel gegen Frankfurt.

Bochum.. Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Obwohl der VfL Bochum eine Stunde lang begeistern konnte und beim Stande von 2:0 wie der sichere Sieger aussah, gelang dem FSV Frankfurt noch ein 3:3. „Ich muss meiner Mannschaft trotzdem ein Kompliment machen, sonst bin ich wieder Mister Gnadenlos”, sagte VfL-Trainer Gertjan Verbeek lächelnd und fügte hinzu: „Ich habe etwas gewollt im Kopf, es hat nicht geklappt.”

„Der FSV hat eine sehr gute Ordnung, es liegt an uns, ihnen die erste Niederlage in diesem Jahr beizubringen”, hatte Verbeek vor dem Spiel gesagt und die Startelf von Karlsruhe mit dem gewohnten Offensiv-Auftrag ins Rennen geschickt. Die Bochumer Spieler folgten der Ansage ihres Trainers und legten gegen die Zweitliga-Mannschaft der Stunde los wie die Feuerwehr. Mit zählbarem Erfolg. Bereits nach einer Viertelstunde tauchte Marco Terrazzino nach einer Ecke von Thomas Eisfeld frei im FSV-Strafraum auf; es folgte ein Vollspannschuss ins Glück, Frankfurts Torhüter Patric Klandt war geschlagen.

VfL Bochum servierte lange nicht mehr erlebte Fußballfeinkost

Anschließend servierten die Hausherren lange nicht mehr in diesem Stadion erlebte Fußballfeinkost. Mit Tempo, Laufbereitschaft und Direktspiel riss der VfL die FSV-Abwehr immer wieder auf. Einziges Manko: Das zweite Tor wollte einfach nicht fallen. Mal stand Timo Perthel nach Terrazzinos schönem Lauf im Abseits, mal fehlte Selim Gündüz ein wenig die Feinjustierung im linken Fuß, mal brachte Felix Bastians den Ball freistehend nicht im Netz unter, und schließlich brachte Eisfeld - von Stefano Celozzi fein angespielt - das Runde nicht richtig unter Kontrolle.

Es war wie verhext. Und wäre es ganz übel gelaufen für den VfL, dann hätte Celozzi in der einzigen brenzligen Situation vor dem eigenen Tor in den ersten 45 Minuten nicht mehr den Fuß an den Ball bekommen, als Zlatko Dedic, der Ex-Bochumer, in den Fünfmeterraum eingedrungen war. Doch trotz des fehlenden zweiten Treffers waren die Fans begeistert. „Steht auf für den VfL”, skandierte die Osttribüne, die sich am sehenswerten Spiel ihres VfL erwärmen konnte.

Einzelkritik Und die sich auf der Siegerseite wähnte, als Thomas Eisfeld nach einem sehenswerten Doppelpass inklusive Hackenbeteiligung mit Anthony Losilla seinen ersten Treffer für die Bochumer erzielt hatte. 2:0 für den VfL, was sollte da denn noch anbrennen. Aber es brannte doch alsbald. Dedic staubte nach einer nicht wirklich verteidigten Ecke ab zum 2:1, 79. Minute. Dann sorgte Danny Latza mit dem Tor zum 3:1 erneut für scheinbare Bochumer Sicherheit.

Chaos in der Schlussphase beim VfL Bochum

Womit es nur zwei Minuten später vorbei war. Offenbar war durch die Einwechselung von Mikael Forssell - neben Simon Terodde - komplett die Ordnung verloren gegangen, auf Seiten der Hausherren fehlte nun die Orientierung. „Wir sind in den letzten zehn, fünfzehn Minuten zu weit zurückgegangen”, sagte Gertjan Verbeek. Bitter, dass Eisfeld, gerade noch gefeiert, Vincenzo Grifo im Strafraum von den Beinen holte, noch bitterer, dass Schiedsrichter Dietz das Foul als Verhindern einer klaren Chance bewertete (Verbeek: „So ist die Regel”) und der Leihgabe vom FC Fulham die Rote Karte präsentierte. Die Folge: Edmond Kapllani verwandelte den Elfmeter zum 3:2, und der VfL musste in Unterzahl weiterspielen.

Nun brach das Chaos so richtig aus. Zwar blieb VfL-Schlussmann Michael Esser in der folgenden Szene noch Sieger gegen Kapllani, aber in der Nachspielzeit erzielte der eingewechselte Angreifer noch den Ausgleich für die Gäste - wieder nach einem Eckball. Der VfL hatte in wenigen unachtsamen Minuten umgeschmissen, was er sich über weite Strecken des Spiels erarbeitet und erspielt hatte.