Holtby ist "ein ehrlicher Spieler"
01.02.2010 | 19:57 Uhr 2010-02-01T19:57:00+0100
Bochum. Da sitzt er nun im Presseraum des VfL Bochum und fühlt sich offenbar pudelwohl. Am liebsten, könnte man meinen, wäre es Lewis Holtby, wenn er sich jetzt sofort das Trikot überstreifen und auf den Pfiff des Schiedsrichters warten könnte, der die Mannschaften auf den Rasen zitiert.
Losrennen, zeigen, was er kann, den Tatendurst stillen - nichts anderes, so scheint es, hat der 19-Jährige im Sinn. Dass er nicht erst den Markt sondiert hat, als die Bochumer Offerte kam, darf man ihm getrost abnehmen, nicht nur wegen dieses Statements: „Ich bin ein ehrlicher Spieler. Wenn ich etwas will, dann mache ich das auch und zwar zu hundert Prozent. Ich habe nicht über Alternativen zum VfL nachgedacht”
Ob Bochum der ideale Nährboden für einen ist, hinter dem vor ein paar Monaten die halbe Liga her war, wird sich noch zeigen müssen. Aber günstig sind die Bedingungen schon. Holtby wohnt in dieser Stadt, er kennt und schätzt Heiko Herrlich seit der Juniorenzeit, er kann die Mannschaft einschätzen und es bietet sich ihm die Chance, ein erfahrenes, sturmerprobtes und geerdetes Team zu veredeln und mit ein paar womöglich entscheidenden Farbtupfern zu versehen.
Holtby ist erfrischend offen. Dass die Bochumer Mannschaft „wesentlich älter ist als die auf Schalke”, sagt er, sei ihm aufgefallen. Aber in Gelsenkirchen, fügt er lächelnd an, wirke ja auch eine „Teenie-Gruppe”. Wichtiger als das Alter seiner Mitspieler, so viel wird deutlich, ist es für Holtby dabei zu sein. Wo er denn das passende Betätigungsfeld für sich auf dem Rasen sehe, wird er gefragt. „Im Mittelfeld”, antwortet er, „egal wo, der Trainer wird schon wissen, wo er mich einplant. Ich würde auch hinten links spielen wenn es sein muss”.
Hinten links, diese Prognose fällt nicht schwer, wird er gewiss nicht spielen. Auf den Flügeln und hinter den Spitzen kann er sein Tempo und sein Dribbling zur Geltung bringen. Auf Bochumer Verhältnisse übertragen, hieße das dann natürlich hinter der einen Spitze. Man darf gespannt sein, wer zuerst seinen Platz für die Schalker Leihgabe räumen muss, Joel Epalle oder Roman Prokoph oder wer auch immer gerade rechts spielt, Mimoun Azouagh oder Zlatko Dedic. Dass Holtby so schnell wie möglich spielen muss, liegt auf der Hand. Ein Talent dieser Kategorie holt man nicht, um es in die Warteschleife zu schicken.
Außerdem will der Blondschopf „weiter Gas geben und an” seinen „Schwächen arbeiten”. Und das duldet keinen Aufschub. Einiges dürfte er allerdings bereits gelernt haben „vom besten Trainer Deutschlands”. Auch das ist Holtby: Er zollt dem Mann höchstes Lob, der ihn selbst gerade nicht für unentbehrlich hält.

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