Für VfL-Trainer Bergmann ist der Aufstieg ein „langfristiges Ziel“

Gute Stimmung beim VfL Bochum: Trainer Andreas Bergmann (l.) und Sportvorstand Jens Todt vor der neuen Saison.
Gute Stimmung beim VfL Bochum: Trainer Andreas Bergmann (l.) und Sportvorstand Jens Todt vor der neuen Saison.
Foto: Hartwig Sellmann/WNM
Was wir bereits wissen
Hinter dem Fußball-Zweitligisten VfL Bochum liegt das erste Trainingslager in Willingen. Die zweite Vorbereitungsphase startet am 2. Juli. Personell wird beim VfL der Kader langfristig umgebaut. Im Interview spricht VfL-Coach Andreas Bergmann über die Saisonziele.

Bochum.. Herr Bergmann, der VfL Bochum hat sich für einen radikalen Umbruch entschieden. Welche Philosophie steckt dahinter?

Andreas Bergmann: Entscheidend ist die Mentalität in der Mannschaft. Wir wollen eine hungrige und gierige Truppe aufbauen, die versucht leidenschaftlich zu spielen und sehr offensiv ausgerichtet sein soll. Wir wollen eine neue Entwicklung mit klaren Perspektiven einleiten.

Das wird nicht von heute auf morgen funktionieren, oder?

Bergmann: Nein, so etwas muss man natürlich kontinuierlich aufbauen. Wenn man als VfL Bochum nicht die wirtschaftlichen Möglichkeiten für große Einkäufe hat, dann muss man sich junge Spieler dazuholen. Wir haben auch ganz spannende Jungs aus den eigenen Reihen. Damit wollen wir eine Mannschaft entwickeln, die aus sich heraus wieder die Substanz für höhere Aufgaben gewinnt.

Die Substanz für den Wiederaufstieg in die 1. Bundesliga?

Bergmann: Ja, ganz klar. Das muss langfristig unser Ziel sein.

Was plant der VfL in der kommenden Saison?

Bergmann: Ich wünsche mir, dass wir eine Mannschaft auf den Platz bekommen, die eine Verfolgerrolle hinter den ersten fünf Teams in der Tabelle spielen kann. Noch wichtiger ist, dass die Fans Freude an unserem Fußball haben und wieder gerne zu uns ins Stadion kommen.

Welche Rolle spielt der im Sauerland wohnende Routinier Paul „Slawo“ Freier noch im Verjüngungskonzept beim VfL?

Bergmann: Wegen einer erneut schweren Verletzung in der vergangenen Saison konnte Slawo nicht immer seine Leistung abrufen. Aber Paul Freier hat immer noch eine hohe Qualität. Er ist mit seiner Erfahrung und seiner Klasse ein Spieler, der für uns wichtig ist, der diese neue Entwicklung beim VfL Bochum mit einleiten kann.

Ihre Aufstiegsfavoriten sind?

Bergmann: Der 1.FC Köln, Hertha BSC Berlin und der 1.FC Kaiserslautern wollen direkt wieder hoch. Nicht vergessen sollte man, welchen wirtschaftlichen Aufwand der TSV 1860 München betreibt. Auch Ingolstadt hat mächtig auf dem Transfermarkt zugeschlagen. Wir können uns wieder auf eine spannende Zweitliga-Saison freuen.

Wie geht’s beim VfL Bochum in der Vorbereitung weiter?

Bergmann: Am 2. Juli sehen wir uns in der Sportschule Barsinghausen im Trainingslager wieder. Dann haben wir volle fünf Wochen, in denen wir sehr intensiv arbeiten werden. Höhepunkt der Saisonvorbereitung ist das Spiel gegen Borussia Mönchengladbach.

Apropos Borussia. Wie überlebt ein Zweitligist zwischen den Revier-Monopolisten Borussia Dortmund und Schalke 04?

Bergmann: Da muss man sich seine Nische suchen, wenn einem als kleiner Verein die finanziellen Möglichkeiten fehlen. Man muss eine eigene Identität finden, ein eigenes Selbstbewusstsein und ein eigenes Wir-Gefühl entwickeln. Nur so können wir unseren Anhängern vermitteln, dass es Spaß macht, auch Fan des VfL Bochum zu sein.

Macht es als Trainer noch Spaß zu sehen, wie die Ultra-Fangruppen ihre Bengalos zünden und immer neue Diskussionen anheizen?

Bergmann: Man sollte die Fangruppen, die bengalische Feuer zur besonderen Stimmung brauchen nicht verteufeln. Aber die Sicherheit für die Zuschauer im Stadion geht eindeutig vor. Deshalb muss man als Fan bessere Möglichkeiten finden, wie man sein Dasein artikulieren kann. Ich bin eher ein Fan von Gesängen im Stadion - wie das Bochum-Lied von Grönemeyer. Das ist für mich genauso emotional, als wenn irgendwelche Leuchten brennen.

Bei der Fußball-EM gab es wieder strittige Torsituationen. Einleuchtend, dass jetzt eine elektronische Kontrolle kommen muss?

Bergmann: Ich bin mir da überhaupt noch nicht schlüssig. Man sollte aufpassen, dass man den Charakter des Fußballs beibehält. Der Stammtisch am Sonntag und die Diskussionen am Montag mit den emotionalen Reaktionen machen ja den Reiz des Fußballs aus. Andererseits geht es bei strittigen Torsituationen um so viel – ich glaube, wir werden nicht mehr ohne Chip im Ball auskommen.

Und wer kommt ins Finale der Europameisterschaft?

Bergmann: Spanien hat es, so wie von mir vermutet, ja schon geschafft. Mit etwas Glück wird Deutschland gegen Italien nachziehen. Der Ausgang des Finales ist dann offen. Ich würde mir wünschen, dass unsere Jungs endlich wieder einen Titel holen. Diese tolle Mannschaft hätte es verdient.