Ex-Bochumer Klostermann will mit Leipzig in die erste Liga

Die Leipziger Joshua Kimmich (l) und Lukas Klostermann jubeln. Die Bullen sind auf dem Weg in die Bundesliga.
Die Leipziger Joshua Kimmich (l) und Lukas Klostermann jubeln. Die Bullen sind auf dem Weg in die Bundesliga.
Foto: dpa

Bochum/Leipzig.. Ach, der Streit. Die Sticheleien. Der etwas vergiftete Abschied. „Das ist vergessen, alles ist geklärt“, sagt Lukas Klostermann heute: „Ich freue mich auf das Spiel.“ Gemeint ist das Spiel zwischen dem VfL Bochum und RasenBallsport Leipzig am kommenden Sonntag (13.30 Uhr/live in unserem Ticker).

Es ist seine erste Rückkehr in sein Revier, in sein Stadion, in seine Heimat: Viele Jahre hat der 18-Jährige für den VfL gespielt, vor der laufenden Saison wechselte er nach Leipzig, zu jenem Standort, der mit aller Macht und den Millionen des Gummibärensaftproduzenten Red Bull nach oben will. So wie Klostermann. Der gebürtige Herdecker ist so etwas wie der Aufsteiger der letzten Zweitliga-Wochen.

Klostermann stand in Bochum in Kritik

Wenn alles läuft wie zuletzt, dann wird er in der Startformation des Aufstiegskandidaten stehen. In der alten Heimat hatten sie ihm das so schnell offenbar nicht unbedingt zugetraut. „Drei Schritte zurück“ mache er durch den Wechsel, raunte der damalige Bochumer Trainer Peter Neururer, weil er Klostermann eine Zukunft in der U19 und U23 der roten Bullen prophezeite. „Ich wünsche Lukas beste Gesundheit und einen anderen Berater“, stichelte Neururer, der sein größtes Talent zu der Zeit bei den Profis aussortiert hatte - aus Verärgerung. Klostermann hatte kurz zuvor das Angebot des VfL abgelehnt, einen langfristigen Profi-Vertrag zu unterschreiben und war damit nicht dem Beispiel von Leon Goretzka gefolgt, der dem chronisch klammen VfL durch seine Vertragsunterschrift und den anschließenden Wechsel zum FC Schalke 04 Millionen einbrachte und vermutlich damit die Profi-Existenz rettete.

Ralf Rangnick kümmerte sich sofort. Einst wurde der als Fußball-Professor verlacht, weil er in den 90ern im Aktuellen Sportstudio jenen Spielstil erklärte, der in den vergangenen Jahren die Menschen begeisterte. Heute ist er Sportdirektor des fußballerischen Red-Bull-Imperiums in Leipzig sowie Salzburg und unbestritten eine der größten Kapazitäten, wenn es darum geht, schlummernde Potenziale zu erkennen. Er persönlich lotste Klostermann in den Osten. Dorthin, wo die Sonne aufgeht.

Klostermann „einer unserer Besten“ in Leipzig

Seit der Trainer Achim Beierlorzer heißt, spielt Klostermann. Ein paar Verletzungen und Sperren der Kollegen spülten ihn nach der Winterpause in die Mannschaft. „Wenn man als junger Spieler die Chance erhält, muss man sie nutzen“, sagt Klostermann. Seither ist er „einer unserer Besten“, wie Rangnick nach einem Spiel lobte. Oder einfach nur „sensationell“, wie es der Trainer ausdrückte. „Ich freue mich über jedes Lob, aber ich weiß das gut einzuschätzen“, sagt der Vorzeige-Bulle. Das 1,89 Meter große Talent mit dem enormen Antritt kann in der Innenverteidigung spielen, überzeugte zuletzt aber auch, wie bereits in Bochum, auf der rechten Abwehrseite. Mit seiner Dynamik und frischen Art passt er perfekt ins Leipziger Konzept: Ball-Eroberungslust, Risikofreude, schnelles, athletisches Spiel in die Spitze. Er ist in Leipzig angekommen.

Klostermann ist Bochum dankbar

Dabei fing alles kompliziert an. Nach seiner Ankunft in der neuen Stadt lag er erst einmal zwei Wochen im Krankenhaus: Salmonellen-Vergiftung. „Das hat mich komplett umgehauen“, sagt er. Über Einsätze in den Nachwuchsmannschaften U23 und U19 kämpfte er sich zurück, machte im Pokal sein erstes Spiel - und fabrizierte ein Eigentor. Aber die Hindernisse, die sich ihm in den Weg stellen, nimmt er mit erstaunlicher Gelassenheit. Kaum etwas scheint den jungen Modellathleten ausbremsen zu können. Gegen Heidenheim vor knapp drei Wochen erlitt er nach einem Zusammenprall mit dem eigenen Torwart eine Platzwunde am Kopf. Er spielte mit Turban weiter. In einem Länderspiel mit der U19 kurz danach erwischte ihn ein Gegenspieler mit dem Ellenbogen im Gesicht. Mehr als eine Halbzeit lang spielte er - ohne es zu wissen - mit einem Nasenbeinbruch weiter. Seither läuft er mit einer schwarzen Schutzmaske auf.

„In Bochum habe ich lange gespielt, mich immer wohl gefühlt und mich ja auch gut entwickeln können“, sagt er und argumentiert: „Sonst wäre ich nicht, wo ich jetzt bin.“ In Leipzig, beim Aufsteiger, der weiter will - in die Erste Liga. In Leipzig, wo Lukas Klostermann derzeit auf dem Weg nach oben ist.