Das aktuelle Wetter NRW 5°C
VfL Bochum

Erst retten, dann reden - Goosens Appell an die VfL-Fans

05.04.2013 | 00:32 Uhr
Erst retten, dann reden - Goosens Appell an die VfL-Fans
Frank Goosen denkt über seine Rolle im Aufsichtsrat des VfL Bochum nach.Foto: Karl Gatzmanga / WAZ FotoPool

Bochum.  Kabarettist Frank Goosen hätte sich seine Aufgabe als stellvertretender Aufsichtsratschef des VfL Bochum leichter vorgestellt. Vor dem wichtigen Heimspiel gegen Erzgebirge Aue appellierte er an die Fans, ins Stadion zu kommen. Geredet werden soll nach Saisonende.

Frank Goosen hat immer viel um die Ohren. Nach neun Tagen Spanien-Urlaub, die er zum Lesen und damit zur Vorbereitung seiner Veranstaltung im Bochumer Schauspielhaus genutzt hat, ist der stellvertretende Aufsichtsratschef des VfL wieder in Bochum und macht sich Gedanken um die Zukunft seines Vereins. In den vergangenen Jahren, als er noch nicht bei seinem Klub verantwortlich war, schrieb der Kabarettist offene Briefe an die Anhänger des VfL. Nun sprach er vor dem wichtigen Spiel gegen Erzgebirge Aue (Freitag, 18 Uhr, live in unserem Ticker) mit WAZ.de über Ängste, Lösungen und Versprechen.

Herr Goosen, sind Sie ein ängstlicher Mensch?

Frank Goosen: Nein.

Haben Sie Angst vor dem Spiel am Freitag?

Goosen: Ich bleibe immer positiv, so lange bis mir das Gegenteil bewiesen worden ist. Und es wird nicht bewiesen. Es wird nicht eintreten. Deshalb habe ich keine Angst. Immer wenn ich mit Angst etwas angegangen bin, klappte es nicht. Das passiert mir in meinem Alter nicht mehr.

Grenzenloser Optimismus wurde beim VfL aber mehr als einmal bitter bestraft.

Goosen: Dieses Schicksal teile ich aber mit 80 oder 90 Prozent aller Fußball-Fans. Wenn man nicht gerade Fan des FC Bayern München ist, kommen für jeden Fan auch mal schlechte Zeiten und Zeiten, in denen man enttäuscht wird. Das ist kein Alleinstellungsmerkmal des VfL Bochum. Es gibt ganz andere Fans, die noch mehr durchmachen müssen. Da kann man mal die Fans von Hessen Kassel oder Darmstadt 98 fragen. Es gehört zum Fan-Dasein dazu, enttäuscht zu werden. Wenn immer nur die Glückserwartungen erfüllt würden, müsste man nicht mehr ins Stadion gehen.

Können Sie die Fans verstehen, die Angst haben?

Goosen: Ich kann jeden verstehen, der sich Sorgen macht. Es mag sich anhören wie eine Binsenweisheit oder wie Gelaber – aber es ist so: Wir kommen da nur gemeinsam raus. Wenn du dir Sorgen um den Verein machst, dann komm‘ ins Stadion und brüll‘ die Mannschaft zum Sieg. Das schließt aber mit ein, dass man sich nachher hinsetzen sollte, um darüber zu diskutieren, was alles schief gelaufen ist. Jeder hat das Recht, sauer zu sein und seinen Unmut zu äußern. Keiner bestreitet, dass einiges falsch gelaufen ist – das kann man ganz leicht an der Tabelle ablesen. Aber in der jetzigen Situation ist es nicht zielführend, auf den Fehlern rumzureiten. Das sollte man machen, wenn die Saison vorbei ist.

Glauben Sie, dass die allermeisten Fans den Verein am Freitag gegen Aue unterstützen?

Frank Goosen bei einem Auftritt in der Westfalenhalle.Foto: Sebastian Konopka / WAZ FotoPool

Goosen: In der vergangenen Saison vor dem Heimspiel gegen Duisburg hatten wir eine ähnliche Situation. Da wurde vorher in Fankreisen lange diskutiert, ob man die ersten 15 Minuten der Partie boykottieren, nicht zum Spiel kommt oder nicht unterstützen soll. Letztlich wurde ein offener Brief an die Mannschaft geschrieben, im Stadion angefeuert und zusammen haben wir den MSV mit 2:1 geschlagen. Das war auch ein Sieg der Kurve und aller Fans im Stadion. Wir kommen jetzt nur zusammen dadurch und nach dem Klassenerhalt werden wir offen darüber diskutieren, was besser werden muss.

  Sie haben in den vergangenen Jahren regelmäßig in unregelmäßigen Abständen „offene Briefe“ bei uns veröffentlicht. Im ersten Brief schrieben Sie: „Der Verein macht keinen Spaß mehr.“ Wie viel Spaß macht er aktuell?

Goosen: Ich würde lügen, wenn ich sagen würde: Im Moment macht es Spaß. Aber wer nur zum Spaß zum Fußball geht, der ist da sowieso falsch – bei jedem Verein. Dieser Satz entstand kurz nach dem Hannover-Spiel und dem Abstieg in die Zweite Liga. Aber um wieder in eine Phrase abzurutschen: Es ist und bleibt eine emotionale Erfahrung. Man sucht es sich ja nicht aus und kann sich „ent-fanen“. Weder als Anhänger, noch als Aufsichtsrat. Du kannst dich von einer Frau oder einem Mann trennen, aber nicht von einem Verein. Der VfL durchlebt gerade die richtig schlechten Zeiten, von denen die Rede ist, wenn man vor dem Altar steht.

Fehlen dem VfL „emotionale Identifikationsfiguren“?

Goosen: Wenn es auf dem Platz nicht läuft, nützt auch keine Identifikationsfigur. Ich weiß, dass die Fans danach lechzen. Auch von mir wird da einiges erwartet. Ich befinde mich in dem Widerspruch zwischen dieser Erwartung und der „Fraktionsdisziplin“ als Aufsichtsrat.

Interview
Aufsichtsrat Goosen glaubt an Klassenerhalt des VfL Bochum

Erfolgsautor und VfL-Aufsichtsrat Frank Goosen glaubt fest an der Klassenerhalt. Das sagte er im Interview mit Leserbeirat Philipp Rentsch und Redakteur Jürgen Böbers-Süßmann. Zur Lage des VfL sagte er aber auch: „Es ist kein Schicksal, das uns ereilt, sondern das Produkt falscher Entscheidungen.“

Wie gehen Sie damit um?

Goosen: Wer mich rund um das Stadion, rund um die Spiele offen anspricht, bekommt immer eine offene Antwort. So offen, wie irgend möglich. Ich verrate keine Interna, aber ziehe mich auch nicht hinter eine Verschwiegenheitsklausel zurück. Ich will natürlich auch etwas zurückgeben und nehme mir die Zeit für die Fans. Aber dann bleibt es in einem kleinen Kreis. Vertrauliche Gespräche sind möglich. Insgesamt habe ich aber daran zu knacken, weil der Widerspruch schwer aufzulösen ist.

Kommen wir noch mal auf die Identifikationsfiguren: Können Sie verstehen, dass noch immer viele VfL-Fans nach Peter Neururer schreien?

Goosen: Ich verstehe die Sehnsucht nach dem Gefühl von damals. Die habe ich auch. Ich glaube aber nicht, dass dieses Gefühl mit den Rezepten der Vergangenheit zurückgeholt werden kann.

Wäre es denn ein Ansatz, ehemalige Spieler wie van Duijnhoven oder beispielsweise Sören Colding zurückzuholen?

Goosen: Ich möchte jetzt ungern über konkrete Namen sprechen. Wir haben ja einige ehemalige Spieler bei uns im Verein eingebunden. Wichtig ist doch auf’m Platz und da müssen wir wieder besser werden. Dann wachsen auch wieder die Identifikationsfiguren aus dem aktuellen Kader nach.



Kommentare
06.05.2013
20:37
@Goosen: Wie wäre es, nach 4 Siegen mal Stellung zu beziehen?
von Pete28 | #54

"Kommen wir noch mal auf die Identifikationsfiguren: Können Sie verstehen, dass noch immer viele VfL-Fans nach Peter Neururer schreien?

Goosen: Ich verstehe die Sehnsucht nach dem Gefühl von damals. Die habe ich auch. Ich glaube aber nicht, dass dieses Gefühl mit den Rezepten der Vergangenheit zurückgeholt werden kann."

Und jetzt? Irgendwie kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Frank Goosen der Erfolg von PN irgendwie stinkt. Ansonsten hätte er sein Zitat längst mal revidiert.

06.04.2013
15:41
Erst retten, dann reden - Goosens Appell an die VfL-Fans
von Realist1848 | #53

diesen Slogan sollte sich mal der AR hinter die Ohren schreiben. Und unser Komiker ist ja schliesslich ein Teil davon.
Den Fans ins Gewissen reden wollen und billige Ratschläge (Worthülsen) an den Mann bringen - doch selber nichts bewegen.

06.04.2013
15:40
Erst retten, dann reden - Goosens Appell an die VfL-Fans
von scw45 | #52

So kann man auch um unangenehme Gespräche herumkommen. Die aktuellen Ergebnisse lassen den VfL vorerst auf Platz 16 (bevor sie nach dem Spiel gegen Sandhausen auf Platz 17) abfallen. Das heisst dann keine Rettung und somit auch kein reden. Genau so einen Aufsichtsrat benötigen die Bochumer!
Vielleicht sollten die Verantwortlichen die Fans nicht zum Stadionbesuch aufrufen, sondern sie bitten, zu Hause zu bleiben, damit ihre feinfühligen Angestellten nicht so unter Druck stehen. Ob die Spieler jeden Monat auch einen Köt... in der Hose haben, wenn sie ihre Kohle, die der VfL ihnen überweist, von der Bank abholen?

06.04.2013
12:17
Erst retten, dann reden - Malmsheimer, das ist noch einer.
von Bochumer_Jung | #51

An anderer Stelle schrieb ich bereits einen Teil meiner Vita nieder. Das beinhaltet präzise folgendes Ereignis. Jochen Malmsheimer ist einer von uns und wird es immer bleiben. Da bin ich schnurstracks (was für ein verlockend hiesiger Ausdruck) zum VVK geeilt und habe Karten besorgt.
Besorgt war ich allerdings über den Umstand, dass der Jung nicht an der Stätte seines ehemaligen Wirkens, dem uns bestens bekannten GaO, auftritt, sondern, er flüchtet vor den von einem Lokalfunk-Matadoren gepriesenen 150 Baustellen in Bochum.
Ich kann den Mann verstehen und möchte gerne mit ihm gehen. 150 Baustellen, das ist nicht nur auf 1 Mio Einwohner (Essen mal ausnahmsweise inklusive) eine unverzeihbare Frechheit. Es ist auch aufgrund von Lammert und Goosen absolut erstaunlich, das so bürgerfeindliche Zustände (Dahlhausen gesperrt, Westpark + Westkreuz gleichen einer Weltkriegsruine, et cetera!) überhaupt zustande kommen.
Ich gebe aber auch auf. Bochum wird Truppenübungsplatz, ende.

06.04.2013
12:05
Erst retten, dann reden - Goosens Appell an die VfL-Fans
von FAN58 | #50

habe den eindruck das der vfl für existensgründer sehr interessant ist.
absahnen , lernen in die pleite führen und dann der absprung.
hier scheint unser verein sehr anfällig und unbelehrbar seit herrn stüber bis herrn
villis. was nun mal butter bei die fische und nicht bla,bla.


1 Antwort
Erst retten, dann reden - Goosens Appell an die VfL-Fans
von Bochumer_Jung | #50-1

War E.O. Stüber jemals in den VfL verwickelt? So genau kenne ich die VfL Gründerväter nicht. Aber wenn man sich den heutigen Zustand von Bochum ansieht, man würde meinen, E.O. mischt sich noch ein, damit die Viktioriastraße nicht vollkommen unpassierbar wird.
Wer ist da sonst noch zum Wohle der Bochumer Bürger, die Frau aus Recklinghausen? Seit Dahlhausen gesperrt ist bin ich da anderer Meinung.

Ich war vor wenigen Tagen wirklich froh, nicht das Auto und diese vollkommen unerträglichen Baustellen, Viktoriastraße, Schauspielhaus, et cetera benutzt haben zu müssen. Ich schlage vor, die 308/318 präzise am Engelbert ebenfalls zu sperren, damit wirklich niemand aus REhausen mehr den Weg hier her findet. Inkl U35 mehrmonatigem U35 Ausfall wäre das mal konsequent.

Pantförder und Ziehtochter lachen sich noch tot dieses Jahr, mit jedem echten Bochumer der sich aufregt 1 Lacher mehr.
Es ist wirklich nicht mehr meine Stadt, traurig aber wahr.

06.04.2013
11:59
Erst retten, dann reden - Goosens Appell an die VfL-Fans
von Bochumer_Jung | #49

Eilt hier niemand zur Hilfe der untergangenen Hälfte von TresenLesen? Der Mann ist Promi, das bedeutet, er hat einfach keine Zeit. Ich will ihn jetzt nicht mit dem Bruchteil-Bochumer Lammert vergleichen, aber in der Wirkungskraft sind beide durchaus eins.

In keinem Punkt mehr lokal orientiert, und wer ist das heutzutage schon noch, nicht einmal mehr der Stadtwerke Chef steht noch wirklich für Bochum ein, sondern, wenn man sich seine Vita anschaut, natürlich für Recklinghausen, mithin noch die einzig übrig gebliebene schwarze Trutzburg. Und so jemand regiert am Ostring?

Ich wohne seit bald 10 Jahren in Bochum, und war der Stadt IMMER verbunden seit 1988, sei es welche Liga da auch kommen möge für den VfL, sei es das Beinahe-Verbot von Stühle raus auf der Brüderstraße (was aber beim aktuellen Wetter den Kohl auch nicht mehr fetter macht).
Zu viele Baustellen (egal von wo befohlen), zu wenig Lokalpatriotismus, das ergibt leere Wohnungen. Danke, Bochum!

06.04.2013
11:57
Erst retten, dann reden - Goosens Appell an die VfL-Fans
von VfLer | #48

Was nutzt es wenn die Fan`s alles geben aber die Mannschaft keinen Bock hat. Das lustlose Gekicke ist doch Arbeitsverweigerung

06.04.2013
00:48
Das Interview
von moellera | #47

hätte man heute nach dem Spiel führen sollen. Sein Worte zur Motivation der Fans hätte er lieber in Richtung der Profis richten sollen. Aber wie fast alles von Goosen - es hat sich als nette Plauderei ohne bleibenden Wert herausgestellt.

05.04.2013
21:31
Erst retten, dann reden - Goosens Appell an die VfL-Fans
von ohlibaer | #46

Tja, und nun, Herr Goosen? Phrasendrescherei schießt halt keine Tore.

Sagen Sie doch mal was zu den Auflagen, die der VfL für Liga 3 bekommt. Ach, keine? Stimmt ja, ohne Lizenz keine Auflagen.

Hamse prima hingekriegt, so mit "Geben Sie uns unseren VfL zurück". Nur ist das Rückgaberecht schon abgelaufen.

05.04.2013
19:41
Erst retten, dann reden - Goosens Appell an die VfL-Fans
von tomatenkiller_neo | #45

Schön, daß der Beitrag von H. Goosen zufällig mit einem Hinweis auf sein
neues Programm und entsprechenden Bildern garniert ist; der Vorverkauf stockt
wohl etwas.

Aus dem Ressort
4:0-Kantersieg des VfL Bochum gegen VfR Aalen
Heimsieg
Der VfL Bochum hat seinen Heimfluch in der 2. Liga beendet. Am Freitagabend besiegte die Mannschaft von Trainer Peter Neururer den Tabellenletzten VfR Aalen deutlich mit 4:0 und feierte den ersten Heimerfolg dieser Saison an der Castroper Straße. Simon Terodde erzielte sein zehntes Saisontor.
Tasaka treibt den VfL Bochum zum ersten Heimsieg - Note 1,5
Einzelkritik
Mehr erzwungen denn erspielt kam der erste Heimsieg des VfL Bochum beim 4:0 gegen den VfR Aalen daher. Nicht immer verschob Bochum kompakt. Gut daher, dass Yusuke Tasaka einen Sahnetag erwischt hatte und das VfL-Spiel fast im Alleingang antrieb - Note 1,5 in unserer Einzelkritik.
Ein Heimsieg ist jetzt Pflicht für den VfL Bochum
Heimspiel
Der VfL Bochum steht beim achten Heimspiel der Saison unter Druck: Nach sechs 1:1 und einem 0:3 gegen den TSV 1860 München soll gegen Schlusslicht VfR Aalen der erste Heimsieg her. „Wir haben die Qualität, um dieses Spiel zu gewinnen“, sagt Sportvorstand Christian Hochstätter.
Aalens Sorgen - Korruptionsaffäre um Sponsor Imtech
VfR Aalen
Den VfR Aalen plagen nicht nur sportliche Sorgen. Dem finanziell angeschlagenen Fußball-Zweitligisten droht nach einer Korruptionsaffäre des Hauptsponsor Imtech ein weiteres Millionen-Loch in der Vereinskasse. Die Schwaben haben schon im Sommer deutlich an Substanz verloren.
Trotz 4:0 - Fabian drückt auf Bochums Euphoriebremse
Stimmen
Freude, aber wohl dosiert, strahlten die Akteure des VfL Bochum aus nach ihrem ersten Heimsieg der Saison. Das 4:0 über Aalen hatte vor allem in der ersten Halbzeit ein paar Schönheitsfehler, die Verteidiger Patrick Fabian auch klar ansprach: "Das war gar nix." Die Stimmen zum Spiel.
Umfrage
2:2 in Kaiserslautern - Ein Zeichen für den Turnaround beim VfL?

2:2 in Kaiserslautern - Ein Zeichen für den Turnaround beim VfL?

 
Fotos und Videos
VfL Bochum feiert ersten Heimsieg
Bildgalerie
VfL Bochum
VfL kassiert 0:3-Heimpleite
Bildgalerie
2. Bundesliga
Pleite für VfL Bochum
Bildgalerie
Pokalaus
Mitgliederversammlung beim VfL
Bildgalerie
VfL Bochum