„Ein starker Zusammenhalt“
16.06.2010 | 18:52 Uhr 2010-06-16T18:52:00+0200
Was war das für eine Saison für die U 23 des VfL Bochum. Ein 4:1 gegen Münster, ein 5:4 gegen Rot-Weiß Essen, und nach 34 Spieltagen standen die VfL-Talente vor den Aufstiegsfavoriten auf dem dritten Tabellenplatz der Regionalliga. Als beste zweite Mannschaft und bestes Team im Revier waren die VfL-Amateure die Überraschungsmannschaft der abgelaufenen Saison.
Sie stellten die zweitbeste Abwehr, den drittbesten Angriff, und auch die Hauptaufgabe von Bochums Zweiter wurde so gut wie selten zuvor erfüllt: Mit Mirkan Aydin, Marc Rzatkowski und Roman Prokoph (24) gelang gleich drei Spielern der Sprung in die erste Mannschaft.
Am Ende war es eine Saison, mit der nicht einmal der Trainer gerechnet hatte. Nico Michaty erwies sich nach der schwierigen letzten Spielrunde und dem großen Umbruch als besonnenes Oberhaupt der unerfahrenen VfL-Rasselbande. Nun ist er „stolz zu sehen, wie sich meine Mannschaft entwickelt hat. Nicht nur auf dem Platz, auch außerhalb. Uns zeichnete ein starker Zusammenhalt aus“.
Dabei hatte die junge Mannschaft im Laufe der Saison mit einigen Problemen zu kämpfen. Als Prokoph der Sprung ins Bundesliga-Team gelang, musste das unerfahrene Team plötzlich seinen Kapitän ersetzen. Nicht einfach für eine Mannschaft, die im Durchschnitt nicht einmal 22 Jahre alt ist (21,8).
Das Führungsloch stopften die Spieler gemeinsam. Ob Torhüter Michael Esser, Christian Kalina oder Top-Torschütze Aydin, jedem gelang es, seine Leistung zu steigern und auf dem Platz Verantwortung zu übernehmen. Oliver Zech aber, der 33 Spiele absolvierte, füllte die Rolle des Kapitäns perfekt aus. Im defensiven Mittelfeld organisierte, stabilisierte und kommandierte er seine Mitspieler. „Er und Christian sind sportlich wie charakterlich zu Führungspersonen herangereift. Die Hierarchie stimmte“, sagt Michaty über Kalina und Zech, die erst seit dieser Saison einen Stammplatz haben.
Allerdings blieben die Bochumer von Verletzungen nicht verschont. Vor allem auf den Neuzugängen schien ein Fluch zu liegen: Christoph Caspari und Sascha Donougher kamen verletzungsbedingt nicht über ein Saisonspiel hinaus. Salvatore Bari, Justin Eilers, Kevin Vogt und Viktor Braininger wurden ebenfalls immer wieder durch Blessuren gestoppt. Jonas Acquistapace wurde eine Verletzung in der Winterpause gar zum Verhängnis. In der Hinrunde neben Christian Kalina gesetzt, verlor er in der Rückserie seinen Stammplatz an Nurdin Hrustic.
Bei all’ diesen Schwierigkeiten ist es umso überraschender, dass die Bochumer in großen Teilen der Saison für erfrischenden Offensivfußball bei einer diszipliniert geordneten Defensive sorgen konnten. Was ist das Geheimnis der Michaty-Elf? „Es ist der Teamgeist“, verrät der Trainer und fügt an: „Dieses Jahr war außergewöhnlich gut. Wir sind sicher auch auf der Welle der Euphorie geschwommen.“
Ein Vergleich mit der Saison 2008/09 verbietet sich schon fast. Schon nach der Hinrunde hatte der VfL ebenso viele Gegentore bekommen wie am Ende dieser Saison (32). Damals rettete sich das Team von Nico Michaty erst am vorletzten Spieltag durch einen 1:0-Sieg in Köln. Es folgte die große Verjüngung, zwölf Neue kamen, vor allem die Eigengewächse aber überzeugten – ob Philipp Semlits, Marc Rzatkowski oder Christian Mengert. In dem ausgeglichenen 24-Mann-Kader konnte sich niemand auf seinen Lorbeeren ausruhen. „Es gab einen ständigen Konkurrenzkampf, trotzdem sind wir schnell zu einer intakten Einheit geworden“, erinnert sich Michaty.
Das Konzept funktionierte: diesmal hatte der VfL nie Kontakt nach unten. Nach einem furiosen Start hatte die U 23 zwischenzeitlich sogar alle Chancen auf den Aufstieg. Selbst als die komfortable Situation nach den ersten Niederlagen im Winter zu kippen drohte, behielten die VfL-Talente die Nerven und sicherten sich damit am Ende einen verdienten dritten Platz. „Wir haben uns nie aus der Bahn werfen lassen. Dafür möchte ich mich bei allen Beteiligten bedanken“, so Michaty.

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