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Bochumer genießen herrliche Zeiten

15.02.2010 | 12:34 Uhr
Bochumer genießen herrliche Zeiten

Bochum.Der erste Heimsieg gegen Hoffenheim sorgt für westfälischen Frohsinn beim VfL Bochum. Und erstmals nach fast vier Jahren ist ein Trainer wieder der Star. Dabei war Heiko Herrlich mit so viel Skepsis begrüßt worden.

Der erste Heimsieg seit August vergangenen Jahres ließ endlich westfälischen Frohsinn beim VfL Bochum aufkommen. Das 2:1 gegen die TSG Hoffenheim schien die gesamte Palette der Freude zu offenbaren. Vornehmlich auch die gemeinschaftliche Genugtuung, nach ansprechenden Leistungen auch den Zuschauern vermittelt zu haben, warum das Rewirpower-Stadion zu Bochum durchaus noch einen Besuch wert ist. Der Minuskulisse von 17000 Zuschauern zum Trotz. Bei überraschenden 25 Punkten am 22. Spieltag ist zumindest weder von Abstieg noch von Existenzkampf die Rede, weil auf dem Platz gefightet wird wie einst, als der VfL als „unabsteigbar“ galt. Herrliche Zeiten, will man meinen.

„Sicher freut mich das“

Und der Initiator des lange vermissten Gefühls wurde dementsprechend gefeiert. „Heiko Herrlich“, klang es in voller Lautstärke von den Rängen. Nach fast vier Jahren das erste Mal, dass ein Trainer wieder der Star war. „Sicher freut mich das, aber das ist nicht wichtig“, sagte der 38-Jährige, der mit so viel Skepsis begrüßt worden war und dessen Philosophie für viele immer verständlicher wird.

Es ist nicht die hohe Spielkunst, die der ehemalige Bundesliga-Torjäger zu lehren versucht, sondern „einfache Dinge“. Kompaktheit, Disziplin, mannschaftliche Geschlossenheit und Effektivität machen den VfL der Stunde stark. Dass der vermeintliche Fehleinkauf Zlatko Dedic nach seinem Torerfolg zum Remis gegen Leverkusen nunmehr sogar für den so lange ersehnten zweiten Heim-Dreier (76.) verantwortlich zeichnete, wiederum als Joker, definiert Herrlichs Arbeit fürs Gemeinwohl: „Ich habe 18 Stammspieler., vielleicht sogar bald 23.“ Alle sind wichtig.

Zlatko Dedic und Milos Maric jubeln über das 2:1.

Und seine Elf auf dem Platz hat eine besondere Erfolgsquote. Wie gegen Leverkusen schickte er den zuvor kaum auffälligen Lewis Holtby nach der Pause von der Außenbahn in die Zentrale - und prompt lief das Spiel auf Dedic zugeschnitten. Der war wie eine Woche zuvor für Epalle (Herrlich: „Joel hat seine Arbeit getan“) gekommen - und traf just in dem Moment nach toller Flanke von Christian Fuchs, als die Hoffenheimer Spielkunst von mehr Konsequenz getragen wurde. Als Vedad Ibisevic (65.) den Gast auf den Erfolgsweg zu schicken schien. Aber mit der erstaunlichen Wehrhaftigkeit der Bochumer hatten die höher eingeschätzten letzten Gegner unisono ihre Probleme. „Wir sind körperlich besser drauf“, erklärte Stanislav Sestak, der seiner Hoffenheimer Affinität folgend das 1:0 erzielte. „Mit einem Remis wären wir wieder auf der Stelle getreten, dieser Sieg ist ein noch größerer Schritt für uns“, bekundete Torhüter Philipp Heerwagen. Dennoch sei beim VfL trotz der rekordverdächtigen Erfolgsserie von sechs Spielen ohne Niederlage „noch Luft nach oben“ , wie der Trainer versicherte: „Wenn wir demütig bleiben“. Herrlichs Standardaussage widerspricht dem Sprachgebrauch im Profisport - und wirkt trotzdem authentisch.

Und irgendwie haben die Seinen diese Worte verstanden. „Mit 25 Punkten bleibt keiner in der Bundesliga“, sprach Sestak. Und die folgende Partie bei Mainz 05 sei ein „Sechs-Punkte-Spiel“, so Heerwagen. Herrlich normal.

René Schröder

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