Bochum verliert 1:2 in Berlin und gerät zur Nebensache

„Eisern bleiben Benny“ stand auf dem Plakat, das Unions Team in der siebten Minute zeigte. Da klatschten auch die Bochumer Beifall.
„Eisern bleiben Benny“ stand auf dem Plakat, das Unions Team in der siebten Minute zeigte. Da klatschten auch die Bochumer Beifall.
Foto: Imago
Die Niederlage des VfL bei Union Berlin wurde überlagert von einer eindrucksvollen Aktion für den an Krebs erkrankten Benjamin Köhler.

Berlin.. „Ich bin enttäuscht, weil wir nicht mehr in der Lage waren zu agieren, sondern nur noch reagiert haben.“ Nicht nur Gertjan Verbeek hätte sich einen erfolgreicheren Einstand gewünscht beim VfL Bochum. Ins Jahr gestartet sind die Bochumer und ihr neuer Trainer in der 2. Fußball-Bundesliga jedoch mit einer 1:2-Niederlage an der Alten Försterei tief im Berliner Osten.

Dort stand der Samstag allerdings nicht nur im Zeichen des Fußballs. Benjamin Köhler (34), dem an Krebs erkrankten Union-Profi, der einst bei Rot-Weiss Essen und beim MSV Duisburg gespielt hatte, wollte man den Rücken stärken. Was auf eindrucksvolle Weise gelang. Zwar traf die Berliner Mannschaft, vom Applaus ihrer Bochumer Kontrahenten begleitet, nicht ganz die richtige Minute, aber als der Lauf des Balles mit dem Einverständnis von Schiedsrichter Michael Weiner plötzlich unterbrochen wurde, die roten Hemden hochgingen und darunter überall die 7, Köhlers Trikotnummer, zum Vorschein kam, war das einer der seltenen Momente, in denen alle Beteiligten tatsächlich spürten, dass Fußball dann doch allenfalls die schönste Nebensache der Welt ist.

"Zwischenmenschlich sind wir Champions League"

Was auch Union-Trainer Norbert Düwel so sah: „Wir sind vielleicht in der Tabelle nicht top. Aber was hier zwischenmenschlich passiert, da sind wir Champions League.“ Der Klub hatte nach Bekanntwerden von Köhlers Erkrankung dessen Vertrag bis 2016 verlängert.

Kommentar Den Slogan „gemeinsam kämpfen“ verwirklichten die Berliner allerdings, als der Fußball wieder in den Mittelpunkt des Interesses gerückt war, nur sehr zögerlich. Erstaunlich tief stehend überließen die Hausherren den Gästen das Spiel und suchten ihr Heil 45 Minuten lang ausschließlich in Kontern und bei Standardsituationen.

Den Bochumern sah man in dieser Phase Verbeeks präzise Arbeit in der Vorbereitung durchaus an; das Positionsspiel stimmte, die Abwehr rückte weit auf und eroberte früh den Ball, man versuchte die Ruhe zu bewahren und Fehler im Aufbauspiel zu vermeiden. Lediglich das vertikale Spiel in die Spitze wussten die Berliner zu verhindern. Womit der von den Bochumern dominierten Partie eine Zeitlang die Spannung fehlte. Ansonsten herrschten in der ersten Halbzeit fast bayerische Verhältnisse in puncto Ballbesitz.

Gündüz feiert Tor-Premiere

Das Konzept schien aufzugehen, als die Bochumer im Anschluss an eine Ecke Selim Gündüz freispielten und der 20-Jährige, dessen Stern nach zwei Kreuzbandrissen jetzt doch aufzugehen scheint, mit Augenmaß zum 1:0 für die Gäste traf. Es war das erste Zweitliga-Tor für den Nachwuchsmann, der sich im Verlauf dieser Saison immer mehr Spielanteile erarbeitet hat.

2. Bundesliga Als die Gastgeber anschließend ihre Zurückhaltung aufgaben, erhöhte sich prompt auf Seiten der Bochumer die Fehlerquote. Mit fatalen Folgen: Der eingewechselte Martin Kobylanski und Union-Kapitän Damir Kreilach drehten mit ihren Treffern ein Spiel, in dem die Sieger nicht wirklich überzeugten. Benjamin Köhler wird das nicht gestört haben, er freute sich nicht nur über die Solidarität seiner Mitspieler, sondern auch über drei Punkte.