Ultras - Fans zwischen Hingabe und Randale
20.03.2009 | 15:18 Uhr 2009-03-20T15:18:00+0100
Dortmund.Sie zelebrieren einerseits Choreografien, andererseits werfen sie bengalische Fackeln aufs Spielfeld. Sie fallen durch kreative Gesänge auf – und durch Schlägereien mit der Polizei oder untereinander. Ultras sind wieder ins Gerede gekommen. DerWesten erklärt, was es mit ihnen auf sich hat.
Das Wort „Fan“ kommt von fanatisch. Fans sind Menschen, die mit ihrem Verein durch dick und dünn gehen und ihn bedingungslos unterstützen. Die findet man auf den Stehrängen, meist mittig hinter dem Tor. In den 70er und 80er Jahren waren es die Kutten-Fans mit ihren mit Aufnähern vollgepackten Jeans-Westen, die dort den Ton angaben.
Seit einigen Jahren dominieren die Ultras, eine Gruppe, die durch ihre schwarze oder dunkle Kleidung gut zu erkennen ist. Dennoch ist gerade diese Fan-Gruppierung schwer zu begreifen. Ultras sind mal kreativ und zelebrieren ihre Liebe zum Verein mit fantastischen Choreografien (Choreos). Dann wieder fallen sie durch Pöbel-Gesänge gegen die Polizei auf, durch den unkontrollierten Einsatz von bengalischen Feuern oder eben durch handfeste Auseinandersetzungen mit den Ordnungshütern.
Mit dem Rücken zum Spielfeld
Im Stadion machen Ultras die Stimmung. Dabei steht ein Vorsänger mit dem Rücken zum Spielfeld und gibt die Lieder oder Sprechchöre vor. Mit dem Rücken zum Spielfeld – für „normale“ Fans ist es völlig unverständlich, dass sich jemand vom Spiel abwendet. „Dass der Vorsänger mit dem Rücken zum Spiel steht, ist sinnbildlich für die Entwicklung der Ultra-Szene“, erklärt Michael Gabriel von der Koordinationsstelle für Fanprojekte (KOS) der Deutschen Sportjugend. „Ultras haben ihre Aufmerksamkeit vom Spiel entkoppelt“, so Gabriel. Es sei wichtiger, 90 Minuten lang eine gute Performance abzuliefern, etwa mit Dauergesängen und optisch gelungenen Auftritten.
Der spielbezogene Support, etwa das laute Anfeuern der eigenen Mannschaft bei Ballbesitz oder das Auspfeifen des Gegners, wenn er das Leder hat, sei in den Hintergrund gerückt. Gabriel: „Überspitzt kann man sagen, dass Ultras häufiger in die gegnerische Kurve schauen als aufs Spielfeld.“
Avantgarde unter den Fans
Für viele Ultras, so Gabriel, sei es wichtig, eine Avantgarde darzustellen. Oft geben sich Ultras elitär, als stünden sie über den anderen Fans. Für andere Fans, die nur wegen des Fußballspiels ins Stadion gehen, steht das Verhalten im Widerspruch zur Aussage vieler Ultra-Gruppierungen, alles für den Verein zu tun. Vielmehr scheinen die schwarz gekleideten Fans ganz andere Schwerpunkte für sich entdeckt zu haben, wenn Gesänge wie „Alle Bullen sind Schweine“ angestimmt werden.
Tatsächlich haben Ultras ein äußerst gespanntes Verhältnis zur Polizei. Das war nicht immer so. „Die KOS hat im Jahr 2002 den ersten Ultra-Kongress abgehalten. Damals gab es noch gar keine Probleme mit Ultras." In dieser Zeit habe die KOS den Trend erkannt, dass die Ultras die Zukunft der Fankurven werden könnten. Die Ziele der Bewegung waren redlich. Die neuartigen Fans wollten die Stimmung in den alten, zugigen Stadien aus den 70er Jahren verbessern. Die Kurven in großen Betonschüsseln wie dem Gelsenkirchener Parkstadion, dem Waldstadion in Frankfurt oder dem Münchener Olympiastadion waren den Ultras zu ruhig. „Sie wollten eine einheitliche Kurve“, so Gabriel. Dieses Ziel haben sie inzwischen übererfüllt: In allen Fanblöcken der Republik erklingen dieselben Lieder, stehen dieselben Sprüche auf Transparenten. Ein Favorit: "Gegen den modernen Fußball".
Polizei nutzte Methoden aus der Hooligan-Bekämpfung
Anders als die Fanprojekte, die sich von Beginn an für die Ultras zu interessieren begannen, reagierte die Polizei überrascht auf die neue Fanbewegung. „Die Polizei ging gegen die Ultras mit Methoden vor, die ursprünglich für die Hooligan-Szene gedacht waren“, erklärt Gabriel.
Vor den Spielen gab es Gefährder-Ansprachen, auf dem Weg zu den Spielen wurden die Ultras, die meist als geschlossene Gruppe zu Auswärtsspielen reisen, von engen Polizei-Kordons begleitet. „Dabei gab es damals noch gar keine Probleme mit Ultras“ so Gabriel.
Die Polizei, so der Fan-Experte, habe den Ultras zu Beginn viel zu viel Aufmerksamkeit gewidmet, während die Vereine die neue Strömung unter ihren Anhängern vernachlässigt hätten. Die Ultras versuchten, ihre Vereine mit Choreos zu unterstützen, während die Klubs im Gegenzug ihre Stadien umbenannten und dem Kommerz Tür und Tor öffneten. Doch gerade gegen die Kommerzialisierung - den sogenennten "modernen Fußball" wenden sich die Ultras vehement. „Polizei, Ultras und Vereine standen sich zunehmend sprachlos gegenüber“, fasst Gabriel zusammen.
Keine Kommunikation
Am Ende stehen Polizei-Aktionen wie im vergangenen Jahr in Bremen, als die dortige Polizei rund 200 Frankfurter festnahm, weil in der Menge ein Böller gezündet wurde. Die Frankfurter wurden eingekesselt, in Busse verfrachtet und zurück nach Hessen transportiert. Gabriels Vorwurf: „Dort hat zwischen Polizei und Fans keine Kommunikation stattgefunden. Gesprächsangebote der Ultras und des Fanprojekts wurden ignoriert.“
Einen anderen Weg geht die Polizei in Hannover. In der niedersächsischen Landeshauptstadt informiert die Polizei die Gäste-Fans zwei Wochen vor dem Spiel über die örtlichen Gegebenheiten. Dazu gehören sogar Infos, in welchen Kneipen Fans mit Stadionverbot das Spiel verfolgen können. An den neuralgischen Punkten am Bahnhof oder rund ums Stadion treten in Hannover keine Polizisten in Kampfmontur auf. Nach den Spielen gibt die Polizei den Fans die Möglichkeit, die Einsätze zu beurteilen. Der Tenor: „Endlich wird man als Fan nicht wie ein Mensch zweiter Klasse behandelt.“
Ultras schaden ihrem Verein
Doch falsche Polizeimaßnahmen erklären nicht, warum es im Umfeld von Ultra-Gruppierungen immer wieder zu Randale kommt. Es ist kaum erklärbar, warum Fans dem eigenen Verein schaden, indem sie während des Spiel Bengalos auf den Platz werfen und so einen Spielabbruch und eine saftige Geldstrafe für ihren Klub riskieren. „Diese Radikalisierung lässt sich nicht auf wenige Gründe reduzieren“, so Gabriel.
Der KOS-Mann sieht eine Vielzahl gesamtgesellschaftlicher Gründe mitwirken. Die Jugendkultur sei entweder total verkommerzialisiert oder verregelt. Da sei es verlockend, Grenzen zu durchbrechen. Vorfälle wie beim vergangenen Revier-Derby, als eine größere Gruppe Dortmunder Jagd auf Schalker machte und dabei Nazi-Parolen brüllte, seien jedoch die Ausnahme.
Schnell werden Ultras nach Ausschreitungen in den Medien als „sogenannte Fans“ bezeichnet. „Man muss Ultras immer als Fan betrachten“, betont indes Gabriel. Auch die Hooligans seien immer ein Teil der Fan-Szene gewesen. Allerdings räumt der Fan-Experte ein: „Selbst die Hooligans schütteln über manche Dinge, die von Ultras veranstaltet werden, den Kopf.“ Denn das Verhalten von Ultras im Stadion führt immer wieder zu Geldstrafen gegen den Verein, den sie eigentlich unterstützen wollen. „Die ehemaligen Hooligans betonen dann immer gerne, dass sie damals wenigstens nicht ihrem Verein geschadet hätten“, so Gabriel.
Viel Zulauf
Ultra-Gruppierungen - oder viel mehr die Ultra-Kultur - haben einen großen Zulauf. Oft sind unter den hunderten schwarz gekleideter Fans, die ihren Verein zu Auswärtsspielen begleiten, zahlreiche unorganisierte Jugendliche, die einfach den "Style" der Ultras mögen und kopieren. Wenn die sich dann daneben benehmen, fällt das auf die etablierten Ultra-Gruppierungen zurück, ohne dass die etwas dafür können.
Für die Ultra-Gruppen geht es nun darum, zu entscheiden, in welche Richtung sie sich bewegen wollen. In allen Gruppierungen gibt es gemäßigte Köpfe, die den Ton angeben. Wenn Ultras ernst genommen und verstanden werden wollen, müssen sie sich öffnen und ihr Handeln für andere Fans nachvollziehbar machen.
- Polizeigewerkschaft: "Bundesliga soll Polizeieinsätze bezahlen"
- DFB und DFL kontern Kritik der Polizei
- MSV-Weblog: Fußball macht nicht mehr so viel Spaß - auch wegen der Ultras
- Diskussion: Fußballfans - eine Kulturschande?
- Stadionverbote: Es trifft immer häufiger junge Fans
- DFB ermittelt nach Zweitliga-Krawallen
- Der Stadion-Staatsanwalt
19:48
Da wurde wieder jedes Klischee in einen Beitrag gesteckt ohne wirklich Plan von der sache zu haben. Ultrá könnt Ihr nicht unterkiegen!
14:11
„Die ehemaligen Hooligans betonen dann immer gerne, dass sie damals wenigstens nicht ihrem Verein geschadet hätten“
Vielleicht liegt es daran,dass es damals nicht sinnlos Vorschriften wie Pyro-Verbot gab.Wenn das und die sinnlose Polizeibegleitung auf Auswärtsfahrten nicht wären,würden keine fackeln gegen Polizei oder Spielfeld fliegen.So ist man gezwungen die Fackeln wegzuwerfen,da sonst ein 3 jähriges Stadionverbot winkt.Warum man die Fackeln überhaupt zündet?Um eine bunte Kurve zu zelebrieren und ein Zeichen gegen den modernen Fussball zu setzen!
Gruß
13:24
so muss auch mal was sagen das abbrennen von pyro technick ist schon weit aus länger gang und gebe wie es die meisten ulta gruppen gibt das nur mal dazu . Das die Polizei nur wegen den ultras da ist stimmt auch net .
Aber ich muss auch sagen in einigen punkten hat der beitrag recht und zwar das sich vieleder ultras als was besseres fühlen der dauer support geht mir auch auf den sack denn wenn das spiel ******* ist muss ich net singen es sei denn ich feier mich selber oder singe schmäh gesänge so wie gestern die essener in trier .
ach aber ihr müsst mal gucken was los ist wenn die ultras nicht mehr singen dann kommt nix auch wenn das spiel gut ist und da müssen sich dann die älteren fans nicht ultras oder kutten mal an die eiegene nase fassen und was zeigen denn wenn von da nichts kommt singen die ultras ihr programm runter ! Und das schreibe ich jetzt als ultra welcher aber immer kritisch auf die eigene gruppe schaut weil es einfach zu viel standart und mode geworden ist das war noch vor 3-4 jahren anders
Hört doch einfach auf immer auf die ultras zu knüppel wenn ihr selber nichts macht oder ändert übernehmen halt andere das ruder so ist der lauf der dinge
Auf gehts essen für eine bessere stimmung und eine Freie Kurve
11:43
Ultras und Stimmung im Stadion ist doch nichts schlechtes. Wenn es jemanden stört, dass im Stadion Lieder gesungen werden, dann soll er auf nen Sitzplatz gehen oder Premiere abonieren. Das ist doch wohl wirklich lächerlich.
Ich muss allerdings auch sagen dass ein klitzekleines bisschen MEHR kreativität bei den Lieder NOCH mehr Spaß machen würde (ich kann hier nur von Bochum reden)
Und das die Ultras sich gar nicht am Spiel orientieren stimmt auch gar nicht, denn sie munter die anderen oft genau dann auf zu singen und zu rufen, wenn man mal in Rückstand ist. Das einzige was öfters mal nervt sind Gesänge die zu einer 3:0 Führung passen würden, aber zu 0:2 0:3 Rückstand angestimmt werden. Da müsste man wikrlich ein bisschen mehr Gefühl für die Lage entwickeln.
Ich besitze ein Dauerkarte und gehöre nicht zu irgendeiner Ultragruppierung und singe trotzdem immer gerne mit und genieße die Stimmung(wobei AntiPolizeilieder,Gegenstadionverbote nicht unbedingt sein müssen)
Das Problem liegt meiner Meinung auch darin, dass die Ultras sich gerne mit den Firmen in Italien vergleichen und so ein hartes Image haben wollen, sich damit aber von den anderen fans distanzieren. Würde man hier Volksnäher sein, würde man auch mehr akzeptiert werden und die Stimmung wäre im ganzen besser und noch Lauter.
Aber Ultras sind kein Problem.
Und bei den Pyro-Aktionen geht es im das Spektakel, man will die anderen Fans und vielleicht auch die anderen Spieler einschüchtern. Aber es geht nicht darum jemanden zuverletzten, ein Spielabbruch zu erzwingen oder sonstiges.(zumindest sollte das so sein) Würde man was Pyrotechnik angeht mit dem Verein zusammen was ausarbeiten, wäre die Sicherheit gegeben und das Spektakel.
19:59
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17:18
Ist bei uns aber auch irgendwie so (MSV Duisburg) der Capo singt mit seinen Leuten da vorne immer das gleiche während die anderen wohl nur denken Singt euren scheiß mal selber, dieses MSV Duisburg schallalala geht mir auch aufn Sack, lieber sing ich die anderen sachen mit ;) man merkt aber auch das keiner mitsingt wenn dieses schalalala da kommt, ich finds selber ätzend^^
16:23
Die Ultras sehen sich also für die Stimmung im Stadion als verantwortlich an.
Da kann ich aber, als alter Fan, nur müde lächeln.
Wo ist denn die Kreativität in den Kurven hin?.
Das entstehen witziger, aufs Spiel bezogener, Gesänge, das gibt es doch nicht mehr.
Wenn der sogenannte Vorsänger (Capo ), immer und immer wieder die gleichen Lieder anstimmt, kann sich nichts mehr entwickeln.
Logisch das dann irgendwann überall die gleichen Lieder gesungen werden.
15:53
Wieso ist denn die Polizei da?
Doch nur nur wegen diesen schwarz verkleideten unberechenbaren Idioten, die auf Randale aus sind!
15:52
Gesänge: einer der Gründe, warum ich seit 1991 ins Georg-Melches-Stadion gehe
Stimmung: einer der Gründe, ....
Fliegend, volle Bierbecher bei einem Tor für den RWE: muss ich nicht von getroffen werden, ist aber kein Grund wegzubleiben
Choreos vor dem Spiel: manchmal schön, aber kein Grund wegzubleiben
Choreos nach dem Spiel: eine überflüssige Belastung der Spieler, aber dann kann ich ja gehen, ohne was zu verpassen
Hooligans: Schade dass die Pferdestaffel nicht mehr im Einsatz ist
Neonazis: die sind durch die Arbeit des Fanprojektes (Herzlichen DANK!) nicht mehr zu hören (Ein paar bekannte Herrenmenschen tauchen gelegentlich noch auf)
Feuerwerk, Bengalos, Gegenstände werfende FANS? und ähnliches: einer der Gründe, warum ich bald nicht mehr ins Stadion gehe!
und trotzdem: NUR DER RWE!
und: GLÜCK AUF!
15:46
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