Kommentar

Uli Hoeneß und die Frage nach dem Comeback

Gute Aussichten: Uli Hoeneß, hier bei einem Blick aus seinem Büro auf dem Bayern-Vereinsgelände.
Gute Aussichten: Uli Hoeneß, hier bei einem Blick aus seinem Büro auf dem Bayern-Vereinsgelände.
Foto: dpa

Ende des Jahres stehen beim FC Bayern Neuwahlen an. Schon heute bewegt die Frage, ob Uli Hoeneß sein Comeback anstreben wird. Ein Kommentar.

Essen.. Fast fünftausend Bayern-Fans haben inzwischen eine Online-Petition unterschrieben, die eine Rückkehr von Uli Hoeneß als Präsident des deutschen Fußball-Rekordmeisters zum Ziel hat. Das wird dem 64-Jährigen, der nach Verbüßung der Hälfte seiner Haftstraße wohl im März auf Bewährung frei kommt, schmeicheln. Ob er mit dem Gedanken spielt oder gar fest entschlossen ist, dem Wunsch seiner Anhänger nachzukommen, weiß allein er.

Ex-Bayern-Präsident Ein Gefängnisaufenthalt ist – vergleichbar allenfalls mit einer lebensbedrohlichen Krankheit – ein Schlüsselerlebnis, dessen Auswirkungen (Läuterung, Verbitterung, Rachsucht) nicht vorhersehbar sind. Deshalb wäre es anmaßend, dem langjährigen Bayern-Macher Ratschläge für die Zeit danach zu erteilen. Etwa nach dem Motto, er sollte besser auf ein Comeback als Präsident verzichten.

Hoeneß erster Auftritt mit Spannung erwartet

Bei seiner letzten Rede vor seinem Haftantritt hat Hoeneß den Satz „Das war’s noch nicht“ in den Saal geschleudert. Aber auch von der Hoffnung gesprochen, den Hass, den er in den zurückliegenden Monaten in sich entdeckt hätte, aus seinem Kopf rauszubringen, weil der ein schlechter Ratgeber sei.

Ein vielversprechender Ansatz. Vor dem Hintergrund, dass es in einem Rechtsstaat nie um Rache gehen darf, täte diese Einstellung auch jenen gnadenlosen Hoeneß-Gegnern gut, die nicht müde werden, die Strafe für den Steuerbetrüger als zu milde zu kritisieren und die in der Folge auch hinter einer vorzeitigen Freilassung noch eine Kungelei vermuten. Dabei wäre diese – bei Erfüllung der entsprechenden Auflagen – rechtens.

Wie sich Hoeneß, der über Jahrzehnte die Menschen in diesem Land polarisiert hat, nach seiner Entlassung verhalten und wie die Öffentlichkeit dann darauf reagieren wird, bleibt gleichwohl eine spannende Frage.

Mehr lesen