Uli Hoeneß: Freigänger ohne Reue und Unrechtsbewusstsein

Nur noch zum Schlafen in den Knast: Tagsüber arbeitet Uli Hoeneß wieder für seine Bayern. Foto: dpa
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Was wir bereits wissen
Uli Hoeneß ist Freigänger. Wären Reue und Unrechtsbewusstein daran geknüpft, hätte er diese Hafterleichterung wohl kaum bekommen. Ein Kommentar

Essen.. Der Freigang ist eine im Strafvollzug übliche Hafterleichterung. Dass er im Fall Hoeneß diversen Nachrichtensendern Eilmeldungen wert war, ist unserer Zeit geschuldet. Die Enttarnung eines auch als moralische Instanz geltenden Fußball-Erfolgsmanagers als Steuerbetrüger, schlimmer: als „Schein-Heiliger“, war von Anfang an ein Aufreger. Da verwundert es nicht, dass sein Freigang bei vielen die Vermutung nährt, hier sei einmal mehr ein Prominentenbonus im Spiel.

Nun mag die Hafterleichterung für Uli Hoeneß nach dem Verbüßen eines Sechstels seiner Gefängnisstrafe nicht der Regelfall sein, aber sie entspricht den Bestimmungen des Strafvollzugs. Unbehagen bereitet eher, dass es in diesem Steuerfall nach wie vor so viele Ungereimtheiten gibt – wie die ungeklärte Herkunft des Geldes. Weil es, trotz aller Dementis, seinerzeit eben wohl doch einen Deal zwischen Staatsanwaltschaft und Richter gegeben hat.

Geht es um Gerechtigkeit oder Rache?

Wer schon das Strafmaß als zu niedrig empfand und jetzt auch Probleme mit der frühzeitigen Hafterleichterung hat, sollte sich fragen, ob es ihm allein um Gerechtigkeit geht. Oder nicht doch mehr um das Bedürfnis, einen verhassten Menschen leiden zu sehen. Unser Strafrecht setzt aber aus gutem Grund nicht auf Rache, sondern auf Sühne und Resozialisierung. Wobei, nebenbei, das Wort Hass von Hoeneß selbst benutzt wurde, als er in seiner letzten Rede vor seiner Inhaftierung indirekt einen Rachefeldzug („Das war’s noch nicht“) nach Verbüßung seiner Strafe ankündigte.

Wäre aufrichtige Reue die Voraussetzung für einen Freigang – Hoeneß hätte diese Vergünstigung schwerlich erhalten können. Gab er doch unlängst den Bayerischen Verdienstorden erst auf Druck der Staatskanzlei zurück. Dabei hatte er vor gut zehn Monaten seinen – wie wir inzwischen wissen: wohl kalkulierten – Verzicht auf eine Revision des Urteils mit „Anstand, Haltung und Verantwortungsbewusstsein“ begründet. Hoeneß hat, um im Juristenjargon zu bleiben, „berechtigte Zweifel“ daran geweckt.