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Katar-Prozess

Theo Zwanziger attackiert im Katar-Prozess die ARD

02.02.2016 | 21:40 Uhr
Theo Zwanziger attackiert im Katar-Prozess die ARD
Theo Zwanziger vor dem Düsseldorfer Landgericht. Foto: Getty Images

Düsseldorf.  Das Düsseldorfer Landesgericht hat den früheren DFB-Präsidenten Theo Zwanziger gestärkt, er darf Katar "Krebsgeschwür" nennen. Doch dieser schimpfte über die ARD.

Am Ende brach es dann doch aus Theo Zwanziger heraus. „Lieber Herr Gauweiler, einige Ihrer Aussagen sind unterirdisch“, schimpfte er. Bis dahin hatte der frühere DFB-Präsident den Prozess vor dem Düsseldorfer Landgericht weitgehend regungslos verfolgt – auch weil er einen Teilerfolg einfuhr: Der 70-Jährige darf Katar voraussichtlich weiterhin als „Krebsgeschwür des Fußballs“ bezeichnen.

Gerichtsverhandlung
Zwanziger darf Katar vorerst weiter

Als Krebsgeschwür des Weltfußballs hatte Ex-DFB-Präsident Theo Zwanziger Katar bezeichnet. Das war laut Gericht von der Meinungsfreiheit noch gedeckt.

Zwar fällt die 6. Kammer des Landgerichts ihr endgültiges Urteil erst am 19. April, doch sie machte schon bei der mündlichen Verhandlung sehr deutlich, in welche Richtung sie tendiert: „Wir erachten die Äußerung unter dem Gesichtspunkt der freien Meinungsäußerung als noch gerechtfertigt.“

Korruptionsgerüchte um Katar

Der katarische Fußballverband, vertreten durch den CSU-Politiker Peter Gauweiler, hatte sich durch Zwanzigers Aussagen angegriffen gefühlt: Die Bezeichnung Krebsgeschwür sei eine Kollektivbeleidigung. Dem allerdings wollte das Gericht nicht folgen. Der Vergleich sei überspitzt, aber „manchmal sind krasse Formulierungen erforderlich, um Aufmerksamkeit auf eine Angelegenheit von öffentlichem Interesse zu lenken“, so die Kammer – nämlich auf die Vergabe der Fußball-WM 2022 an Katar. Seit Jahren ranken sich Korruptionsgerüchte um den überraschenden Zuschlag für den kleinen Wüstenstaat ohne jede Fußballkultur, der in den Tauglichkeitsstudien des Weltverbandes vor der Vergabe am schlechtesten weggekommen war. Mit seinem Vergleich habe Zwanziger eine öffentliche Debatte über das Thema anfachen wollen, so das Gericht.

Gauweiler vermutete weniger edle Absichten: Zwanziger habe von seiner Rolle bei den dubiosen Vorgängen rund um die deutsche WM-Bewerbung für 2006 ablenken wollen. Die Aussage des früheren DFB-Präsidenten, er habe erst 2012 vom Ausmaß der WM-Affäre erfahren, deutete Gauweiler zum Geständnis um: „Das heißt doch, er hat seitdem über alles detailliert Bescheid gewusst.“ Der Angegriffene reagierte extrem emotional: „Hier wird mir das Wort im Mund umgedreht“, giftete Zwanziger. „Da werden Verunglimpfungen vorgenommen, ohne den Sachverhalt zu kennen.“

WM-Skandal
Zwanziger beklagt Verleumdung und beendet DFB-Zusammenarbeit

Als Schlüsselfigur im WM-Skandal gewährte Theo Zwanziger Einblicke in Dokumente. Mit den externen DFB-Ermittlern will er nun nicht mehr kooperieren.

Auch nach der Verhandlung hatte sich Zwanziger, selbst pensionierter Richter, noch nicht beruhigt, diesmal traf sein Zorn die ARD: „Sie glauben doch nicht, dass ich mir gefallen lasse, dass vor sechs Millionen Zuschauern behauptet wird, ich hätte den Aufsichtsrat des WM-OK 2006 getäuscht!“, polterte er. In der Tagesschau „wurden Vermutungen in den Rang einer Tatsache erhoben. Daran werden sie sich messen lassen müssen! Das müssen sie jetzt beweisen“. Bei der ARD allerdings reagiert man gelassen: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Klage von Erfolg gekrönt wäre. Ich würde Herrn Zwanziger raten, nicht alles um sich herum zu verklagen“, sagte Sportchef Axel Balkausky.

Nicht der einzige Prozess

Sollte es zum Prozess kommen, wäre dies nicht Zwanzigers einziger Auftritt vor Gericht in nächster Zeit: Im April verhandelt das Landgericht Köln eine Klage Günter Netzers, der Zwanziger die Behauptung verbieten lassen will, Netzer habe den Kauf von Stimmen für die WM 2006 zugegeben. „Da ich immer die Wahrheit gesagt habe, habe ich auch da keine Angst“, sagte Zwanziger. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt außerdem wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung in einem besonders schweren Fall – weil Zwanziger daran beteiligt gewesen sein soll, eine dubiose DFB-Zahlung als Betriebsausgabe zu delegieren.

Der Kampf des früheren Richters ist noch lange nicht beendet.

 

Sebastian Weßling

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