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Zoff in Siegen

Sportfreunde zerfallen in Feindschaft

25.04.2008 | 23:08 Uhr

Siegen. Und Geschichte wiederholt sich doch. Wie vor zwei Jahren in der desaströsen Abstiegssaison in der zweiten Liga regiert beim Fußball-Regionalligisten Sportfreunde Siegen das blanke Chaos.

Vor dem richtungsweisenden Spiel am Samstag (14 Uhr) gegen Hessen Kassel, das sowohl in HR 3 (17 Uhr) als auch in der ARD-Sportschau (18 Uhr) übertragen wird, leitete der Vorstandsvorsitzende Christoph Hansen die obligatorische Pressekonferenz, obwohl er vom Aufsichtsrat zum Rücktritt aufgefordert worden war.

Schlüsselspiel Ein einmaliger Vorgang, der den südwestfälischen Traditionsverein in Deutschland der Lächerlichkeit preisgibt. Hansen verbat sich Fragen zu den heftigen Querelen, es durften nur welche zu sportlichen Dingen gestellt werden. Das interessierte allerdings keinen im überfüllten Presseraum in der Geschäftsstelle in der Leimbachstraße. Wenn das Spiel gegen Kassel nicht gewonnen wird, ist der Abstieg in die Viertklassigkeit ohnehin so gut wie besiegelt.

Bevor es zu einer der bizarrsten Pressekonferenzen in der Geschichte des Klubs kam, war Aufsichtsrats-Vorsitzender Christoph Bornebusch von seinem Amt zurückgetreten. Der Grund: Bornebusch gab die mehrheitlich im sechsköpfigen Aufsichtsrat beschlossene Trennungs-Empfehlung für den umstrittenen Trainer Marc Fascher an den Vorstand weiter. Aber der zu diesem Zeitpunkt noch im Amt befindliche Vorstand stellte sich hinter den Hamburger Fußball-Lehrer. Der Übungsleiter blieb im Amt.

Doch Bornebusch wurde von den Ereignissen überrollt und reichte ebenso wie sein Aufsichtsratskollege Gerold Schmidt seinen Rücktritt ein. Das Gremium schmolz von sechs auf vier Mitglieder. Nachfolger Bornebuschs ist sein bisheriger Stellvertreter Andreas Helmrath, der nicht lange zögerte und den Vorständen Christoph Hansen und Dirk Röckinghausen (Finanzchef) den Rücktritt noch vor dem heutigen Spiel empfahl, um einen Spießrutenlauf vor den heftigst aufgebrachten Anhängern zu verhindern.

Die Rücktritte sollten aber - nach Informationen unserer Zeitung - erst nach dem Spiel gegen Hessen Kassel der Öffentlichkeit bekannt gegeben werden, um der Mannschaft die Gelegenheit zu geben, sich wenigstens ansatzweise in Ruhe aufs Spiel vorzubereiten. Pech nur, dass es undichte Stellen bei den Sportfreunden gibt.

Eine Farce Ein Grund für die Farce ist auch, dass Dirk Röckinghausen die problematische Lizenzierung noch zu Ende bringen soll. Die Sportfreunde haben ein Millionen-Loch im angegebenen Etat für die neue Spielzeit. Ob der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die Lizenz für die dritte Liga überhaupt erteilt, steht in den Sternen.

Wie unsere Zeitung erfuhr, soll jetzt der ehemalige Vorsitzende Rolf Steinemann, mit dem 2005 der Aufstieg in die zweite Liga gelang, auf die Kommandobrücke zurückkehren. Auch der Vorgänger Hansens, der Düsseldorfer Hotelier Hans-Dieter Blecker, war gedrängt worden in den Vorstand zurückzukehren, lehnte aber ab.

Die Entlassung von Trainer Fascher nach der Partie gegen Kassel ist nicht ausgeschlossen. Ihn kann im Prinzip nur ein Sieg retten, ansonsten ist seine Dienstzeit, die im Oktober ausgerechnet bei den Nordhessen mit einem torlosen Unentschieden begann, schon nach sieben Monaten beendet.

Alles das können die Siegener Verantwortlichen, wer das dann auch immer sein mag, auf der schon für den nächsten Dienstag anberaumten Pressekonferenz bekannt geben. Das Chaos bei den Sportfreunden geht weiter.

Von Michael Schütz

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