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Rassismus

Spielabbruch - Milans Boateng flüchtet vor rassistischen Beleidigungen

03.01.2013 | 17:17 Uhr
Spielabbruch - Milans Boateng flüchtet vor rassistischen Beleidigungen
Von gegnerischen Fans verunglimpft: Kevin Prince Boateng vom AC Mailand.Foto: imago

Busto Arsizio.   Der italienische Fußball ist erneut von einem Rassismus-Skandal überschattet worden. Ein Freundschaftsspiel zwischen dem AC Milan und dem Viertligisten Pro Patria wurde aufgrund rassistischer Gesänge einer Fangruppierung abgebrochen. Der ehemalige Dortmunder Kevin-Prince Boateng verließ nach rassistischen Rufen den Platz und erntete dafür solidarischen Applaus der Zuschauer.

Nach rassistischen Beschimpfungen durch gegnerische Fans hat Kevin-Prince Boateng gemeinsam mit seinen Teamkollegen des AC Mailand in einem Testspiel vorzeitig den Platz verlassen. In der 26. Minute der Partie beim Viertligisten Pro Patria drosch der frühere Berliner am Donnerstag wütend den Ball in Richtung der Zuschauer, zog sich das Trikot aus und ging gefolgt von seinen Mitspielern vom Rasen. Der Schiedsrichter unterbrach die Partie, die beim Stand von 0:0 nicht wieder gestartet wurde.

"Wir müssen dieses unzivilisierte Verhalten stoppen"

Nach Angaben von Milan hätten vier Anhänger der Heimmannschaft die dunkelhäutigen Boateng, M'Baye Niang und Sulley Muntari rassistisch beleidigt. "Ich bin enttäuscht und betrübt, aber ich denke, dass es die richtige Entscheidung war, nicht auf das Feld zurückzukehren - aus Respekt vor unseren Spielern und allen anderen farbigen Spielern in jeder Liga", sagte Mailands Trainer Massimiliano Allegri. "Wir müssen dieses unzivilisierte Verhalten stoppen. Italien muss ein bisschen zivilisierter und intelligenter werden."  "Dieser Vorfall schadet dem Ansehen des italienischen Fußballs", hieß es in einer Erklärung der Mailänder. Boateng twitterte derweil: "Es ist eine Schande, dass so etwas noch vorkommt."

Kommentar
Boateng vom AC Mailand setzt ein Zeichen gegen Rassismus
Boateng vom AC Mailand setzt ein Zeichen gegen Rassismus

Es sollte ein lockeres Testspiel werden, doch am Ende stand ein handfester Skandal. Derzeit tourt der ruhmreiche AC Mailand durch die italienische Provinz und besucht kleine Vereine, um die Milan-Fans im ganzen Land zu besuchen.

Das Spiel beim Viertligisten Pro Patria in der lombardischen Stadt Busto Arsizio allerdings wurde immer wieder durch rassisitische Störer überschattet. So lange beleidigten die Heimfans die dunkelhäutigen Spieler Milans bis dem auch in Deutschland bestens bekannten Kevin Prince Boateng die Hutschnur riss . Er riss sich das Trikot vom Leib, knallte den Ball in die Zuschauerränge, verließ das Spielfeld - und alle seine Mitspieler folgten ihm nach wenigen Augenblicken. Ein starkes Zeichen seiner Teamkollegen gegen den alltäglichen Rassismus in Italiens Stadien.

Nun ist Italien weit weg und in der Bundesliga sind wir von solchen Auswüchsen wie in der Serie A und vielen anderen europäischen Ligen (Russland und Polen zum Beispiel, auch in England gab es im letzten halben Jahr mehrere solcher Vorfälle) zum Glück weit entfernt, auf einer Insel der Glückseligen aber leben auch wir leider nicht. Zahlreiche Vorfälle in der Hinrunde belegen das.

Dennoch können sich auch die Klubs in Deutschland die Reaktion der Mailänder Spieler zum Vorbild nehmen, die demonstrierten, wie auch hochdotierte Profis entschlossene Zeichen gegen  Diskriminierung und Intoleranz setzen können.

Einen besseren Vorsatz könnte es für das neue Jahr doch kaum geben.

Wie Kapitän Massimo Ambrosini berichtete, hätten die Rufe bereits deutlich vor Boatengs Reaktion begonnen: "Wir wurden von Beginn an belästigt. Wir haben ein Zeichen gegen solch hässliche Vorfälle gesetzt. Wir müssen derartigen Ereignissen ein Ende bereiten." Ambrosini weiter: "Wir haben ein Zeichen gegen solch hässliche Vorfälle gesetzt. Wir müssen derartigen Ereignissen ein Ende bereiten."

Während der Unterbrechung hatten die Spieler des Amateur-Clubs Pro Patria aus Busto Arsizio noch versucht, mit ihren Anhängern zu sprechen, um eine Fortsetzung des Spiels zu ermöglichen. Club-Präsident Pietro Vavassori verurteilte die rassistischen Rufe und zeigte Verständnis für Boatengs Reaktion. "Ich bin verbittert, verstehe aber Milans Entscheidung", sagte Vavassori. Seinen Angaben nach gehörten die Störenfriede nicht zu den Fanclubs des Vereins. "Die Herrschaften wurden ermittelt. Sie gehören nicht zu den Ultras von Pro Patria", betonte der Club-Chef.

Busto Arsizios Bürgermeister Gigi Farioli beklagte, dass seine Stadt durch einige wenige Zuschauer in ein falsches Licht gerückt worden sei: "90 Prozent der Zuschauer haben applaudiert, als die Spieler das Feld verließen", berichtete Farioli.

Rassistische Äußerungen in Italien gang und gäbe

Laut der Zeitung "Gazzetta dello Sport" war es das erste Mal, dass ein Spiel in Italien wegen rassistischer Rufe abgebrochen wurde. Der italienische Verbandspräsident Giancarlo Abete bezeichnete den Vorfall als "entsetzlich und nicht tolerierbar. Wir müssen mit aller Macht reagieren, um die wenigen Kriminellen zu isolieren, die dieses Freundschaftsspiel in einen Aufruhr verwandelt haben, der den ganzen italienischen Fußball beleidigt."

In den italienischen Fußball-Stadien kommt es immer wieder zu rassistischen Sprechchören gegen farbige Spieler. Auf den Tribünen waren auch schon Spruchbänder mit Hakenkreuzen und faschistischen Parolen zu sehen . In Rom zeigten radikale Lazio-Fans vor einigen Jahren sogar einmal ein Spruchband mit der Aufschrift "Auschwitz ist Eure Heimat, die Öfen Euer zu Hause". Als Reaktion auf diese und zahlreiche weitere rassistische Zwischenfälle weitete die Regierung die Befugnisse der Polizeichefs in den Stadien aus. Neben den Schiedsrichtern können auch die Polizeichefs Spiele im Falle von Ausschreitungen oder Gesetzesverstößen abbrechen. (dpa/sid)

Hier können Sie das Video des Vorfalls ansehen.


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