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Schweizer Koller will Österreichs Fußball vorwärts bringen

09.09.2012 | 17:05 Uhr
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Ein Mann mit klaren Vorstellungen: Marcel Koller, Österreichs Nationaltrainer.Foto: Guenter R. Artinger/dapd

Wien.   Stratege und Sprachrohr: Marcel Koller, der ehemalige Trainer des VfL Bochum und des 1. FC Köln, hat einen Masterplan für die österreichische Nationalmannschaft, mit der er am Dienstag in Wien auf Deutschland trifft.

Das Puzzle ist längst fertig. „Ich habe schon einen Plan in meinem Kopf“, beschied Marcel Koller, doch mitteilen mochte er noch nicht, wie die österreichische Nationalmannschaft am Dienstag das ewig junge Duell gegen den großen Bruder angeht. Vor dem Start in die WM-Qualifikation gegen Deutschland sind um das Trainingsareal am Ernst-Happel-Stadion grüne Sichtblenden angebracht. Ein bisschen Geheimniskrämerei kann nicht schaden, wo der neue Teamchef aus der Schweiz doch glaubt: „Wenn wir hundertprozentig bei der Sache sind, unser Konzept eins zu eins umsetzen und die Deutschen nicht ganz bei der Sache sind, könnte es funktionieren.“ Seit Sonntag vergangener Woche bereitet sich die österreichische Auswahl unter Kollers strenger Regie zumeist abgeschirmt auf den Showdown im Wiener Prater vor.

„Deutschland ist nach wie vor eine Weltklasse-Mannschaft“

Ein Schweizer in Österreich: Marcel Koller trainiert die Nationalmannschaft des Alpenstaats.Foto: imago

Anders als der letztlich grandios in der EM-Qualifikation gescheiterte und dann geschasste Nationaltrainer Didi Constantini hat der Nachfolger einen langfristigen Masterplan ausgeheckt. Er sehe bereits „eine positive Entwicklung, aber das heißt noch lange nicht, dass wir die zweitbeste Mannschaft der Welt wegputzen werden“. Doch liebäugeln mit der WM 2014 sei allemal erlaubt. Während Constantini oft dem Beckenbauen-Prinzip („Geht raus und spielt Fußball“) folgte, setzt Koller mit seinem vertrauten Assistenten Fritz Schmid vermehrt Strategiestunden auf den Lehrplan. Die deutsche Pflichtaufgabe am Freitag gegen die Färöer verfolgte der 51-Jährige am Fernseher: „Mit dem 1:0 war der Druck weg. Deutschland ist nach wie vor eine Weltklasse-Mannschaft.“

Joachim Löw hat den Nachbarn auf der Rechnung. „Österreich hat sich in Organisation und Struktur stark verbessert“, sagt der Bundestrainer. „Ich halte die Österreicher für so stark wie die letzten Jahre nicht.“ Sie haben in diesem Jahr nicht nur Finnland (3:1) und die Ukraine (3:2), sondern vor einem Monat auch die Türkei (2:0) besiegt. Übrigens mit laufintensiver Arbeit gegen den Ball und ausgeprägtem Pressing.

Der gebürtige Züricher Koller, der seine Profikarriere ausnahmslos beim Traditionsverein Grashopper Zürich verbrachte, kündigte bei Amtsantritt an, in Wien auch zum Heurigen zu gehen. Die Donaumetropole sei „kulinarisch eine Wohlfühlstadt, aber mir fehlen die Berge“. Die Wahlheimat goutiert seinen Humor: Der Teamchef muss kein Schmähbruder wie einst Ernst Happel sein, aber ein bisschen Augenzwinkern kann nicht schaden.

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Dass Koller anders als der oft mundfaule Constantini beinahe jede Pressekonferenz zur Chefsache macht, hat Methode: Der 55-malige Schweizer Nationalspieler möchte Österreichs Fußball-Sprachrohr sein. „Er hat genaue Vorstellungen, was er will und nicht will“, sagt ÖFB-Generaldirektor Alfred Ludwig.

Zahlreiche Vorbehalte gegenüber Koller

Die Vorbehalte gegenüber dem Eidgenossen hätten nicht größer sein können, als Verbandschef Leo Windtner im Herbst vergangenen Jahres die Wahl damit begründete, ein neutraler Fußballlehrer wie Koller könne hier besser „Spuren ziehen“. Rückwärts gewandte Honoratioren rümpften die Nase. „Solche Trainer haben wir in Österreich genügend“, grantelten Herbert Prohaska oder Toni Polster, während Hans Krankl gleich daran erinnerte, dass dieser Mann doch seit seiner Entlassung im September 2009 beim VfL Bochum ohne Anstellung gewesen sei. Dass Koller seitdem etliche Angebote ausgeschlagen hatte, blieb unerwähnt.

Die Ära Koller

Beeindruckt hat der Überzeugungstäter, der die intern gehandelten Kandidaten Andreas Herzog und Franco Foda ebenso ausstach wie die extern ins Spiel gebrachten Otto Rehhagel und Christoph Daum, mit seiner professionellen Herangehensweise. Und einen kleinen Seitenhieb verpasste er seinem Arbeitgeber auch: „Man schaut hier ein bisschen viel zurück und malt blumige Bilder, anstatt sich der Zukunft zu widmen.“

Frank Hellmann

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