Wie sehr sich Schalke-Talent Max Meyer verändert hat

Hat sich verändert: Schalke-Talent Max Meyer.
Hat sich verändert: Schalke-Talent Max Meyer.
Foto: Getty Images
Was wir bereits wissen
Aus dem frechen Spielmacher mit dem Anarchie-Element ist ein angepasster Di-Matteo-Schützling geworden, der auf einmal Seltsames sagt.

Gelsenkirchen.. Ein junger Mann steht in der Mixed Zone, 19 Jahre alt. Er hat soeben sein neuntes Tor im 53. Bundesligaspiel erzielt. Eine stolze Quote. Und dann sagt er: "Ich habe nicht allzu große Ansprüche, dass ich jedes Spiel von Beginn an machen möchte." Der junge Mann ist Schalkes Max Meyer, gesagt hat er den Satz nach dem 1:1 (0:0) gegen Werder Bremen am Samstagmittag - und Meyers Metamorphose vom frechen, unbekümmerten Spielmacher mit dem bezaubernden Anarchie-Element zum angepassten Arbeiter im fest strukturierten System von Trainer Roberto Di Matteo ist komplett.

In seinem ersten Bundesligajahr 2013/2014 kam Meyer im 4-2-3-1-System unter Trainer Jens Keller meist auf der "Zehn" zum Einsatz. In 41 Pflichtspielen erzielte er sieben Tore, legte vier weitere vor, war unumstritten und hatte einen großen Anteil am dritten Tabellenplatz. Er schaffte es sogar bis in den vorläufigen WM-Kader und bestritt sein erstes A-Länderspiel. "Max will ganz schnell ganz viel. Er macht sich selbst den Druck, möglichst 34 Spiele zu machen, und die von Anfang bis Ende", sagte Schalke-Manager Horst Heldt vor Meyers erstem Bundesliga-Jahr im August 2013. Meyers größter Förderer Norbert Elgert, immer noch U19-Trainer der Königsblauen, erklärte in einem Interview mit "11Freunde": "Max will immer spielen, er kann an keinem Ball vorbeigehen. Deshalb war es für ihn eine gefühlte Höchststrafe, als ich ihn im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft 2012 zunächst auf der Bank gelassen habe."

Nur zwei Spiele über 90 Minuten unter Schalke-Trainer Di Matteo

Und genau der Max Meyer nimmt es jetzt gelassen hin, auch mal auf der Bank zu sitzen? Was ist da passiert? Genau dieser Meyer erklärt nun: "Ich versuche immer, mein Bestes zu geben, damit ich am Wochenende oder in der Woche in der Startelf stehe. Wenn es mal nicht so ist, muss ich auch damit leben. Ich bin dann froh, wenn ich reinkommen kann. Ich bin ein junger Spieler, habe schon viele Spiele gemacht." Das alles klingt wie im Medientraining auswendig gelernt.

Meyers Verhältnis zu Trainer Roberto Di Matteo ist nicht schlecht, der Coach traut dem 1,73 Meter kleinen Spielmacher durchaus eine große Karriere zu. Aber Meyer passt eben nicht so richtig in Di Matteos Defensivsystem, das vor allem von der Organisation lebt. Organisation - das Lieblingswort des Italieners. Es geht im Schalker Spiel darum, "nicht viel zuzulassen" - auch das gibt es häufig zu hören, wenn in diesen Tagen Schalke-Spiele analysiert werden. Ein Techniker, der auch mal schnell im Eins-gegen-fünf den Ball verdribbelt, ist ein Sicherheitsrisiko. Meyer bestritt unter Di Matteo zwar 17 von 20 Spielen, aber nur zwei (!) über 90 Minuten. Siebenmal wurde er lediglich eingewechselt.

Einzelkritik Zum Beispiel beim 0:1 in Leverkusen - zu Beginn von Di Matteos Amtszeit bei S04. Da war Meyer eine Minute vor Schluss gekommen, hatte sich wie so oft in der Mixed Zone den Fragen gestellt und offen zu seiner Aufgabe geantwortet: "Wie immer, wenn man hinten liegt und reinkommt: Dass man noch etwas bewegen kann. Das war schwer, weil es so spät war. Keine Ahnung, warum ich nicht früher gekommen bin. Vielleicht beim nächsten Mal." Sehr ehrlich, vielleicht auch etwas zu ehrlich - in die Mixed Zone wird Meyer seitdem nur selten gelassen. Wenn er reden darf, hat er garantiert etwas Gutes geleistet - wie am Samstag im Spiel gegen Werder. Längere Interviews gibt Meyer sehr wohl - aber nur, wenn jemand von der Presseabteilung daneben sitzt und die Gespräche hinterher autorisiert. Meyer ist verschlossener geworden. Nach seinem Tor gegen Werder legte er beim Jubel den Zeigefinger auf seinen Mund. Warum? "Das bleibt mein Geheimnis", sagte er.

Meyer stellt Arjen Robben kalt

Immerhin hat Meyer Di Matteos System zu akzeptieren gelernt. "Dass wir keinen Hurrafußball spielen, ist jedem bekannt. Dass wir versuchen, kompakt zu stehen, die Räume eng zu machen und durch einige Nadelstiche Tore zu machen, das sieht jeder", sagte er. Gefragt sind nun nicht zwingend nur noch Meyers technische Qualitäten. Im 5-3-2-System übernimmt er in der Dreierreihe im Mittelfeld die linke Seite, wenn er spielen darf. Nach dem 1:1 beim FC Bayern Anfang Februar schwärmte Horst Heldt, Meyer habe als "neuer Verteidiger Arjen Robben kaltgestellt".

So ändern sich die Zeiten.