Wie Pierre-Emil Höjbjerg seine Chance bei Schalke genutzt hat

Pierre-Emil Höjbjerg (r.) konzentriert sich jetzt zu 100 Prozent auf Schalke.
Pierre-Emil Höjbjerg (r.) konzentriert sich jetzt zu 100 Prozent auf Schalke.
Foto: Getty Images
Was wir bereits wissen
Der Bayern-Leihspieler hat von der Verletzung von Leon Goretzka profitiert und kam dreimal in Folge zum Einsatz. Auch, weil er sich nicht hängen ließ.

Gelsenkirchen.. Dänemarks norwegischer Nationaltrainer Age Hareide (62) ist ein akribischer Mann mit wohl traditionsbewussten Verhaltensmustern. „Ich glaube nicht, dass er WhatsApp hat”, sagte Pierre-Emile Höjbjerg unlängst mit einem Grinsen, als er gefragt wurde, ob ihm sein Nationaltrainer schon eine Nachricht zur aktuell erfreulichen Entwicklung geschickt habe. Hareide wird aber auch so zufrieden registriert haben, dass sein Schützling Höjbjerg auf Schalke jetzt wieder richtig zum Einsatz kommt – genau das hatte der Trainer nämlich vor Wochen mit Blick auf die Ende März anstehenden Länderspiele gefordert.

Verletzung Seit drei Spielen zählt Höjbjerg, die Leihgabe des FC Bayern, zur ersten Elf – dreimal blieb Schalke ungeschlagen und holte mit ihm in diesem Zeitraum sieben Punkte (0:0 in Frankfurt, 3:2 gegen Hamburg, 3:1 in Köln). Keine Frage, dass Höjbjerg auch am Freitag erste Wahl sein wird, wenn Schalke um 20.30 Uhr zum Bundesliga-Spitzenspiel bei Hertha BSC antreten muss (live bei uns im Ticker). Der 20 Jahre alte Däne hat seine Chance genutzt, die ihm die Schulterverletzung von Leon Goretzka eröffnet hat.

Schalke-Coach wechselt ungern in der Zentrale

Schalke und Höjbjerg mussten lange darauf warten, bis man jetzt feststellen kann: Das Leihgeschäft mit den Bayern über eine Saison hat doch Sinn gemacht. Dreimal in Folge durfte der Mittelfeldspieler zuvor noch nie über 90 Minuten spielen. Denn Trainer André Breitenreiter wechselt im zentralen Mittelfeld nicht gerne das Personal; normalerweise ist hier das Duo mit Johannes Geis und Leon Goretzka gesetzt. Höjbjerg weiß, dass er seine Chance dem Pech von Goretzka zu verdanken hat: „Das passiert im Fußball, dass sich ein Spieler verletzt. Dann muss man bereit sein und die Zeit nutzen.”

Hojbjerg Bereit war Höjbjerg, weil er sich im Training nie hängen ließ – „du musst ruhig bleiben und versuchen, zu kämpfen”, sagt er und beschreibt, wie er die Wochen im Wartestand zuvor erlebt hat: „Der Alltag findet auf dem Trainingsplatz statt. Natürlich gehören die Spiele auch dazu, aber wenn es in diesem Moment nicht geht, muss man trotzdem weitermachen und noch eine Schüppe drauflegen.”

Nach außen hat er seine Rolle nie beklagt. Dass das innerlich wohl anders aussah, deutet Manager Horst Heldt an: „Er ist sehr ehrgeizig, hat mit der Situation gehadert.” Jetzt sei es aber an der Zeit, „Pierre-Emile auch mal zu loben.” Vor allem beim 3:1-Sieg in Köln deutete der Mittelfeldspieler seine Klasse an: Es war wohl sein bislang bestes Spiel für Schalke. Höjbjerg aber will das nicht allzu hoch hängen: Wenn die Mannschaft einen Lauf habe, sagt er lapidar, würden eben auch die Individualisten besser zur Geltung kommen.

Die zweite Chance in der Fremde

Für den 20-Jährigen aber ist es wichtig, jetzt auf sich aufmerksam zu machen: Er gilt vor allem in seiner dänischen Heimat als herausragendes Talent, kam bereits mit knapp 17 Jahren nach Deutschland zum FC Bayern, doch den ganz großen Durchbruch hat er noch nicht geschafft. Vor einem Jahr wurde er in der Rückrunde an den FC Augsburg ausgeliehen, jetzt ist sein Gastspiel auf Schalke die zweite Chance in der Fremde, um sich weiterzuentwickeln. Geplant ist, dass er im Sommer nach München zurückkehrt – eine Kaufoption haben die Bayern Schalke nicht eingeräumt. Doch das letzte Wort über die Zukunft des Talents ist wohl noch nicht gesprochen – vielleicht ist ein längeres Gastspiel auf Schalke für ihn sogar besser als eine Rückkehr in den Luxuskader der Bayern.

Goretzka Zwar will sich Höjbjerg aktuell darüber keine Gedanken machen und betont, dass jetzt erst einmal nur das Spiel am Freitagabend in Berlin wichtig sei. Aber einen Verbleib auf Schalke schließt er zumindest nicht aus: „Wenn die Saison fertig ist, kann man überlegen. Jetzt bin ich zu 100 Prozent Schalker und fühle mich wohl.”

Eine Million Euro Leihgebühr zahlt Schalke für Pierre-Emile Höjbjerg in dieser Saison an den FC Bayern, diese Konditionen hat Manager Horst Heldt im vergangenen Sommer ausgehandelt. Es wäre ein gutes Geschäft für Schalke, wenn dem neuen Manager Christian Heidel das für die nächste Saison auch gelingen würde.