Wie es auf Schalke zugeht mitten in der Sommerpause

Nicht viel los auf Schalke - zumindest auf dem Rasen.
Nicht viel los auf Schalke - zumindest auf dem Rasen.
Foto: Joachim Kleine-Büning / Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Pause bei S04, Pause rund um die Arena. Aber was ist auf dem Vereinsgelände los, wenn eigentlich nichts los ist? Eine Menge. Wir haben uns umgeschaut.

Gelsenkirchen.. Man könnte fast meinen, das Feld für Marc Wilmots sei auf Schalke schon bestellt. Der Haupttrainingsplatz ist im allerbesten Zustand. Wer selbst Fußball spielt, will einfach nur auf den Rasen und zocken. Die Realität sind aber zwei Absperrgitter und ein Hinweisschild: Kein Zutritt. Schade. Ein paar Meter weiter in Richtung Veltins-Arena hängt ein weiteres Schild, unscheinbarer. „Platz der Eurofighter“ ist darauf zu lesen. Eurofighter, das sind die Schalker Jungs, die 1997 den Pott in den Pott holten. Eurofighter Nummer eins: Marc Wilmots. Wohl nur ein königsblauer Zufall.

Kein Heldt in Sichtweite

Kein Mensch ist auf Schalke gegen zehn Uhr zu sehen. Die Balkontür, die ins Büro von Manager Horst Heldt führt, ist geöffnet. Doch von einem Heldt ist aus der Entfernung nichts zu sehen. Dann mal weiter in Richtung Arena. Den Weg dorthin kreuzt Torsten Petri. Schalkes Greenkeeper ist auf einem XXL-Rasenmäher unterwegs. Auf die Frage, wann die Greenkeeper ihren wohlverdienten Urlaub antreten dürfen, sagt Petri: „Urlaub? Das ist hier wie Urlaub, oder nicht?“ Petri lacht, grüßt noch einmal, dann tritt er aufs Gaspedal.

[kein Linktext vorhanden] Vor der Arena wird es laut, immer lauter. Über 1000 Kinder und Jugendliche strömen aus Tor 1. Wahnsinn, wie das hallt. Es sind die Schüler der Gesamtschule Berger Feld, die nur einen Steinwurf vom großen Stadion entfernt ist. Eine junge Lehrerin bittet höflich darum, den Grund der großen Zusammenkunft nicht zu schreiben. „Soll eine Überraschung werden“, sagt sie. Wird gemacht.

Malochen für Helene Fischer

Ganz schön überrascht ist Willi, als es um kurz vor halb elf Uhr an der Scheibe seines Pritschenwagens klopft. Willi und seine beiden Kollegen Frank und Fabrice machen gerade Frühstückspause – mitten vor der Tausend Freunde Mauer. Fabrice, der Jüngste, hat die Augen für einen Moment zugemacht, Willi ist gerade beim Sportteil seiner Zeitung angekommen. „In zwei Minuten geht’s weiter“, sagt er und schließt erst das Fenster, dann die Butterbrotdose.

Wilmots Willi und seine Kollegen sind bei Gelsenkanal beschäftigt und für die Reinigung der Entwässerungsrinnen rund um die Arena zuständig. Mittwoch ist der erste Tag von vielen weiteren Arbeitstagen hier. „Vier Wochen sind bestimmt auf Schalke“, glaubt Willi. „Alles nur für Helene Fischer“, ruft Vorarbeiter Frank und lacht. Die Schlagerkönigin gibt in anderthalb Wochen zwei Konzerte.

Willi hat sich aber schon immer mehr für Klaus als für Helene Fischer interessiert, also für Schalke. „Kommt er denn jetzt, der Willi?“, fragt der Namensvetter und liefert die Antwort gleich mit: „Ich glaube schon. Der Wilmots ist ein Kampfschwein und passt hier wunderbar hin. Habe aber gehört, dass der eine Stange Geld fordern soll.“

Der Optimist aus der Südkurve

Eine Stange Geld hat auch Stefan dabei, er ist am Mittwoch aufs Vereinsgelände gekommen, um seine Dauerkarte zu bezahlen. Stefan sitzt in der Südkurve und muss dafür in diesem Jahr 451 Euro lockermachen. Aufs „Erlebnis Schalke“ will Stefan trotz der enttäuschenden Saison auf keinen Fall verzichten. „Da hat ein Zahnrad nicht ins andere gegriffen, dann passiert sowas“, sagt er, ist aber sicher: „Nächste Saison wird alles anders.“

Uchida Anders wird in der nächsten Saison garantiert die Kluft. „Dat neue Grüne“, das Trikot in den Gelsenkirchener Stadtfarben, wurde schon im Mai präsentiert. Im Fanshop ist jetzt auch das neue Auswärtstrikot ausgestellt. Komische Farbe, findet allerdings auch die freundliche Mitarbeiterin, die gerade noch die Scheiben der Drehtür auf Hochglanz bringt. „Die Farbe nennt sich Cyan“, erklärt sie und begutachtet das 79,95 Euro teure Stück Stoff genau. „Verkaufen wir übrigens gut. Hätte ich auch nicht gedacht“, erklärt sie. Der Bestseller nach wie vor: die Rückennummer 25 und Klaas-Jan Huntelaar.

Im Service-Center steht um kurz vor elf Uhr nur Stefan, der Optimist aus der Südkurve. Der freie Verkauf für die Heimspiele soll erst im Juli beginnen. Neben Wilmots auf Schalke derzeit am heißesten gehandelt: Helene Fischer.