Wellenreuther oder Wetklo - Schalker stellt die T-Frage

Wer hütet am Freitag das Schalke-Tor? Timon Wellenreuther konkurriert mit Christian Wetklo (l.).
Wer hütet am Freitag das Schalke-Tor? Timon Wellenreuther konkurriert mit Christian Wetklo (l.).
Foto: imago
Was wir bereits wissen
Schalke-Torwart Fabian Giefer verletzte sich beim 1:1 in München. Der 19-jährige Timon Wellenreuther bekam für seinen ersten Einsatz eine Menge Lob.

München.. Halbzeitpause im Spitzenspiel der Bundesliga. Zwischen Bayern München und dem FC Schalke 04 steht es 0:0. Während Trainer Roberto Di Matteo seiner Mannschaft in der Umkleidekabine die Pläne für die zweite Halbzeit darlegt, sieht ein Schalker zu, dass er seinen Körper in der eisigen Arena möglichst schnell auf Betriebstemperatur bringt. Er macht ein paar Sprints, dehnt die Muskeln, prüft den Spielball und denkt nach. Timon Wellenreuther weiß, dass es gleich passieren könnte. Und dann wird es wahr: Er darf spielen.

Fabian Giefer hat sich verletzt, jetzt muss der 19-Jährige die Partie zwischen den Schalker Pfosten zu Ende bringen. Bundesliga-Debüt. Vor 75 000 Zuschauern. Gegen die momentan vielleicht beste Vereinsmannschaft der Welt. Und direkt hinter ihm stehen die einzigen Bayern-Fans im Stadion, die richtig Alarm machen. Für manche ein Alptraum, für Wellenreuther eine Herausforderung, auf die er schon lange gewartet hat.

Wellenreuther überzeugte Schalke-Trainer Di Matteo im Training

Timon Wellenreuther wechselt im Juli 2013 vom Karlsruher SC zur A-Jugend des FC Schalke. Er braucht in der Talentschmiede von U-19-Trainer Norbert Elgert nur ein Jahr, um sich einen Vertrag bei den Profis zu angeln. Aber dort sind die Hierarchien klar gesetzt. Nummer 1 ist Ralf Fährmann. Ersatzmann Fabian Giefer ist gerade erst von Fortuna Düsseldorf gekommen. Und für den Fall der Fälle ist da ja auch noch der erfahrene Christian Wetklo. Doch der sitzt am Dienstag in München gar nicht auf der Bank. Wellenreuther hat Roberto di Matteo im Training überzeugt. Und weil sich nach Ralf Fährmann nun auch Fabian Giefer verletzt hat, erhält der Youngster seine Chance.

Giefer „Na klar, mach’ ich“, hat er Torwarttrainer Massimo Battara entgegnet, nachdem der ihm in der Halbzeitpause die Situation erklärte. Gleich geht es los. Seine Mitspieler klopfen ihm auf die Schulter, sie wünschen Glück. Anpfiff! Wellenreuther ist auf den Punkt konzentriert, keine Spur von Nervosität. Er macht ein ordentliches Spiel, kann sich bereits nach zwölf Minuten bei einem harten Schuss von Arjen Robben auszeichnen. Er faustet den Ball mit beiden Händen aus der Gefahrenzone. Später sprintet Robert Lewandowski auf ihn zu. Wellenreuther fischt dem Weltklasse-Stürmer den Ball von den Füßen. Die Fans in den Schalke-Blöcken im Stadion sind mehr als 100 Meter entfernt. Doch Wellenreuther kann sie hören. Sie klatschen, sie jubeln ihm zu. Als der Schlusspfiff ertönt, darf Wellenreuther stolz auf sich sein, zufrieden aber ist er nicht. „Es war aufregend, aber perfekt war es nicht. Ich wollte zu Null spielen“, sagt der junge Mann.

Kommentar An dem Kopfballtreffer von Arjen Robben, der nach einem Eckball fällt, trifft Timon Wellenreuther keine Schuld. So bewertet auch Horst Heldt die Szene. „Timon hat das außerordentlich gut gemacht. Er war sehr souverän, sehr ruhig. Er hatte nicht damit gerechnet, dass er gegen die Bayern zum Einsatz kommt. Ich habe ihm gratuliert“, sagt Schalkes Manager nach dem Spiel. Lob gibt es auch von Schalkes Kapitän. „Timon hat das klasse gemacht. Er hat sich nicht großartig von der Kulisse beeindrucken lassen. Timon hat mutig gespielt und die Chancen, die Bayern hatte, souverän bewältigt. Er hat einen guten Einstand hingelegt“, sagt Benedikt Höwedes.

Gut möglich, dass Wellenreuther bereits am Freitag sein zweites Bundesligaspiel bestreitet. Er steht bereit, und Fabian Giefer wird auf keinen Fall spielen können. Wellenreuther oder Wetklo? Die Partie gegen Mönchengladbach (20.30 Uhr, live in unserem Ticker) wäre das erste Bundesliga-Heimspiel für den 19-Jährigen. „Ich gebe 100 Prozent. Wenn ich spielen soll, bin ich da“, sagt Wellenreuther.