Warum Tönnies' Heidel-Plan auf Schalke scheitern könnte

Wer wird der neue Manager auf Schalke? Clemens Tönnies (links) setzt auf den Mainzer Christian Heidel. Sicher ist: Horst Heldt (rechts) geht zum Saisonende.
Wer wird der neue Manager auf Schalke? Clemens Tönnies (links) setzt auf den Mainzer Christian Heidel. Sicher ist: Horst Heldt (rechts) geht zum Saisonende.
Foto: imago
Was wir bereits wissen
  • Christian Heidel vom FSV Mainz 05 ist Tönnies' Topfavorit als Nachfolger von Sportvorstand Heldt.
  • Doch im Aufsichtsrat sind nicht alle Mitglieder mit ihrem Vorsitzenden auf Linie.
  • Auf wen kann sich Tönnies verlassen?

Gelsenkirchen.. Im Vorfeld des Bundesliga-Spiels zwischen seinem aktuellen Verein Mainz 05 und seinem wohl künftigen Arbeitgeber Schalke 04 am Freitag (20.30 Uhr, Sky, live in unserem Ticker) wurde Christian Heidel einmal mehr mit hartnäckigen Fragen gelöchert. Es geht darum, ob und wann er auf Schalke übernimmt.

JHV-Termin Zwar meint der Mainzer Manager nicht, dass dieser Nebenschauplatz das sportliche Tagesgeschäft überlagert. „Beide Mannschaften kommen gut damit zurecht, dass dieses Thema im Raum steht“, befand Heidel – drängte aber selbst auf eine schnelle Entscheidung: „Da muss Klarheit rein.“

Die Frage, wer zur neuen Saison Nachfolger von Schalkes Sportvorstand Horst Heldt wird, wäre früher schnell geregelt gewesen. Die Zeiten, in denen Clemens Tönnies mal ordentlich auf den Tisch hauen und ein Machtwort sprechen konnte, scheinen vorbei. Die Hausmacht von Schalkes Aufsichtsratsvorsitzendem ist gebröckelt. Die von Tönnies vorgesehene Installation von Heidel als neuem Sportchef könnte sogar scheitern.

Auf einer außerordentlichen Aufsichtratssitzung, die rund um das Heimspiel gegen Stuttgart (21. Februar) stattfinden wird, soll darüber entschieden werden. Von elf Mitgliedern müssen mindestens acht für Heidel stimmen, um die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit zu gewährleisten. Aber: Auf wen kann sich Tönnies verlassen?

Sechs Stimmen sind sicher

Sein Stellvertreter Jens Buchta und Peter Lange, der mit Tönnies den sogenannten Eilausschuss bildet, gelten als absolut loyal. Auch die beiden kooptierten Mitglieder Dirk Metz und Sergey Kupriyanov sind linientreu. Kupriyanov ist bei Schalkes Hauptsponsor Gazprom tätig – bei den vierteljährlichen Sitzungen aber meistens abwesend. Nun könnte der Russe eingeflogen werden, eben weil Tönnies jede Unterstützung gebrauchen kann. Denn als „sicher“ gilt außerdem nur noch, dass auch Heiner Tümmers für Heidel stimmen wird. Er wurde vom Schalker Fanclubverband, der dem Gesamtverein nahe steht, in den Aufsichtsrat entsandt.

S04-Aufsichtsrat Das wären sechs Stimmen.

Armin Langhorst, ehemals Mannschaftsarzt, und Ulrich Köllmann vom städtischen Energieversorger ELE kommen eher nicht in Frage, das Projekt Heidel zu kippen. Ihre Stimmen zu gewinnen, ist für Tönnies entscheidend. Dann hätte er acht Stimmen zusammen.

Gegenwind droht von den anderen drei Mitgliedern: Seit 2014 sitzt Axel Hefer im Gremium, er hat bereits bewiesen, dass er streitbar ist – und wurde im August 2015 sogar suspendiert. Neu im Aufsichtsrat sind Andreas Horn und Thomas Wiese, sie gelten als Tönnies-kritisch. Sollte es in der Manager-Frage Gegenstimmen geben, dürften sie aus diesem Lager stammen.

Diese Fraktion hinterfragt vieles – auch das Vorpreschen in der Sache Heidel. Schon im Oktober wurde öffentlich, wen Tönnies als Heldt-Nachfolger bevorzugt.

Denkbar ist freilich auch, dass Hefer, Horn und Wiese für Heidel votieren: Falls das Konzept des Mainzers überzeugen kann und sie mit allen weiteren Rahmenbedingungen einverstanden sind.

Heidel wäre stärker als Heldt

Es geht darum, wie viel Macht ein neuer Sportvorstand erhält. Bisher waren Sport-, Finanz- und Marketingvorstand gleichberechtigt. Künftig soll es einen Vorstandsvorsitzenden geben, und dieser soll Heidel heißen. Und es geht auch ums Geld. 2,3 Millionen Euro dürfte der Jahresverdienst von Heidel betragen. Eine neue Größenordnung für einen Schalke-Vorstand.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels haben wir geschrieben, dass Heiner Tümmers Angestellter des Vereins sei. Das ist falsch. Diesen Fehler haben wir korrigiert.