Warum Schalke nicht Thomas Tuchel als Trainer verpflichtete

Horst Heldt wollte eine sofortige Lösung für den Revierklub.
Horst Heldt wollte eine sofortige Lösung für den Revierklub.
Foto: imago
Was wir bereits wissen
Schalke-Manager Horst Heldt verriet am Dienstagmittag ausführlich, warum er Jens Keller freistellte, wann er Roberto Di Matteo von einem Wechsel nach Gelsenkirchen überzeugte und warum Thomas Tuchel kein Thema war. Wir haben Heldts Aussagen protokolliert.

Gelsenkirchen.. So ganz schien die Chemie zwischen den Spielern des FC Schalke 04 und Ex-Trainer Jens Keller doch nicht mehr zu stimmen. Bevor Manager Horst Heldt am Sonntag nach London aufbrach, um mit Roberto Di Matteo zu verhandeln, hatte er noch bei Kellers Videoanalyse nach der 1:2-Niederlage in Hoffenheim zugehört. "Ich habe dabei in die Gesichter der Spieler geschaut", sagte Heldt. Und was er dort sah, überzeugte ihn nicht mehr. Bei einer Pressekonferenz am Dienstagmittag verriet Heldt noch mehr. Wir haben es protokolliert.

Horst Heldt über die Kontakte zu Roberto Di Matteo: "Wir hatten länger Kontakt, haben uns schon im Frühjahr 2013 getroffen. Zum damaligen Zeitpunkt war Jens Keller noch eine Übergangslösung. Das war ein sehr gutes Gespräch in London, aber er musste die Beurlaubung in Chelsea noch verarbeiten. Dann haben wir uns noch einmal am Rande eines Länderspiels zwischen England und Deutschland in London getroffen. Da hatte er im Hotel der Nationalmannschaft bei einer Tagung Joachim Löw besucht. Der Kontakt zwischen uns ist nie abgerissen."

Einigkeit am Sonntag in London

Heldt über die konkreten Verhandlungen: "Ich bin am Sonntag nach London geflogen, habe die Gespräche mit Roberto Di Matteo geführt. Dann haben wir Einigkeit erzielt."

Heldt über die Qualitäten von Di Matteo: "Die Gespräche und seine Vita haben mich beeindruckt. Er hat als Trainer viel erreicht. Er weiß, wie man mit Stars umzugehen hat, er hat eine Philosophie und eine Spielidee. Er steht für Disziplin auf und außerhalb des Platzes, legt viel Wert auf Organisation."

Di Matteo Heldt, nachdem er auf Thomas Tuchel angesprochen wurde: "Wir haben die Entscheidung getroffen, jetzt etwas zu verändern - und nicht erst im Sommer 2015. Wir wollten jetzt sofort Stabilität. Und dann sind wir schnell auf Roberto Di Matteo gekommen. Haben Sie aber Verständnis, dass ich nicht über andere Alternativen spreche."

So denkt Heldt über Kellers Auftritt in "Sky90"

Heldt über den Zeitpunkt der Entscheidung: "Wir hatten die Hoffnung, dass wir durch die Rückrunde der vergangenen Saison Stabilität bekommen - das hat sich aber nicht bewahrheitet. Nach einem schlechten Start gab ein Hoch mit den Siegen in Bremen und im Derby, dann aber wieder keine guten Ergebnisse gegen Maribor und in Hoffenheim. Rückblickend auf die Hochs und Tiefs haben wir einen Punkt erreicht, an dem wir Gefahr laufen, dass die Hochs immer weniger werden."

Heldt über die Einbeziehung der Führungsspieler: "Es ist wichtig, sich auszutauschen, sich ein Meinungsbild zu verschaffen. Ich führe mit den Spielern viele Gespräche über viele Themen. In die Entscheidung involviert waren sie nicht."

Heldt will sich der Kritik stellen

Heldt über das letzte Gespräch mit Jens Keller in der Nähe von Kellers Wohnort Lohmar: "Ich habe Jens Keller die Entscheidung am Montagabend in einem Vieraugengespräch mitgeteilt. Für alle Beteiligten sind das keine schönen Momente. Es gibt nicht nur Sonnenschein. Er hat das mit Fassung getragen."

Heldt über Kellers Auftritt in "Sky90" am Sonntagabend, als er längst mit Di Matteo verhandelt hatte: "Das war kein günstiger Zeitpunkt. Aber was hätte das für einen Medienaufschlag gegeben, wenn Jens ohne triftigen Grund abgesagt hätte. Wir hatten die Einladung nach dem Derbysieg angenommen. Und Jens wollte nicht kneifen. Ich habe eine Verantwortung, die in erster Linie auf Schalke 04 ausgerichtet ist."

Heldt über Selbstkritik: "Ich werde mich der Kritik stellen."