Warum Draxlers Einsatz gegen Real ein falsches Signal war

Für Julian Draxler kam der Einsatz gegen Madrid viel zu früh.
Für Julian Draxler kam der Einsatz gegen Madrid viel zu früh.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Gegen eine Mannschaft wie Real Madrid unterzugehen, ist an sich keine Schande. Aber Schalke 04 ließ gegen Real Madrid nicht nur keinen Plan erkennen,. Die Mannschaft ergab sich auch noch widerstandslos, und der Trainer setzte mit Draxlers Einsatz ein falsches Signal. Ein Kommentar.

Essen.. Fangen wir mit dem Positiven an. Es war ein Abend, dessen Zauber sich auch Schalker Anhänger bei aller Ernüchterung über das eigene Team nicht entziehen konnten. Eine derartige Demonstration modernen Hochgeschwindigkeitsfußballs hat die Arena noch nicht erlebt. Nicht von Manchester, Barcelona oder Chelsea und selbst von den Bayern nicht. Real Madrid zelebrierte die hohe Kunst des Fußballs – eine Augenweide für alle, die Vereinsliebe nicht blind gemacht hat.

Dass der Traumfußball des Gegners für die Schalker Mannschaft eher ein Albtraum war, versteht sich von selbst. Zumal ihr das Schlimmste vielleicht erst bevorsteht: das Rückspiel. So weit mochte Olaf Thon noch gar nicht blicken. Dem früheren Nationalspieler entfuhr als erstes der Gedanke: „Ich habe Angst vor dem nächsten Spiel.“ Das findet am Samstag in München statt ...

Neues Selbstbewusstsein ist bedroht

Thons Sorge teilen viele Schalke-Fans. Innerhalb von nur vier Tagen droht sich das durch einen verheißungsvollen Rückrundenstart aufgebaute Selbstbewusstsein der Mannschaft ins Gegenteil zu verkehren: Frustration statt Motivation. Und auch die gerade erst zum Schweigen gebrachten Kritiker des Trainers könnten schon bald wieder Oberwasser bekommen.

Boateng-Foto Mit dem Einsatz des lange verletzten Julian Draxler hat Jens Keller weder dem Nationalspieler noch sich selbst einen Gefallen getan. Sicher, der S04-Coach hätte aufstellen können, wen er wollte – der Klassenunterschied wäre kaum kleiner geworden. Aber irgendeine Idee von einem Matchplan hätte man schon gerne erkannt. Und einen Spieler, der wochenlang keine Wettkampfpraxis hatte, gegen einen so starken Gegner von Anfang an zu bringen, sendet ein möglicherweise fatales Signal an die Mannschaft: Der Trainer stellt nicht nach Form, sondern nach Namen auf.

Aber zurück zum Positiven: Dieses Spiel macht Appetit auf mehr. Natürlich nicht auf noch mehr Schalke – Real. Fußball-Genießer würden jetzt gerne das Madrider Ensemble in einem Duell auf Augenhöhe sehen. Am besten gegen den FC Bayern. Nach Lage der Dinge wird es, in welcher Runde auch immer, dazu kommen. Vorfreude ist angesagt.