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Warum das Drama von 2001 auf Schalke noch immer nachwirkt

01.03.2016 | 20:08 Uhr
Enttäuschung in Frankfurt: Schalkes Stürmer Klaas-Jan Huntelaar bekam keine Chancen, das Spiel endete 0:0.Foto: imago

Gelsenkirchen.   Der Bochumer Sportpsychologe Thomas Graw erklärt die ewige Suche der Königsblauen nach Konstanz. Unruhe ist eine Folge von Ungeduld.

„Wir alle möchten nicht noch einmal so etwas erleben, was in der letzten Saison stattgefunden hat.“ Als Horst Heldt am Dienstag diesen Satz sagt, ist zu erkennen, dass er sich ehrlich sorgt. Der Manager des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 weiß, was an diesem Mittwoch ab 20 Uhr auf dem Spiel steht: Im Falle einer Niederlage gegen den Hamburger SV droht die Stimmung unter den Anhängern von Enttäuschung in Verärgerung umzuschlagen. Oder gar in Wut, wie gegen Ende der vergangenen Saison, als die Fans auf die Barrikaden gingen.

Heldt
Noch Schalke-Manager Heldt ist in Frankfurt im Gespräch

Horst Heldt arbeitet noch bis zum Sommer als Manager beim FC Schalke, dann übernimmt Christian Heidel. Doch auch Heldt könnte dann einen Job haben.

Schalke 04 steht an einer Weggabelung. Erfolge gegen Hamburg und am Samstag in Köln werden dringend herbeigesehnt, bevor im März und April eine Serie von Spielen gegen Top-Teams der Liga folgt. Nach dem Aus im DFB-Pokal und in der Europa League droht sonst der Absturz ins Bundesliga-Mittelmaß. Die Lage ist noch nicht dramatisch, aber alarmierend durchaus. Wieder einmal. Wie so oft.

Erinnerung an die Bayern von 1999

Warum bloß kommt dieser Verein seit Jahren nicht zur Ruhe? Ist es das unverarbeitete, bis heute nachwirkende Trauma der Vier-Minuten-Meisterschaft von 2001?

„Ja, das ist nicht abwegig“, sagt Thomas Graw. Der Sportpsychologe aus Bochum kennt sich im Profifußball aus, er war jahrelang für den VfL tätig und kümmert sich derzeit um die österreichische Nationalmannschaft. „Das Wort Trauma ist mir zu dramatisch“, betont er, „aber nach einer tiefen Enttäuschung sind Prozesse der Verarbeitung nötig. Und wenn diese Enttäuschung nicht verkraftet wird, kann Ungeduld entstehen.“

Thomas Graw Foto: WP

Thomas Graw erinnert an das Drama des FC Bayern München, dem 1999 in Barcelona mit zwei Gegentoren in der Nachspielzeit des Endspiels gegen Manchester United der Champions-League-Pokal noch aus den Händen glitt. „Die Bayern hatten die Stärke, das zwei Jahre später wiedergutzumachen“, sagt der 50-Jährige.

Ein ähnlich befreiendes Erlebnis aber blieb auf Schalke aus. Der Seelenqual von 2001 folgte nie die Entspannung. Stattdessen musste Schalke auch noch mitansehen, wie sich der 2005 noch von der Insolvenz bedrohte Revier-Rivale Borussia Dortmund berappelte und sich mit gelungener personeller und wirtschaftlicher Planung zu zwei Meistertiteln in den Jahren 2011 und 2012 aufschwang.

Auf Schalke aber wiederholten sich die Szenarien auch bei wechselndem Personal. 2007 stand die Mannschaft erneut dicht vor dem Titelgewinn, im Saison-Endspurt aber versagten ihr die Nerven. Trainer kamen, Trainer gingen. Konstanz über längere Zeit gab es selten.

Peter Peters nennt den Verein stabil

„Um eine Enttäuschung zu kompensieren, will man mit aller Macht Erfolg haben“, erklärt Sportpsychologe Graw. „Dabei bleibt häufig die Geduld auf der Strecke. Und das ist ein ganz wichtiger Punkt. Denn ohne Geduld werden bei einer ständig hohen Erwartungshaltung auch unprofessionelle und emotionale Entscheidungen getroffen, die nicht mehr zielführend sind.“

Uchida
Saison-Aus für Schalkes Rechtsverteidiger Uchida

Schalke kann in dieser Saison nicht mehr auf Atsuto Uchida zurückgreifen. Der Rechtsverteidiger wird wegen seiner Knieverletzung in Japan behandelt.

An dieser Stelle müssen sich die Männer angesprochen fühlen, die seit Jahren auf Schalke die Richtung vorgeben: Clemens Tönnies, der Aufsichtsratsvorsitzende, und Peter Peters, der Finanzvorstand.

Peters will dem in den vergangenen Tagen aufgekommenen Wirbel die Windstärke nehmen, er sagt: „Ich weiß gar nicht, woran die Unruhe festgemacht wird. Im Innenleben des Vereins spüre ich davon nichts. Vieles ist bei uns doch auf Stabilität und Langfristigkeit ausgelegt. Das Sponsoring zum Beispiel, auch die Nachwuchsarbeit. Ich bin seit 1993 hier, und seitdem hat es erst vier sportlich verantwortliche Manager gegeben. Das zeugt doch nicht von Instabilität.“

Peters bekräftigt, er könne auch „die These nicht stützen“, dass das Trauma von 2001 immer noch ausstrahle. „Der Verein hat doch seitdem schon Titel geholt und war erfolgreich.“ Es stellt sich aber die strittige Frage, ob DFB-Pokalsiege und Champions-League-Teilnahmen eher lindernde als lösende Wirkung hatten.

Die königsblauen Ansprüche bleiben hoch. „Schalke 04 ist ein Verein mit enormen Möglichkeiten“, betont Peter Peters. „Deshalb ist es auch erlaubt, sich ehrgeizige Ziele zu setzen.“ Dieser Verein ist kein Plastikklub, keine auf dem Reißbrett entworfene Geldvermehrungsmaschine. Die Menschen leben diesen Verein – mit aller emotionaler Wucht. Und eben weil Schalke nie langweilig wird, ist auch das mediale Interesse gewaltig. Unruhe wird dadurch viel schneller potenziert.

All das macht strategisches Handeln nicht leichter. Weil Schalke lebt, leidet es auch heftiger.

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Peter Müller

Kommentare
02.03.2016
22:17
Warum das Drama von 2001 auf Schalke noch immer nachwirkt
von goalie1955 | #40

Wie bereits ganz, ganz unten angeführt: totaler BULLSHIT ! Wahrscheinlich sind hier total
besoffene Redakteure am Werk ! Ab in die Ecke und schämt...
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Warum das Drama von 2001 auf Schalke noch immer nachwirkt
Warum das Drama von 2001 auf Schalke noch immer nachwirkt
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http://www.derwesten.de/sport/fussball/s04/warum-das-drama-von-2001-auf-schalke-noch-immer-nachwirkt-id11613823.html
2016-03-01 20:08
Schalke 04, S04,
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