Von Häschen und Kaninchen - oder: Schalker ohne Leidenschaft

Mit hängenden Köpfen vom Platz: Schalker-Spieler nach der mutlosen Vorstellung gegen die Bayern.
Mit hängenden Köpfen vom Platz: Schalker-Spieler nach der mutlosen Vorstellung gegen die Bayern.
Foto: Getty Images
Was wir bereits wissen
Man kann verlieren. Aber nicht so. Selten waren sich die Fans in ihrem Urteil über ein Schalke-Spiel so einig wie nach dem 0:2 gegen die Bayern. Eine mut- und seelenlose Vorstellung, an der auch der Anteil des Trainers hinterfragt werden muss. Ein Kommentar.

Gelsenkirchen.. Es war Mitte der zweiten Halbzeit, Zeit genug also, der Partie noch eine Wende zu geben. Aber als die mit 0:2 gegen die Bayern zurückliegenden Gastgeber gefühlte zehn Minuten lang nicht mehr an den Ball kamen, hatten auch hartgesottene königsblaue Fans verstanden. Sie taten das, was die Schalker Spieler auf dem Rasen vorgemacht hatten: Sie gaben auf und waren es am Ende sogar leid, ihr früheres Idol Manuel Neuer auszupfeifen. Was sollen wir uns groß aufregen, so die Botschaft von den Rängen, wo doch die Mannschaft die sich abzeichnende Pleite geradezu apathisch hinnimmt. Ein fatales Zeichen für einen Klub, der für Emotion und Herzblut steht.

Schalke Weil Schalke-Anhänger genug leidvolle Erfahrungen gemacht haben, werfen Rückschläge sie gewöhnlich nicht um, schon gar nicht gegen Teams, die als besser besetzt akzeptiert werden. Aber diesmal nahmen sie den blutleeren Auftritt ihrer Elf persönlich und schwiegen diese am Ende nur noch an. Eine Reaktion, die schwerer wiegt als die nach vergleichbaren Enttäuschungen üblichen „Wir-wollen-euch-kämpfen-sehen“-Chöre.

Stevens und Heldt haben Schalke mit ruhiger Hand auf Harmonie getrimmt

Nach dem Magath-Intermezzo, das eine Klimavergiftung im Verein und eine Spaltung der Anhänger bewirkte, haben der durchaus mit zwiespältigen Gefühlen empfangene Trainer-Rückkehrer Huub Stevens und Manager Horst Heldt den Verein mit ruhiger Hand wieder auf Harmonie getrimmt. Parallel dazu wurde der als maximale Ausbeute für diesen Kader empfundene dritte Rang erreicht. Eine viel versprechende Ausgangslage also, die freilich sorgfältigen Umgang erfordert, soll sie nicht das Ende der Fahnenstange bedeuten.

Stimmen Auf Teufel komm raus Meister werden zu wollen, ist dabei von der aktuellen Vereinsführung längst als kontraproduktiv erkannt worden. Selbstzufriedenheit nach dritten Plätzen kann allerdings nicht die Alternative sein. Die Lösung heißt: Den Fans, die weit realistischer als ihr Ruf sind, das Gefühl zu vermitteln, auf dem Platz immer alles zu geben. In diesem Punkt, und nicht wegen der Niederlage, hat Schalke gegen Bayern versagt.

Wenn Horst Heldt seinen Spielern bescheinigt, „wie die Häschen“ herumgelaufen zu sein (passender ist das Bild vom Kaninchen vor der Schlange), sollte er sich auch einmal fragen, welchen Anteil womöglich der Coach daran hat. Neigt Huub Stevens doch dazu, Gegner noch größer zu reden als sie sind. Mit übertriebenem, in Ehrfurcht ausartenden Respekt hat aber noch keiner einen Favoriten gestürzt. Dazu bedarf es der Überzeugung, an einem guten Tag mit Mut und Leidenschaft jeden schlagen zu können – und eines Trainers, der diese Einstellung vorlebt. Was bekanntlich in Schalkes Nachbarschaft zu besichtigen ist.